[deutsch]


posted by Greg W. on 2007/10/17

Canon HV10 High Definition Camcorder im Ikelite Gehäuse

Einleitung
Seit seinem Erscheinen macht der Canon HV10 High Definition Camcorder durch gute Testberichte auf sich aufmerksam und bildet mit den HD-Geräten von Sony und Panasonic die Referenzklasse am oberen Ende der Consumer-Camcorder. Bei "Testberichte.de" kommt der Camcorder auf eine mittlere Note von 1,7 und in zahlreichen Tests konnte er sich auf den oberen Plätzen behaupten. Ob das Nachfolgermodell HV20 überhaupt besser ist, sei dahingestellt, auf jeden Fall hat dessen Erscheinen noch einmal für einen Preisverfall des HV10 gesorgt, so dass der Camcorder mittlerweile um 750 € im Handel ist.

Leider hat Canon die LANC-Steuerung bei seinen neueren Geräten wegrationalisiert, so dass ein gutes Unterwassergehäuse auf sich warten ließ – ist man doch auf ein mechanisches oder ein Infrarot-gesteuertes Gehäuse angewiesen. Diese Lücke hat Ikelite mit dem passgenauen #6070 gefüllt und macht den Camcorder damit für uns Taucher interessant, zumal das Gehäuse mit unter 1200 € attraktiv bepreist ist.

Eine solche Kombination zweier renommierter Hersteller in Sachen High Definition für diesen Preis - das musste ich mir genauer ansehen.
Haptik, Verarbeitung & Ausstattung
Schönheit ist bekanntlich Geschmackssache. Auf jeden Fall ist der sehr kleine und leichte Camcorder in aufrechter Bauweise anständig verarbeitet und kommt in Kunststoff im Alulook, einseitig schwarz lackiert. Die wichtigsten Schalter machen einen soliden Eindruck mit gutem Druckpunkt. Warum Canon dann aber ausgerechnet wichtige Sonderfunktionen wie Focus und Exposure auf winzige Drucktaster gelegt hat, bleibt deren Geheimnis.

Aufgrund der aufrechten Bauform hält man die Kamera in der rechten Hand durch die Schlaufe, bedient mit dem Zeigefinger den Zoom und mit dem Daumen die Ein/Aus-Funktion, während man hoffentlich darauf achtet, die anderen Finger nicht über den AF-Sensor zu legen. Die Ergonomie kann deshalb zu recht kritisiert werden und hat bereits viele potentielle Kunden verschreckt: Man kann wirklich bessere Gehäuse bauen und gerade bei einem HD-Camcorder, der in den semiprofessionellen Bereich schielt, stellt sich die Frage, ob die Miniaturisierung hier nicht zu weit getrieben wurde.
Wer diese Einstiegshürde überwunden hat, wird allerdings durch tolle Technik belohnt:

Aufgenommen wird in full HD 1080i oder DVD komform 576i und beides wird am IEEE 1394 / firewire (in und out) ausgegeben und angenommen. HD 1080i wird zudem auch über den Komponentenausgang wiedergegeben, wobei der Camcorder HD-Aufnahmen bei der Wiedergabe auch auf 576i down-scalen kann. Die fehlende HDMI-Schnittstelle kann also verschmerzen, wer einen Monitor sein eigen nennt, der HD am Komponenteneingang verarbeitet - ansonsten führt der Weg nur über einen download auf den PC.
Nicht ganz eindeutig ist die Dokumentation in Bezug auf die USB-Schnittstelle - es gelang mir auf jeden Fall nicht, HD dort anzuzapfen, der Weg muss wohl ausschließlich über firewire gehen, was dann aber auch anstandslos klappte, nachdem ich mich zunächst einmal darüber ärgerte, dass Canon das dazu notwendige Kabel im Lieferumfang eingespart hat.

Da ich wegen des Kabels schon einmal eBay bemüht hatte, tauschten ich auch gleich den etwas mickrigen serienmäßigen 50-min-Akku.

