[english]


geschrieben von Sharon Rainis am 30.12.2006

Alles außer dem Fisch - Eine andere Tür zur Unterwasserfotografie

Everyhing But The Fish
Sharon's underwater interpretation of daily deeds


VORWORT VOM DIGIDEEP HERAUSGEBER, LARS KIRCHHOFF

Dieser Artikel ist ein kleine Ausflug zu einer etwas anderen Art der Unterwasserfotografie, von niemand geringerem als unserem Mitglied und Freundin Sharon Rainis. Die Idee für diesen Artikel entstand aus meiner Neugierde, als ich ihre Bilder in unserem wöchentlich Fotowettbewerb gesehen habe. Die Photos hatten mich inspiriert und mein Interesse geweckt. Ich wollte mehr wissen über diese Bilder; wollte mehr wissen über die Sharons Motivation, die Ideen hinter den Bildern und wie sie ihre Ideen umgesetzt hat. Sharon war so freundlich und hat alle meine Fragen gleich in einem kurzen Beitrag beantwortet, den Ihr gerade dabei seit zu lesen.
Wir trafen Sharon persönlich bei dem diesjährigen SanDisk RedSea Unterwasserwettbewerb, wo sie sich unversehens in der Rolle des Unterwassermodels anstatt des Unterwasserfotografen wiederfand. Zusammen mit ihrer Nikon D70 und dem dazugehörigen Ikelite Gehäuse wurde sie zu Covermotiv unseres SanDisk RedSea Unterwasserwettbewerb Live Webcasts. Lest die Geschichte einer enthusiastischen Unterwasserfotografin, die erst kürzlich ihre Leidenschaft für Unterwasserfotografie entdeckt hat.

Viel Spass! - Lars

Sharon Rainis: Mein Weg zur Unterwasserfotografie

Meine Geschichte ist nicht die klassische Version vom Unterwasserfotografen, der bereits im Alter von 8 Jahren mit dem Tauchen begann und seit jeher die Kamera auf die Fische richtete. Tatsächlich machte ich meinen ersten Tauchgang erst mit 21 Jahren in Thailand (vor ungefähr fünf Jahren) und das auch nur unter Gruppenzwang. Meine Freundin wollte unbedingt einen Tauchkurs machen, aber war zu ängstlich diesen allein zu machen. Allerdings sollte diese Erfahrung meine gesamte Zukunft in eine neue Bahn lenken.

Zurück in Israel, blieb tauchen erst einmal nur ein Hobby. Zu dieser Zeit hatte ich noch ein sehr erfülltes urbanes Leben. Trotzdem begann sich das Tauchen mit meiner Leidenschaft zu fotografieren immer mehr zu überschneiden und langsam meine komplette Freizeit zu übernehmen. Am Ende blieb keine Ausweg mehr. Ich musste das Tauchen und die Unterwasserfotografie in meinen Lebensmittelpunkt rücken. An diesem Punkt sah ich damit konfrontiert meine Eltern, meine Freunde zu verlassen und meine Karriere aufzugeben, um als PADI Tauchlehrer in Eilat (Rotes Meer) zu arbeiten. Diese Realität bietet mir den Freiraum für unendliche viele Ideen und Möglichkeiten, um unterwasser zu fotografieren.

Meine erstes Unterwasserfoto habe ich mit einer einfachen digitalen Unterwasserkamera, der Canon Powershot A70, geschossen. Daraufhin begann ich langsam mein Equipment upzugraden. Zur Zeit benutzt ich die Nikon D70s Spiegelreflexkamera, das dazu passende Ikelite Unterwassergehäuse, einen Ikelite DS-125 Unterwasserblitz und drei verschiedene Objektive für die unterschiedlichen Situationen. Vor kurzem habe ich begonnen für Fantasea im Kundensupport und Produkttest zu arbeiten und werde wohl nun meine Ausrüstung langsam durch Fantasea Produkte austauschen.

Meine Motivation

Für mich persönlich sind die schönsten und aufregendsten Fotografien nicht diejenigen Aufnahmen, die es erfolgreich schaffen einen Moment hinter dem Objektiv akkurat festzuhalten, sondern diejenigen die dem Bild eine weitere Dimension hinzufügen - eine persönlichere Dimension des Fotografen. Um dies zu erreichen und um eine bestimmte Stimmung und ein bestimmtes Gefühl festzuhalten, benutze ich vor allem manuelle Einstellungen. Die Belichtungszeit, die Blende, der ISO-Wert, die Farbbalance sowie die Position der Kamera sind die wichtigsten Einstellungen, die es ermöglichen nicht nur die Situation sondern auch die Stimmung festzuhalten. Mein Bestreben ist es den Betrachter etwas zusätzliches näher zu bringen, als das was eigentlich vor der Kamera stand.

