Ganz anders als meine bisherigen Kompakten ist die Caplio R1 unglaublich schnell: In einer Sekunde ist das Objektiv in Weitwinkelstellung ausgefahren und die Kamera startklar. Die Aufnahmeverzögerung inclusive Autofokus (!) liegt unter 1/4 Sekunde. (Bei meiner Spiegelreflex dauert allein das Fokussieren länger.) Trotzdem ist der Autofokus treffsicher und bekommt erst unter sehr schlechten Lichtverhältnissen Probleme.
Durch den Pufferspeicher ist ein schneller „Nachschuß" möglich, ohne daß man zuerst das Speichern abwarten müßte.
Das Gehäuse ist solide und handlich. Im abgeschalteten Zustand fährt das Objektiv komplett in die Kamera ein und wird von einer Metallklappe verschlossen.
Als perfekte Tasche habe ich nach längerer Suche die „Hama Digital Perfect DF 25" entdeckt, die auch am Gürtel getragen werden kann. Unter der Kamera läßt sie noch Platz für ein Paar Ersatzbatterien oder -akkus.
Per Mehrfeldmessung („Lichtmessung Multi") neigt die R1 leider zur Überbelichtung, aber wenn man sie auf mittenbetonte Messung („Lichtmessung Mitte") umstellt, was allen Benutzern hiermit empfohlen sei, liefert sie einwandfreie Ergebnise. Der automatische Weißabgleich ist sehr zielsicher (sogar unter Kunstlicht), so daß die manuelle Einstellung nur selten gebraucht wird.
Eine komplett manuelle Belichtungssteuerung fehlt leider, aber per Belichtungskorrektur und Belichtungsspeicher läßt es sich gut arbeiten. Belichtungskorrektur, Weißabgleich und ISO-Empfindlichkeit sind über die „ADJ"-Taste schnell abrufbar. Für die Blitzfunktionen gibt es eine eigene Taste. Außerdem stehen noch Motivprogramme zur Verfügung, die über bloße Zeit-Blenden-Varianten hinausgehen: Der „Textmodus" schafft durch hohe Kontraste gute Wiedergabe abfotografierter Buchseiten (für Hobby-Spione), und „Hohe Empfindlichkeit" betreibt das Display mit mehr Verstärkung, so daß man auch im Dämmerlicht noch was darauf erkennt und nicht ins Leere zielt.
Desweiteren steht eine Vielzahl kreativer Einstellungen per Menü zur Verfügung, z. B. manueller Fokus, Spotmessung, Nachschärfung (3 Stufen), Serienbilder, Belichtungsreihen, Langzeitbelichtung (bis 8 Sekunden), Filmaufnahme, Selbstauslöser (2 oder 10 Sekunden). Diese Möglichkeiten sind so angeordnet, daß sie bei Bedarf abgerufen werden können, aber dem Einsteiger nicht hinderlich sind.
Fast alle Einstellungen bleiben nach dem Ausschalten gespeichert, so daß man nicht vor jeder Benutzung wieder alles neu einstellen muß.
Generell ist das Fotografieren über Display anzuraten. Die Auflösung des Displays dürfte etwas höher sein, aber man kommt damit aus; per Bildlupe kann man die Schärfe aufgenommener Bilder gut beurteilen. Ein Histogramm steht sowohl live als auch nach der Aufnahme zur Verfügung. Praktisch für Architektur- und Landschaftsaufnahmen sind die einblendbaren Gitterlinien; ihre Anordnung entspricht einer senkrechten und waagerechten Dreiteilung und eignet sich somit auch als Kompositionshilfe.
Ein optischer Sucher ist zwar vorhanden, ist aber sehr klein, unpräzise und für Brillenträger schlecht einsehbar.
Die Bildqualität ist bei ISO 64 und 100 ausgezeichnet. Bei ISO 400 und 800 tritt deutliches Farbrauschen auf. Mit Hilfe von Entrauschungstools wie „Noiseware" lassen sich aber noch sehr gute Bilder in Postkartengröße rausholen.
Das Stativgewinde aus Metall ist mittig angeordnet und erlaubt die Benutzung auch sehr kleiner Tischstative; in Verbindung mit der Langzeitbelichtung kann man damit tolle Nachtaufnahmen realisieren.
Übrigens gleicht die ISO-800-Einstellung die etwas knappe Anfangslichtstärke (f3,3) des Objektivs mehr als aus. Außerdem zeichnet sich das Objektiv durch einen tollen Brennweitenbereich von (auf KB umgerechnet) 28 bis 135 mm aus. So viel Weitwinkel in Verbindung mit ordentlichem Tele ist sonst schwer zu finden - in diesem kompakten Gehäuse dürfte es sogar einmalig sein. Per Menü zuschaltbar ist ein Stufenzoom (5 Stufen), das reproduzierbare Brennweiteneinstellungen ermöglicht. Ein Digitalzoom ist vorhanden, bringt aber nichts.
Der Macromodus ist brauchbar und bildet Objekte bis ca. 2,3 cm Breite (WW) oder 4,3 cm Breite (Tele) noch formatfüllend ab. Ein Gewinde zum Anschluß weiterer Nahlinsen oder Vorsätze gibt es jedoch nicht.
Sehr flexibel ist die Stromversorgung: Neben AA-Batterien und -NiMH-Akkus ist auch ein LiIo-Akku nebst Ladegerät lieferbar. Die Batterien bzw. Akkus halten trotz ständigen Displaybetriebs relativ lange.
Die verwendeten SD-Speicherkarten sind dank großer Verbreitung recht günstig zu bekommen. In höchster Qualitätseinstellung braucht ein Bild ca. 1,7 MB. Auf eine 256er SD-Karte passen dann 140 bis 150 Bilder.
FAZIT: Die Ricoh Caplio R1 ist eine der schnellsten digitalen Kompaktkameras auf dem Markt und besitzt einen sehr interessanten Zoombereich. Sie bietet fast alle denkbaren Eingriffsmöglichkeiten (außer vollmanueller Belichtung), so daß auch fortgeschrittene Fotografen viel Freude mit ihr haben werden. Einziges echtes Manko ist die Überbelichtung mit Mehrfeldmessung, aber die läßt sich durch Umschalten auf mittenbetonte Messung beheben.