Das Ikelite-Gehäuse überraschte mich beim Auspacken mehr als positiv: glasklares Acryl, dick, stabil, aus einem Stück gegossen, mit Testprotokoll und Garantie für 60 m. Die mechanischen Durchführungen sind fast alle dreidimensional beweglich, dadurch passt alles perfekt an den Camcorder, er läßt sich trotzdem gut einmontieren und der Wasserdruck fixiert die Hebel später an ihrer Stelle. Die Durchführungen sind dick, stabil, alles macht einen präzisen Eindruck.

Der optische Planport kann durch einen Domeport (optional) ersetzt werden, dann passt auch ein Weitwinkel oder Fisheye vor die Kamera, die ansonsten abgeschattet direkt am Planport sitzt, so wie ich mir das wünsche. Alternativ zum Domeport kann auch ein (optionales) Weitwinkel außen auf den Planport geschraubt werden. Ein Rotfilter und eine Abschattung für die Linse und für den LCD Monitor sind serienmäßig dabei.

LCD ausklappen, Kamera auf „P“ stellen, rein damit und mit einer Schraube befestigen. Die Kamera passt auf den Millimeter, auch mit großem Akku, wird sagen danke und filmten immer 3 Tauchgänge, ohne das Gehäuse zu öffnen. Wer schon einmal mit Camcorder auf einem Safariboot war, der weiß, wovon ich rede... Der serienmäßige Monitor des Camcorders ist gut sichtbar. Meiner Meinung nach ist das System von hoher Qualität und anderen Gehäusen mit externem LCD (oder gar mit Sucher, was ich überhaupt nicht mag!) klar überlegen.
Technik des Camcorders
Um nicht die ausführlichen Testberichte der diversen Fachzeitschriften zu wiederholen, gebe ich nur eine kurze Zusammenfassung und konzentriere mich dann auf den Unterwassereinsatz.

Der Camcorder kommt mit optischem 10x-Zoom und einem exzellenten Bildstabilisator. Der CMOS-Chip liefert fantastische Bilder jenseits der Fähigkeiten der meisten 3CCD-Camcorder, naturgetreue Farben und traumhafte Auflösung. In Punkto Bildqualität punktet der Camcorder in den meisten Tests und ich kann das auch unter Wasser bestätigen. Ich war skeptisch, ob der akzeptable, aber nicht überragende Weitwinkel unter Wasser ausreicht, dies erwies sich aber dank des HD-Formats von 16:9 als kein Problem und machte den Wunsch nach einem gesonderten Weitwinkel vergessen.

In den Menüs verbergen sich Funktionen aus dem professionellen Bereich: Verschiedene Belichtungsprogramme, manuelle Blende 2.8 bis 8.0, manuelle Belichtungszeit von 1/6 bis 1/2000, manueller Weissabgleich, manuelle Einstellbarkeit von Kontrast, Konturenschärfe und Farbtiefe… Ich vermisste nichts.

Gepaart mit der Bildqualität liegt hier die eigentliche Stärke des Camcorders, die mich das etwas schwache Finish und Handling vergessen lässt.

Unter Wasser ist dediziertes Einstellen natürlich grundsätzlich schwieriger als an Land. Ich war deshalb erfreut, dass der neue Instant-Autofocus genauso gut wie an Land arbeitete und in fast allen Situation scharf stellte. Auch die automatische Belichtung arbeitete unter Wasser - selbst in Problemsituationen wie gegen die Oberfläche oder in Höhlen hinein - ausgezeichnet. Nicht einmal der automatische Weissabgleich durch den Rotfilter hindurch machte mir Probleme, so dass ich seltener als erwartet manuell nachstellten musste.

