Portfolio #3: UW-Fotograf Burkhard Ohlendorf
Als wir entdeckten dass der erfolgreiche Unterwasserfotograf Burkhard Ohlendorf sich bei uns im Forum die Ehre gab, haben wir nicht lange gezögert, ihn um ein Portfolio zu bitten. Burkhard’s Antwort darauf möchten wir Euch gerne wissen lassen: „(fast) zuviel der Ehre. Grundsätzlich gern, nur bin ich als alter Analogiker nicht eigentlich der falsche für die Digideep-Digitalos?“ – Lieber Burkhard und alle anderen Analogiker: Gibt es nach fünf Jahren überhaupt noch einen Unterschied zwischen Digideep-Digitalos und Analogikern? ..oder sind wir am Ende inzwischen nicht wieder alle Fotografen bei denen die Pixelfrage nicht mehr im Vordergrund steht? Wir dachten, das wir dies lieber einen analogen Unterwasserfotografen Fragen und nicht selbst beantworten. Deswegen ist bei uns diese Woche Burkhardt Ohlendorf im Interview, der sein Nikonos RS Portfolio vorlegt und mit dieser Kamera und seinem guten Auge schon einige international renommierte Foto-Wettbewerbe gewann. Viel Spass beim Schauen und lesen zu der Frage was ein etablierter RS-Fotograf über digitale Unterwasserfotografie denkt.
DIGIDEEP:   Lieber Burkhard, bitte Stelle Dich kurz vor (Alter, Wohnort, Familienstand und Beruf)..
Burkhard Ohlendorf:   Mein Name ist Burkhard Ohlendorf. Ich bin 55 Jahre alt, verheiratet und wohne in Hilden, NRW. Von Beruf bin ich Key Account Manager.
DIGIDEEP:   In welchem Alter hast Du mit dem Tauchen begonnen?
Burkhard Ohlendorf:   Ich bin ein "Spätberufener" und habe erst mit 31 Jahren begonnen zu tauchen. Als Kind zwar schon von Hans Hass infiziert, war ich lange Jahre durch ein durchlöchertes Trommelfell gehandicapt. Erst nach einer recht aufwändigen Operation mit 30 Jahren ging es los.
DIGIDEEP:   Wie bist Du zur Unterwasserfotografie gekommen und was erfüllt Dich an der Aufgabe Fotos unter Wasser zu machen?
Burkhard Ohlendorf:   Tauchen und Unterwasserfotografie war für mich immer ein und dasselbe. In meinem ganzen Leben habe ich noch keinen Tauchgang ohne Kamera gemacht. Etwas kompliziert war es nur bei meinem ersten Prüfungstauchgang, da ich für jede Übung erst die Kamera auf dem Grund ablegen musste. Der verantwortliche Basisleiter hat denn auch eine Wiederholung verlangt, da er einen Prüfungstauchgang mit Kamera auf 40m nicht unterschreiben wollte. Waren wohl doch andere Zeiten damals!
DIGIDEEP:   Welches war Deine allererste Unterwasserkamera und was war
auf Deinen ersten U/W-Fotos zu sehen?
Burkhard Ohlendorf:   Meine erste Kamera war eine Nikonos IVA, auch Wasserfass genannt. Die ersten Aufnahmen machte ich von unserem schwimmenden Schäferhund. Tolles Model!
DIGIDEEP:   Welche Ausrüstung benutzt Du heute und bist du der Meinung,
das gute Ausrüstung auch Pflicht für gute Bildergebnisse ist?
Burkhard Ohlendorf:   Aktuell benutze ich eine Nikon F90X im SeaCam Gehäuse mit Objektiven 14, 20, 60, 105 und 180mm, 60er und 105er auch mit 2fach Konverter. Parallel dazu, überwiegend im Weitwinkelbereich, die Nikonos RS, mit Objektiven 13, 20-35 und 50mm. Das 50er ebenfalls manchmal mit 2fach Konverter. Das Benutzen der RS setzt allerdings das Wohlwollen der besten aller Ehefrauen voraus, die ihre Kamera nur ungern verleiht. Als Blitze kommen Subtronic Mega und Gamma zum Einsatz. Durch eine gute Kamera macht man nicht automatisch entsprechende Bilder, aber jedes gute Werkzeug erleichtert die Arbeit. Trotzdem bin ich überrascht, wie viele gute Bilder in letzter Zeit mit relativ einfachen Kompaktkameras gemacht werden. Für bestimmte Motive, z. B. extreme WW-Fotografie geht es aber nicht ohne eine SLR und entsprechenden Blitz.
DIGIDEEP:   Welche Bedeutung hat(te) der Einzug der Digitalfotografie
im Bezug auf Deine Ausrüstung im Bereich der Unterwasserfotografie?
Burkhard Ohlendorf:   An meiner Ausrüstung hat sich durch die Digitalfotografie nichts geändert. Für einen Wechsel von analog auf digital fehlen mir noch immer die entscheidenden Argumente. Durch die Möglichkeit, Dias einzuscannen, digital zu bearbeiten, zu verschicken und auszudrucken geht der digitale Zug aber natürlich auch an mir nicht spurlos vorbei.
DIGIDEEP:   Glaubst Du, dass der ideale Zeitpunkt für einen Wechsel von der analogen zur
digitalen Fotografie "noch kommen", "schon erreicht wurde" oder "niemals kommen wird"?
Burkhard Ohlendorf:   Einen idealen Zeitpunkt gibt es sicher nicht. Viele sind schon vor 3-4 Jahren umgestiegen, was finanziell durchaus sinnvoll war. Heute lassen sich analoge Ausrüstungen kaum noch verkaufen. Andere haben noch Jahre gewartet, um die ständige Qualitätsverbesserung der Digitalkameras mitzunehmen, was auch nachvollziehbar ist. Man könnte natürlich auch sagen, ich steige erst um, wenn die Bildqualität der digitalen der von analogen Kameras überlegen ist. Aber wer weiß, wann und ob das je sein wird?
DIGIDEEP:   Alle Welt spricht vom "digitalen Vorteil", hast Du eventuell auch schon einen digitalen Nachteil
entdeckt; wenn ja - was ist das größte Manko im Vergleich zur analogen Unterwasserfotografie für Dich?
Burkhard Ohlendorf:   Der größte Nachteil ist für mich die völlig unausgegorene Blitztechnik. Hier ein Adapter, der funktioniert oder auch nicht, dort lieber manuell blitzen. Das hat mit High Tech nichts zu tun, so hat man schon vor 50 Jahren fotografiert. Für mich ist das wie ein Porsche mit Anlasserkurbel. Funktioniert auch, aber…
DIGIDEEP:   Was fotografierst Du am Liebsten unter Wasser und warum?
Burkhard Ohlendorf:   Eigentlich alles, von Super-Makro bis Riesenwrack, aber die größte Leidenschaft gehört doch der Critter-Jagd, d. h. dem Aufspüren und "Erlegen" von kleinen und skurrilen Monstern.
DIGIDEEP:   Du gehörst nach unseren Informationen zu der Gruppe der relativ erfolgreichen
Wettbewerbsfotografen. Hast Du evtl. eine chronologische Platzierungshistorie für uns parat?
Burkhard Ohlendorf:   Der erste kleine Erfolg war ein 6. Platz bei der tauchen, Anfang der 90er Jahre. Mächtig stolz darauf, wuchs natürlich der Ehrgeiz, mehr zu erreichen. Es folgten dann neben etlichen Platzierungen erste Plätze bei verschiedenen deutschen Landesmeisterschaften, dem englischen Tauchmagazin diver, bei shootouts von tauchen und unterwasser, bei Wettbewerben von EPIC, LAUPS und Beneath the Sea in den USA, bei Vodan in Slovenien und einige erste Plätze bei den jährlichen Wettbewerben der tauchen. Im letzten Jahr gab es noch einen ersten Platz bei Sandiskredsea in Israel.
DIGIDEEP:   Gibt es einen Wettbewerb den Du noch gerne gewinnen würdest oder einen der
in Deinen Augen ein besonders hohes Niveau hat und der als sehr schwer zu gewinnen gilt?
Burkhard Ohlendorf:   Mit das höchste Niveau hat m. E. der Wettbewerb von Antibes in Frankreich. Hier hat es bisher leider nur zu einem 6. Platz gereicht. Aber man sollte ja nie aufgeben.
DIGIDEEP:   Was ist Deine Meinung zu Live-Wettbewerben bzw. sogenannten Shootouts?
Burkhard Ohlendorf:   Shootouts sind das absolute Salz in der Wettbewerbssuppe. Hier gibt es, oder sollte es zumindest gleiche Bedingungen für alle geben. Da man sich hierbei aber automatisch sehr unter Druck setzt, bedeutet das auch Stress pur!
DIGIDEEP:   Hast Du fotografische und taucherische Vorbilder und Idole?
Burkhard Ohlendorf:   Vorbild kann für mich nur Hans Hass sein. Seine Leistungen waren und sind einzigartig. Sein Lob für meine Bilder in einem Gespräch vor einigen Jahren sind für mich mindestens so viel Wert wie ein Wettbewerbsgewinn.
DIGIDEEP:   Welchen Tipp würdest Du einem Neueinsteiger geben?
Burkhard Ohlendorf:   Erst einmal überlegen, wozu man überhaupt fotografiert. Möchte man nur ein paar bunte Bildchen für die Familie, dann sollte man ab und zu eine Kompaktkamera mitnehmen und ohne Stress ein wenig knipsen. Will man aber erfolgreich an Wettbewerben teilnehmen, gilt nur eins: Üben, üben, üben. D. h.: Kein Tauchgang ohne Kamera! Jedes Bild kritisch beurteilen, was gar nicht so einfach ist. Nur an den Besten orientieren! Kurt Amsler ist nicht so gut, weil er die beste Ausrüstung hat, sondern weil er alles gelernt hat. Das kann man selber aber auch! (Etwas Talent gehört natürlich auch dazu). Und vor allem: Geduld! Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
DIGIDEEP:   Wenn Du plötzlich nur noch einen Tauchgang für den Rest
Deines Lebens machen würdest, welchen Tauchplatz würdest Du dafür wählen?
Burkhard Ohlendorf:   Philippinen, Dumaguete, "the pier".
DIGIDEEP:   Dein Bild "Trompetenkalmar Schluckspecht" viel uns besonders auf, wie oft arbeitest Du mit
Photoshop an Deinen U/W-Fotos und wie stehst Du zu den neuen Möglichkeiten der Bildmanipulation?
Burkhard Ohlendorf:   Meistens benutze ich Photoshop nur beim Einscannen von Dias für die üblichen Bearbeitungen wie Tonwertkorrektur, Nachschärfen und eventuell einige Schwebeteilchen entfernen. Weitergehende Korrekturen sind bei den meisten Wettbewerben sowieso nicht erlaubt. Ab und zu macht es aber auch Spaß, mit radikalen Veränderungen und Einfügen von neuen Bildteilen völlig neue Bilder zu erschaffen. Das ist einerseits nur ein Gag, andererseits gibt es aber auch entsprechende Wettbewerbskategorien, bei denen ich auch schon Erfolge hatte.
DIGIDEEP:   Wie wurden Bilder, wie der "Trompetenkalmar Schluckspecht" damals ohne Photoshop realisiert?
Burkhard Ohlendorf:   Grundsätzlich überhaupt nicht. Derartige Möglichkeiten gab es analog höchstens bei absolut professionellen Fotolaboren mit riesigem Aufwand.
DIGIDEEP:   Was war für Dich persönlich der größte Erfolg der letzten Jahre?
Burkhard Ohlendorf:   Trotz fortgeschrittenem Alter immer noch Spaß und Erfolg bei der Unterwasserfotografie zu haben.
DIGIDEEP:   Was sind Deine nächsten Projekte / Ziele von denen wir wissen sollten?
Burkhard Ohlendorf:   Im Sommer geht es wieder in die Lembeh-Strait, ein Traumziel für alle Makrofotografen.
DIGIDEEP:   Danke für diese interessante Interview & Portfolio!
Das Interview führte: Andreas Voeltz für DIGIDEEP per EmailHallo Burkhard,
es ist ja immer wieder interessant wo die User alle
herkommen. In diesem Sinne schöne Grüße aus
Haan nach Hilden.
Bei knapp 10km Entfernung werden wir uns ja vielleicht auch mal im "richtigen Leben" begegnen.
Viele Grüße
Christian


















