[english]


geschrieben von Andi Voeltz am 30.10.2007

Antibes 2007: Gemischte Gefühle / Kritik

Antibes: gemischte Gefuehle / Kritik

Ich genieße es zwar sehr gleich gesinnte Leute aus der Unterwasser-Industrie während des Antibes Festival in Frankreich zu treffen, wenn immer ich die Chance habe, es zu besuchen. Trotzdem war das Festival in diesem Jahr das Widersprüchlichste, was ich bisher in meiner Zeit als Unterwasserfotograf und Botschafter der Meere gesehen habe. Lest weiter, um heraus zu finden warum.


Antibes 2007: Extrem'Vision Team
Drei Orcas schauen aus dem Wasser während die Preisverleihung über ihren Flossen abgehalten wird.
Ich war sehr überrascht das Festzelt direkt neben der Orca Show von Marine Land zu finden, dem Freizeitpark in dem das Festival diesmal erstmalig abgehalten wurde. Ich vermute das dies mehr Leute außerhalb der Branche angezogen hat und sogar Familien dazu motiviert das Festival zu besuchen. Mehr Menschen die das Festival besuchen und damit mit den Themen einer gefährdeten Unterwasserwelt auseinander setzen ist sicherlich ein guter Aspekt.



Auf der anderen Seite mag der durchschnittliche Wettbewerbsteilnehmer sehr brüskiert sein, seine Arbeit direkt neben in Gefangenschaft gehaltenen Orcas und Delphinen, die Kunststücke machen, ausgestellt zu wissen. Ich nehme einfach mal an, dass die meisten Teilnehmer Filme und Fotos machen, um mehr Bewusstsein und Respekt für die Lebewesen in den Ozeanen zu schaffen. Unter diesem Gesichtpunkt ist es schon ironisch, dass das Festival gezwungen ist an einem Ort abgehalten zu werden, der eindeutig nicht das praktiziert was die Organisatoren und Teilnehmern predigen.


Antibes 2007: Extrem'Vision Team
Ein Orca springt aus dem Wasser während das Antibes Festival im Zelt hinter ihm abgehalten wird.
Man kann sicherlich darüber streiten ob in Gefangenschaft gehaltene Delphine und Orcas das kleinere Übel sind oder einfach der Preis, den man für ein bisschen mehr Aufmerksamkeit für den Schutz der Weltmeere zu zahlen hat. Dennoch, ich persönlich denke das solche Rechtfertigungen niemals funktioniert haben. Es funktionierte auch nicht als Erich Honecker einen Mercedes Benz fuhr, während seine Staatsbürger auf einer 10-Jahre Warteliste für einen Trabant aus Plastik eingeschrieben waren. Ähnliche Umstände könnten sich zum Stolperstrick für ein Festival erweisen, welches seine Wurzeln im Schutz der Meere hat.




Denkt mal darüber nach… und lasst uns Eure Meinung wissen!



Erschienen in: Reportagen | Umwelt | Veranstaltungen


Kommentare

Ich sehe es ein wenig anders. Man versucht das Festival attraktiver zu machen. Also müssen ein paar Attraktionen her ... das haben sie gemacht. Sicherlich ist es nicht schön, aber nach dieser Argumentationsweise dürfte man weder das Festival noch irgendwelche Aquarien oder Zoos besuchen.

Ich kenne nicht die äusseren Umstände, aber wenn die Tiere gut leben können und sehr gut gepflegt werden so kann man damit leben, denn vielleicht sehen so die vielen Besucher was für Tiere es sind und setzen sich dann zum Schutz dieser Tiere ein.

geschrieben von Adrian Schöne am 30.10.2007 Germany

Ein sehr kontroverses Thema. Auf der einen Seite befällt mich ein negatives Gefühl wenn ich Tiere im Zoo in gefangenschaft sehe oder auch wenn ich Orcas oder Delphine in Gefangenschaft sehe. Auf der anderen Seite haben die Meeresbewohner keine wirklich große Lobby. In meiner nichttauchenden Umgebung z.B. scheint immernoch die Meinung vorzuherrschen, dass die Meere ein unerschöpflicher Vorratskeller sind.

Wenn also das Festival diese "Zuschauermagneten" nutzt um das Festival attraktiver zu machen, um dann beim Festival selbst ein Bewußtsein für die Probleme der Meeresbewohner zu wecken, dann kann man dies durchaus nachvollziehen. Ob und wie dies geschieht weiß ich nicht, da ich nicht dort war. Vielleicht könntest du, Andi, darauf nochmal näher eingehen..

Ich denke hier gibt es - wie so oft - nicht nur scharz und weiß!
Beim ersten Lesen des Berichtes macht sich auf jeden Fall erstmal ein Gefühl des Unverständnisses breit.

geschrieben von Mantadance am 30.10.2007 Belgium

Hallo Andi,

Diesmal kein "Cover shot" von Dir prämiert oder warum so schlecht gelaunt?

geschrieben von am 30.10.2007 Germany

Hallo Marcel,

der Artikel hat nichts mit meiner Laune zu tun, sondern ich denke, dass es ein Thema ist das ruhig mal angesprochen und diskutiert werden sollte.