Eher als Zugabe würde ich die 3M-Kamera bezeichnen, die zwar mit allen Features einer modernen Kompaktkamera daher kommt, aber letztlich natürlich nicht mit einer „richtigen“ Kamera mithalten kann. Trotzdem freue ich mich, dass ich in vielen Fällen nicht mehr zwei Geräte schleppen muss, denn für ein (gutes) Bild von Oma reicht die eingebaute Kamera allemal.
Unterwassereinsatz
Das Ikelite liegt mit der Kamera leicht negativ tariert im Wasser, Schwerpunkt im Fuß, also sehr gut. Die Griffe sind gut und richtig platziert, die wichtigsten Funktionen sind gut erreichbar. Entschuldigung Canon, aber die Grundfunktionen sind mit dem Gehäuse fast besser zu erreichen als ohne wink .

Ich entfernte das Gewicht im Fuß, so dass die Tarierung neutral wurde und ich freute mich darüber, dass ich unter Wasser weniger zu tragen hatte - bereute aber auch schnell den nun schlechteren Schwerpunkt.

Das prima Griffsystem lässt sich mit zwei Schrauben entfernen und bietet oben und unten Befestigungen für Optionen wie Licht. Macht man das, so wird die Sache allerdings schnell zu schwer: Ich schraubte daher für dunklere Tauchgänge die Beleuchtung samt deren Griffsystem direkt und an Stelle der Ikelite-Griffe auf, was einfach geht und sich ebenso gut anfühlte.

Wer HD filmt, stellt die Kamera wahrscheinlich nicht auf „Auto“ und hält drauf, sondern will, wenn notwendig, Focus, Belichtung und Farbe ausreizen. Ikelite hat tatsächlich alle Funktionen inklusive der Menü-Navigation nach außen geführt. Theoretisch lässt sich also alles unter Wasser einstellen, was die Kamera überhaupt bietet und es ist mir auch mit Ausnahme von der Funktion "Wiedergabe" gelungen - und darauf konnte ich dann doch unter Wasser verzichten!

Wer solche Einstellungen unter Wasser versucht, sollte über gutes Erinnerungsvermögen, exquisite Feinmechanik in den Fingern verfügen und zudem auch wirklich keine Probleme mit dem Tauchen an sich haben. So ist das eben, wenn fast jede Funktion erreichbar ist. Hebelchen überall, das kann fordern. Ja, es geht wirklich alles unter Wasser, aber Anfänger in der Unterwasser-Videographie werden damit keine Freude haben.

Schauen wir auf die wichtigsten fortgeschrittenen Funktionen unter Wasser:

Der Weißabgleich ist im Menü versteckt. „Func“-Taste drücken, mit einer Wippe navigieren und die Wippe durch Druck auf die Mitte auslösen. Man ist begeistert, dass das geht, aber das Navigieren der durch das Gehäuse geführten Wippe, die der Wasserdruck immer ungewollt auslösen will, ist unter Wasser eine zirkusreife Vorstellung - unbedingt an Land und dann noch ein paarmal im Flachen üben!

Der Autofocus lässt sich mit einem Tastendruck auf die „Focus“-Taste einfrieren, um ein Objekt zu fixieren, was unter Wasser sehr hilfreich und auch einfach bedienbar ist. Besonders Mutige verändern den Focus dann noch über die bereits bekannte Wippe, wobei ein Druck auf eine weitere Taste die Scharfstellung im Monitor hervorhebt und damit unterstützt.

Ebenso geht es mit der manuellen Belichtung, ein Druck auf die „Exp“-Taste und mit unserem Freund, der Wippe, lässt sich die Belichtung justieren. Wunderbar, dass der Camcorder überbelichtete Stellen auf dem Monitor deutlich schraffieren kann, so dass man bereits beim Aufnehmen mit der Nase darauf gestoßen wird, dass die weiß leuchtende Sandfläche hinten den schönen Oktopoden vorne ruinieren wird…
Fazit
Eine in der Qualität tolle Kombination unter Wasser zu einem außergewöhnlichen Preis, mit der ich sehr zufrieden bin. Das lässt über das ein wenig missglückte Handling des Camcorders an Land mit gutem Gewissen hinweg sehen, wo er natürlich nicht weniger gute Bilder machte.

Vor- und Nachteile im Überblick:

+ Sehr kompakte Größe und Gewicht
+ alle Funktionen (Focus, Exposure, Weißabgleich) unter Wasser nutzbar
+ Bildqualität in Full HD 1080i
+ hochwertige Verarbeitung des Ikelite Gehäuses
+ Preis/Leistungsverhältnis der Kombination
+ ordentliche 3M Kamera, mit Blitz, integriert

- Verarbeitung und Bauform des Camcorders
- Handling der Wippe unter Wasser (Feineinstellung Exposure, Focus und Menünavigation)

Ähnliche Artikel
Weitere Meldungen von Herstellern, die hier genannt wurden
 [ discuss ]


comments

Ein schöner Testbericht! Ich würde mir noch ein paar
Bilder der Gesamtansicht wünschen um ein besseres
Bild des Ganzen zu erhalten.

Beispielvideos?


Viele Grüße

Christian

posted by Christian F. on 2007/10/17 Germany

hier noch genauere Abbildungen:

http://www.digideep.com/go/forums/viewthread/7033/

Video folgt. Das macht so viel Arbeit...

posted by Greg W. on 2007/10/30 Germany

gibts schon ein video???

posted by sharky-bruce on 2008/01/31 Germany

Ein etwas längeres in ganz ordentlicher HD Qualität (soweit das mit DIVX geht) auf http://www.stage6.com/user/BlueSeaTube/video/1800683/Beyond-the-Sea-2-0

in ein paar Wochen mehr.

posted by Greg W. on 2008/01/31 Germany

hm
jetzt bin ich etwas ratlos! Hatte zuvor ein FX7 Profi Kamera und wollte evtl. mit weniger Geld auskommen, aber das scheint nix zu werden! Du hast ein Super Auge und was du da aufgenommen hast ist echt gut, aber halt alles total farblos! Gerade in Abu Dabab! Irgendwie haben wir die gleiche Tour gemacht! Die einzige Chance wäre jetzt, wenn du sagst, das du nicht mit dem manuellen Weissabgleich arbeitest!!!??? Dann würde ich es nochmal testen! Wäre echt ne wichtige Info! Falls doch, muß ich erst noch sparen bis es wieder zur FX7 oder FX1 reicht :-(
Danke

posted by sharky-bruce on 2008/01/31 Germany

eine grin sorry- deutsche Sprache - schwere Sprache

posted by sharky-bruce on 2008/01/31 Germany

Ich weiss. Alles ist zu flach. War der erste Versuch mit dem Camcorder; Auto-Weißabgleich, Orangefilter, kein Zusatzlicht, außerdem stimmt der workflow nicht, da haben ein paar Tools nicht perfekt gepasst und das DIVX tut ein Übriges. Warte mal vier Wochen, ich bin auf dem Weg auf die Philippinen und bringe von da etwas mit. Ansonsten bitte mal die neuen HD Sachen von Christian Fries auf stage7 ansehen; die sind mit einer Sony HD gemacht (die ist natürlich schlechter wink wink), aber Christian hat Licht und Workflow wesentlich besser gemacht als ich hier, so dass man einen guten Eindruck bekommt, was geht. Ansonsten - ich bringe in ein paar Wochen etwas mit, mal sehen, wie das wird.

posted by Greg W. on 2008/02/01 Germany

Ein kurzes Video ohne Nachberarbeitung in HD zur Demostration ist auf:

http://www.stage6.com/user/BlueSeaTube/video/2180499/

posted by Greg W. on 2008/02/03 Germany

Finde Stage7 Christian Fries leider mal gar nicht :-(
Kleine Unterstützung dies bezüglich möglich ?
Danke

posted by sharky-bruce on 2008/02/04 Germany

Hi Bruce,

Gregor meinte auch Stage6.

http://www.stage6.com/user/ChristianFries/videos/

VG

Christian

posted by Christian F. on 2008/02/05 Germany

name


email:


location:


URL:


comment:

notify me

: