Die Ricoh hat vor allem zwei hervorstechende Merkmale: Ein Objektiv, das echt in den Weitwinkelbereich hineinreicht (28mm), und einen sehr schnellen Hybrid-Autofokus, der auch bei Dunkelheit funktioniert. Weitere Pluspunkte der RX sind, dass man die zuletzt genannten Vorteile zu einem sehr moderaten Preis und in einem solide wirkenden, kompakten Gehäuse erhält.
Was mich ebenfalls an der Ricoh beeindruckt, sind die relativ großen manuellen Eingriffsmöglichkeiten. So kann man den Autofokus abschalten und wahlweise die Entfernung manuell einstellen oder sie auf einen Schnappschuss-Wert (mittlere Entfernung mit Ausnutzung Tiefenschärfe) fixieren.
Blende bzw. Zeit lassen sich zwar nicht manuell festlegen, aber durch ausreichend viele Belichtungsprogramme (Porträt, Landschaft...) sinnvoll beeinflussen, und vor allem: Die von der Kamera gewählten Werte werden im Display angezeigt. Durch Wählen des geeigneten Belichtungsprogramms und gegebenenfalls verwenden der Belichtungskorrektur (+/- 2 Lichtwerte) ist ein quasi-manuelles Belichten möglich.
Was den Autofokus betrifft, habe ich die manuellen Einstellmöglichkeiten fast nie benötigt - er arbeitet nämlich auch bei schlechtem Licht präzise. Beeindruckend ist auch und gerade seine Geschwindigkeit: Wenn man den Auslöser sofort bis zum Anschlag durchdrückt, stellt der Hybrid-AF sofort ohne fühlbare Verzögerung scharf. Das ist auch heute noch selten und in dieser Preisklasse mir bei keiner anderen Digitalkamera bekannt.
Für langsamere Kompositionen -vor allem Nahaufnahmen- tippt man wie bei anderen Kameras den Auslöser zum Scharfstellen zuerst nur an; in diesem Fall kommt das herkömmliche Kontrastvergleichs-System zur Wirkung, das zwar präziser, aber auch langsamer arbeitet.
Das Gehäuse der RX wirkt robust und ist erfreulich kompakt. Mit Strom wird es durch zwei handelsübliche Mini-Zellen (AA) versorgt, bevorzugt natürlich wiederaufladbare NiMH-Akkus. Ich kann die Akku-Lebensdauer nicht wirklich beziffern, weil ich meine Varta-Fotoakkus nur sehr selten aufladen muss, aber ich würde sagen, dass sie keinesfalls negativ auffällt.
Die Bildqualität hat mich nicht enttäuscht, ist aber für mein subjektives Empfinden schlechter als bei teuren Digitalkameras in derselben Auflösungsklasse (3 Millionen Bildpunkte): Um sehr helle Motivteile treten Überstrahlungen und Farbsäume auf, ohne jedoch übermäßig in den Vordergrund zu treten. Leichte Verzeichnung ist erwartungsgemäß am Weitwinkelende zu sehen, aber nicht störend. Generell würde ich empfehlen, vor dem Kauf einer Digitalkamera Test-Fotos anzusehen und daran zu messen, ob die Bildqualität der Kamera den eigenen Ansprüchen genügt.
Ein Schwachpunkt der Kamera ist der Blitz. Er ist nicht an sich schlecht, doch dauert es relativ lange, bis er aufgeladen ist. Die hohe Geschwindigkeit, die die RX bei verfügbarem Licht zeigt, ist im Blitzbetrieb natürlich nicht zu erreichen. Die Blitzbelichtung ist auch weniger verlässlich als die Belichtung bei Tageslicht; Personen vor einem dünkleren bzw. weit entfernten Hintergrund werden ohne manuellen Eingriff oft stark überbelichtet. Das ist zwar ein normaler Effekt einer simplizistischen Lichtmessung (und ließe sich noch simplizistischer umgehen, indem man stattdessen die eingestellte Entfernung als Grundlage für die Belichtung heranzöge), ist aber bei der teuren Konkurrenz (Canon G3...) besser gelöst.
Von schwierigen Blitz-Situationen abgesehen, belichtet die RX aber zuverlässig und zufriedenstellend richtig.
Im Vergleich mit den anderen Digitalkameras, die ich kenne, ist mir noch ein Punkt aufgefallen: In der Empfindlichkeitseinstellung "Auto" erhöht die Ricoh relativ freizügig die Empfindlichkeit, vor allem im Blitzbetrieb. Sie erreicht dadurch bei verfügbrem Licht weniger verwackelte Bilder und im Blitzbetrieb eine größere Blitzreichweite, aber sie erkauft sich das dadurch, dass die Bilder leichter verrauschen als bei anderen Herstellern (meine Canon G3 kenne ich z.B. als das andere Extrem: Selbst bei sehr schwachem Licht hält sie die Empfindlichkeit gering, was zwar zu rauschfreien, aber allzu leicht zu verwackelten Bildern führt, wenn man nicht manuell eingreift).
Als weitere Eigenschaften, die die Ricoh von anderen Kameras dieser Preisklasse absetzen, sind noch die optionale Histogrammanzeige (auch während der Aufnahme) und das einblendbare Gitternetz zu erwähnen. Letzteres ist wirklich eine große Hilfe z.B. bei Architekturaufnahmen und wenn man keine Wasserwaage verwenden will, was man bei einer Kamera dieser Größe üblicherweise nicht will.
Ich würde die Caplio RX wieder kaufen, würde mir aber eine schnellere Blitzfolge wünschen und eine Blitzbelichtung, die die Motiventfernung (stärker) mit in Rechnung stellt und die nicht nur stur das reflektierte Licht misst (oder zumindest zu stark gewichtet).