Die Motive in meinen Fotografien sind normalerweise keine Fische sondern Menschen, die ich versuche kunstvoll in Szene zu setzen. Obwohl ich die Unterwasserwelt in allen Belangen für erstaunlich finde, möchte ich meine Vorstellungen, meine Kreativität und meine persönlichen Gefühle durch künstlerische Fotografien ausdrücken. Dazu müssen sich meine Modelle, zu allem anderen, unterwasser sehr wohl fühlen. Sie müssen ihren Atem für sehr lange Zeit anhalten können, ihre Lungen richtig einsetzen - um perfekt austariert zu sein. Sie müssen in der Lage sein ihre Kleidung in unangenehmer kalter Umgebung auszuziehen und ihre Augen ohne Maske geöffnet zu halten, ohne das Gesicht zu verzerren. zu alledem müssen sie noch etwas haben, was sehr schwer in Worten zu fassen ist, aber ich glaube man könnte sagen das sie die Fähigkeit haben müssen sich auf die Kamera einzulassen. Selbst exzellente Taucher, die sich Unterwasser wohl fühlen und auch alle anderen Vorraussetzungen erfüllen, können sich nicht immer auf die Kamera einlassen, was dann zu normalerweise zu sehr künstlich wirkenden Bildern führt.

Ich bevorzuge normalerweise das natürliche Licht und arbeite daher ohne Blitz bei Weitwinkelaufnahmen. Abgesehen davon das ich viele Blitze bräuchte um eine Weitwinkelszene komplett auszuleuchten, bewundere ich das Sonnenlicht Unterwasser. Das Wasser gibt den Sonnenstrahlen etwas weiches und erzeugt so angenehme Licht- und Schatteneffekte, welche das Gefühl eine dreidimensionalen Bilders verstärken und es so lebendiger machen.

Ich benutze immer den manuellen Modus der Kamera, denn ich glaube, dass schon kleine Änderungen an Belichtungszeit, Blende, ISO oder den Fokuspunkten wunder bewirken können. Das wichtigste Werkzeug Unterwasser ist für mich der manuelle Weißabgleich, um die perfekten Farben zu erhalten. Dies erübrigt jedoch nicht die spätere Nachbearbeitung in Photoshop. Da ich alle meine Aufnahmen in RAW-Mode schiesse, welcher es erlaubt alle Information, die die Kamera aufnimmt auf der Speicherkarte zu speichern, habe ich während der Nachbearbeitung eine größeren Spielraum, um das Bild meinen Wünschen anzupassen.

Am liebsten mag ich es Alltagsituation an Land Unterwasser nachzustellen und diese dann mit der Kamera festhalten. Dabei neige ich dazu die Kombination zwischen Mensch und Wasser zu übertreiben und mir vorzustellen, wie Menschen anstatt nur kurze 45 Minuten in die Unterwasserwelt einzutauchen ihr komplettes Leben Unterwasser verbringen. I bin immer wieder erstaunt, wie so alltägliche Dinge, wie das Haufhängen der Wäschen so viel natürlicher Unterwasser aussehen.

Der Weg zum Bild

Zu Beginn, die meisten meiner Model's sind erfahrene Tauchlehrer und hervorragende Apnoetaucher. Normalerweise besteht die Crew aus dem Model, einem Taucher der sich um die Szene kümmert (Luftversorgung für das Model, Hilfe bei der Logistik und Überprüfung der Tauchsicherheit) und mir. Für Szenen im Blauwasser ohne Grund unter uns benötigen wir noch zusätzlich jemanden, der die Tiefe überwacht. Alle Einzelheiten sind vorher geplant und mit allen abgestimmt bevor es ins Wasser geht. Dazu gehört die Aufgaben eines jeden Tauchers, der Zeitplan, die verschiedenen Einstellungen sowie Notfallprozeduren. Trotz guter Planung sind alle Pläne abhängig von der sinkenden Körpertemperatur des Model's. Daher muss die Zeit effektiv genutzt werden.

Ein permanentes Problem ist die Befestigung der Gewichte am Körper des Model's. Entweder werden diese unter der Kleidung oder durch Körperteile versteckt. Um etwas aufzuhängen (wie eine Leine oder ein Kleidungstück) verwenden wir eine Boje oder ein voll aufgeblasenes Jacket. Der Szenenmanager kümmert sich sowohl um genugend Luft als auch um die Maske für das Model, wann immer diese benötigt wird, um sich abzustimmen. Dies ist sehr wichtig, da trotz sorgfältiger Planung, das Wasser immer den eigenen Gesetzen folgt und das Display der Kamera weist eine gnadenlos daraufhin, dass eine ungeplante Änderung vorgenommen werden muss. Es ist offensichtlich, dass der Szenenmanager Zeit braucht, um aus dem Bild zu schwimmen und wieder zum Model zu gelangen, so dass das Model den Atem für eine relativ lange Zeit (ca. 2-3 Minuten) anhalten muss.

Jede Geste des Models wird aus verschiedenen Winkel, in unterschiedlichen Tiefen und damit unterschiedlichen Sonnenlicheinstrahlungen fotografiert. Jede Szene wird zudem mit unterschiedlichen Einstellungen fotografiert und bediene mich daher oft dem Bracketing (Zum Beispiel wird ein Bild automatisch mit drei verschiedenen Weißabgleichsmodi aufgenommen). Normalerweise verlasse ich das Waser mit ungefähr 200-300 Bildern and dann und wirklich erst dann beginnt die harte Arbeit ...


Mehr Bilder und Inspiration gibt es hier zu finden:http://www.imperfections.biz



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