Ein Orca ist und bleibt ein pelagisches Tier, das genügend Platz zum Schwimmen haben sollte. Dieser Anspruch wird bis heute in keinem Delphinarium, das ich kenne, erfüllt. Die Situation ist vergleichbar damit, dass ihr den Rest Eures Lebens in einer 24 Quadratmeter Wohnung leben müsstet. Hängende Flossen weisen auf die Mangelerscheinungen und Krankheiten hin, welche die Tiere in Gefangenschaft erleiden. Natürlich schaue auch ich mir diese faszinierenden Tiere gerne an. Wenn man jedoch dabei sein Bauchgefühl nicht versucht zu ignorieren, dann wird beim Betrachten klar, dass diese Art der Haltung und Präsentation nicht richtig sein kann.

Von dem blutigem Prozess zur Trennung und Gefangennahme der Tiere reden wir jetzt lieber gar nicht erst im Detail. Wer mal eine gute Dokumentation dazu gesehen hat, weiß dass zum Teil einfach ganze Pods (Familien) abgeschlachtet werden, um ein einzelnes Jungtier für die Zoo-Haltung zu isolieren. Sobald ein Delphinarium die Tiere hat, ist der Schaden angerichtet und oft nicht mehr zu beheben. Normalerweise wird dann mit dem schwierigen Prozess der Auswilderung argumentiert, was korrekt ist. Allerdings lässt es die Park-Hüter als Samariter dastehen, was meinem Empfinden nach nicht stimmt. So ein Tier bringt volle Kassen und schließlich ist ein Zoo auch in den meist ethisch nicht-korrekten Beschaffungsprozess für einen Wal involviert.

Das ganze Thema hinterlässt bei mir eben „gemischte Gefühle“ und mein Instinkt sagt mir, dass man derartige Dinge nicht durch eine Teilnahme oder einen Besuch unterstützen sollte. Auf der anderen Seite läuft die ohnehin schon kleine und kaum beachtete Unterwasserszene Gefahr sich gänzlich zu zersplittern und als elitäre Umweltfanatiker von der Außenwelt abzuschotten, wenn man für unbedarfte Besucher so unverständliche Kritik übt, wie ich.

Es ist und bleibt eben eine ironische Situation, in die uns die Organisatoren des Festivals da versetzt haben. Zumindest war es eines der meist diskutierten Themen unter den Wettbewerbsteilnehmern und Besuchern vor Ort in Antibes. Jeder wird für sich selbst bestimmen müssen, wie er künftig damit umgeht.

Ich selber weiß es derzeit noch nicht und bin hin und her gerissen.

geschrieben von Andi Voeltz am 31.10.2007 Germany

Unabhängig von der jeweiligen Position, die man zu dem Thema unweigerlich haben wird, finde ich es zumindest äußerst wichtig, eine kritische Diskussion hierüber zu führen.

Das habt Ihr hiermit getan und dafür meinen Respekt.

Was meine persönliche Meinung angeht: Ja, diese Art von Tierhaltung ist fragwürdig. Angesichts des Massenschlachtens in den Meeren dürfte jedoch der an der Tierwelt angerichtete Schaden vergleichsweise gering sein.

Wenn also diese wenigen Tiere mit ihrem "Opfer" der erheblich grösseren Zahl in den Meeren eine verbesserte Überlebenschance geben, ist das m.E. okay.
Schick finde ich`s auch nicht, aber angesichts der Tatsache, dass 5 vor zwölf schon eine Weile her ist, was den Zustand der Weltmeere angeht.....

Es ist entscheidend, dass der Fokus auf den wirklich wichtigen Bereichen liegt (die eher unsichtbar sind) und sich nicht vom weniger Wichtigen (aber sichtbarem) ablenken lässt.

My 2 cents

geschrieben von Marco Schulze am 01.11.2007 Germany

Ach so, und Marcel: Solche Kommentare sind unnötig wie ein Kropf.

Ganz besonders im Internet, wo solche Dinge ja in der vermeintlichen Sicherheit so viel leichter rausrutschen.

Bist ein Supertyp !

geschrieben von Marco Schulze am 01.11.2007 Germany

Hi Andi,
ich habe Deine Gedanken zu dem o.a. Thema gerade eben erst gelesen und finde es gut, dass Du das hier ansprichst.
Um es kurz zu machen: Wenn es nach mir ginge, gäbe es überhaupt keine Delfinarien - weder mit Delfinen, Orcas, Belugas oder Schweinswalen etc.
Wer jemals mit ihnen im offenen Meer zusammen war und ihnen in der freien Natur begegnen durfte, wird sich darüber im Klaren sein, dass sämtliche Delfinarien physische und psychische Folter für diese wunderbaren Lebewesen darstellt.
Das einzige, was für die Orcas oben beim Miterleben dieser Veranstaltung evtl. noch "gut" gewesen sein könnte, war ggf. mal wieder etwas Abwechslung in ihrem tristen Dasein zu haben......
LG
Ike-Dolphin

geschrieben von am 11.01.2008 Germany

Name


Email:


Ort:


Link:


Kommentar:

Sollen persönliche Angaben gespeichert werden?

Bei weiteren Kommentaren benachrichtigen?

Bitte geben sie das unten gezeigte Wort ein: