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geschrieben von Lars Kirchhoff am 02.09.2007

CaptureOne 4 Beta - Erste Eindrücke



Allgemein
Mit CaptureOne 4 Beta 1 stellt PhaseOne den Nachfolger für die Light Version von CaptureOne vor, die bis jetzt unter dem Namen CaptureOne LE erhältlich war. Mit der neuen Version verpasst PhaseOne dem beliebten RAW Converter für professionelle Anwender ein Facelifting unter dessen Oberfläche sich einige interessante Neuigkeiten verstecken. Im Vergleich zur LE Version hat sich der Funktionumfang gerade im Bereich der Farbkorrekturen erweitert. So stehen nun neben der Belichtungskorrektur auch die Kontrast-, Helligkeits- und Sättigungskorrektur zur Verfügung. Generell merkt man CaptureOne an, dass es an Profi-Studio-Fotografen gerichtet ist, deren Arbeitsablauf optimal in CaptureOne abgebildet ist. Dennoch eignet sich CaptureOne auch hervorragend für alle anderen Anwendungsgebiete, wenn man sich einmal ein wenig Zeit genommen und es sich auf seine Arbeitsweise eingerichtet hat. Die Beta-Version ist wie zu erwarten noch nicht komplett bugfrei und 100%ig stabil. Ich hatte jedoch relativ wenige Abstürze während meiner Tests und nur einen Bug bisher entdeckt1. Alle Aussagen in diesem Test beziehen sich auf die Windows Version von CaptureOne, das unter Windows XP installiert wurde.
Die Oberfläche
Die Oberfläche zeigt sich nun im edlen Dunkelgrau - Apple's Aperture und Adobe Lightroom lassen grüßen -, das sich an die eigenen Bedürfnisse anpassen lässt. Ähnlichen wie bei Aperture und Lightroom ist der Arbeitsplatz in drei Bereiche (Filmstreifen, Vorschau, Paletten) geteilt.
Der Filmstreifen kann sowohl links, unten oder rechts vom Vorschaubild angezeigt werden. Noch von der alten Version gewohnt, finde ich es für meinen Workflow auf der linken Seite am besten. Die Größe der Thumbnails im Filmstreifen kann in fünf verschiedenen Stufen, entweder direkt über den Schieberegler oder im Menü, eingestellt werden. Befinden sich viele Bilder in einem Ordner, hilft dies schnell mittels kleiner Thumbnails einen Überblick zu verschaffen, um danach wieder auf die größeren Thumbnails zu wechseln, auf denen man deutlich mehr erkennt. Zusätzlich wird auf den Thumbnails ein Symbol angezeigt, sobald man eine Veränderung vorgenommen hat. Somit hat man leicht einen Überblick, welche Bilder schon bearbeitet worden sind. Neben der Thumbnailansicht gibt es noch eine Listenansicht, die neben dem Thumbnails auch noch die wichtigsten EXIF-Informationen, wie ISO, Blende, Belichtungszeit und Brennweite anzeigt. Diese Ansicht ist leider nicht so gut gelungen, da durch die tabellarische Darstellung viel Platz verschwendet wird, wenn man eine normale Thumbnailgröße gewählt hat. Verkleinert man die Thumbnails auf die kleinste Stufe, ist die Ansicht übersichtlich, allerdings erkennt man dann leider die Bilder nicht mehr und kann so die Werte nicht wirklich gebrauchen. An dieser Stelle war die Anzeige der EXIF-Informationen in der LE Version besser. Ich hoffe, dass sich dies bis zur Release-Version möglicherweise noch ändert.

Das Vorschaufenster, in dem das Preview des zu entwickelnden RAW Bildes zu sehen ist, zeigt nun nicht mehr nur die Vorschau in einer Größe an, sondern zoomt das Bild auf die volle Größe des verbleibenden Platzes auf dem Arbeitsplatz. Damit ist eine bessere Bildbeurteilung - gerade auf größeren Monitoren2 - im Vergleich zur Vorgängerversion möglich. Eine weitere und sehr hilfreiche Verbesserung ist die Möglichkeit, sich das Bild in Originalauflösung anzusehen. Dabei kann die Ansicht bequem und schnell über Tastaturkürzel (Strg-0 = Zoom to Fit, Strg-ALT-0 = 100%) gewechselt werden. Das ist besonders hilfreich, wenn es um die Beurteilung der Schärfe oder des Rauschen geht und ist eine deutliche Verbesserung zur Lupenfunktion in der LE Version. Das Vorschaubild kann bis zu 400% vergrößert werden, um kritische Stellen besonders intensiv zu begutachten.

Aus den fünf Paletten (Aufnahme, Belichtung, Weißabgleich, Fokus, Prozess) in der LE Version sind nun neun geworden, die entweder links oder rechts neben dem Vorschaubild angezeigt werden können. Noch von der LE Version finde ich die Paletten auf der rechten Seite am Besten.
Die Bibliothek-Palette befand sich in der LE Version immer auf der linken Seite neben den Thumbnails. Ich fand diese Aufteilung nie wirklich glücklich, zumal es immer wieder zu Verwirrung führte, wo man denn nun genau die Verzeichnisansicht findet. Dies hat sich in der neuen Version sehr zum Positiven geändert. Die Bibliothekspalette listet übersichtlich und schnell alle Verzeichnisse des Computers auf, in denen man schnell und gewohnt navigieren kann. Zusätzlich gibt es die typischen CaptureOne Verzeichnisse, wie den Output-Folder oder den Trash-Folder.
Die Quick-Palette fasst die drei wichtigsten Paletten (Belichtungskorrektur, Weißabgleich, Prozess) und ihre Basisfunktionen zusammen, um so schnell und effizient die wichtigsten Korrekturen vorzunehmen.
Die Belichtungs-Palette ermöglicht nun neben Blenden-, Kontrast und Sättigungskorrektur ist nun auch noch eine Helligkeitskorrektur. Ein wirkliches Highlight stellen die neuen HDR (High Dynamic Range) Korrekturen dar. Hier ist es nun möglich, gezielt dunkle als auch helle Bereiche eines Bildes zu korrigieren, so das ein höherer Dynamikumfang erreicht werden kann. Genaue Angaben, wie diese beiden Tools funktionieren, sind noch nicht bekannt, aber ich denke es handelt sich dabei um die Nutzung der Tatsache, dass eine selektive Blendenkorrektur durchgeführt wird3. Das Histogramm zeigt nun alle drei Farbkomponenten an, was bis jetzt nur in der Pro Version verfügbar war. Zudem gibt es bei der Level-Korrektur nicht nur die üblichen Schieberegler für Schatten, Lichter und Mitteltöne, sondern noch zwei zusätzliche Schieberegler für die Schatten und Lichter, die sich oberhalb des Histograms befinden und deren Funktion noch nicht ganz klar ist (die aber sicherlich mit den HDR-Tools zusammenhängen). Auch das Curve-Tool wurde verbessert, so kann man nun Korrekturpunkte genau auf einer Achse hin- und herbewegen und damit die Kurve gezielter verändern, was einen kontrollierteres Bearbeiten ermöglicht. Dazu leuchtet die Achse, in der man die Kurve verändern möchte, orange auf sobald sich der Mauszeiger in der Höhe des Markierungspunktes befindet.
An der Weißabgleichs-Palette hat sich nicht viel geändert. Lediglich eine Objektivkorrektur ist hinzugekommen, die aber leider in der Beta noch nicht verfügbar ist. Diese könnte jedoch interessante Korrekturmöglichkeiten bietet. Hoffen wir, dass PhaseOne hier eine möglichst umfangreiche Liste von Korrekturen zur Verfügung stellen wird.
In der Composition-Palette befindet sich das Crop- und Rotationstool. Hier können verschiedene Seitenverhältnisse für das Zuschneiden eingestellt werden. Endlich zeigt das Crop-Tool nun während der Selektion ein Gitternetz und die Größe des endgültigen Bildes an, welches eine große Hilfe bei der Komposition darstellt. Daneben befindet sich in dieser Palette auch noch ein Schieberegler für das Drehen des Bildes. Jedoch finde ich das Drehen mit Hilfe des Linientools, dass schon in der LE Version verfügbar war, effizienter.
In der Details-Palette können die Schärfung und die Rauschunterdrückung justiert werden. Hier hat sich nichts zur Vorversion geändert. Eine neue Palette ist die Einstellungs-Palette. Diese zeigt alle Veränderungen, die man am Bild vorgenommen hat an und stellt damit eine Art History zur Verfügung. In der Metadaten-Palette werden alle EXIF-Informationen übersichtlich angezeigt. Aus der Prozess-Palette sind nun zwei Paletten geworden. In der Output-Palette können alle Einstellungen, wie Ausgabeformat, Auflösung, Farbprofil und Ausgabeort eingestellt werden und in der Batch-Palette gibt es eine Queue- und eine History-Ansicht, in der man die aktuellen Renderprozesse, als auch die schon durchgeführten Renderprozesse sieht.

Oberhalb der Arbeitsfläche stehen noch globale Funktionen zur Verfügung, die den schnellen Zugriff auf die wichtigsten Funktionen erlauben.
Varianten und Metadatenmanagement
Ähnlich wie Adobe Lightroom verfolgt man bei PhaseOne nun auch das Konzept, die Metadaten direkt auf der Festplatte zu speichern. Dazu wird innerhalb des Bildverzeichnisses ein Verzeichnis CaptureOne angelegt, in dem sich sowohl ein Cache Verzeichnis für die Vorschaubilder, als auch ein Verzeichnis für die Einstellungen der Bilder befinden. Pro Bild wird dabei erfreulicherweise eine XML Datei erstellt, die alle Veränderungen und die verschieden Varianten des Bildes dokumentiert.
Bisher gingen alle Änderungen verloren, wenn man die Bilder auf einen anderen Computer kopiert hat. Dies konnte mit der Archivfunktion umgangen werden, stellte sich aber in der Praxis als ein wenig umständlich heraus. Erfreulich ist, dass die Metadaten nun auch im XML-Format abgespeichert werden, so dass diese möglicherweise von anderen Tools in Zukunft verarbeitet werden können. Noch fehlt leider eine Funktion "alte Archiveinstellungen zu importieren". Dies wäre für die endgültige Version sehr wünschenswert.
Auch trennt man sich bei PhaseOne von dem Prinzip eines lokalen Cache-Verzeichnisses und erstellt wie oben genannt pro Bildverzeichnis ein Cacheverzeichnis. Dies ist generell nicht schlecht, jedoch sollte man im Hinterkopf behalten, dass pro Bild ca. 1,4-2MB Speicher - je nach Größe des Vorschaubildes - zusätzlich verfügbar sein müssen. Schön wäre es noch, wenn in den Voreinstellungen festgelegt werden könnte, wie das Verzeichnis heißen soll.

Durch die neue Speicherung der Metadaten wird ein zusätzliches neues Feature möglich - die Varianten. Es können nun verschiedene Varianten pro Bild angelegt werden, d. h. verschiedene Einstellungen pro Bild werden gespeichert. Dies spart Platz, da nur die Metadaten der Veränderungen gespeichert werden und erst nach der Auswahl des zu entwickelnden Bildes, das entsprechende Bild entwickelt wird. Um dennoch die Thumbnails übersichtlich zu gestalten, können die Varianten jedoch in einer Übersicht zusammengefasst werden.

Eine weitere nützliche Funktion ist das Kopieren der Bearbeitungsschritte, die man an einem Bild durchgeführt hat. So können schnell alle Einstellungen, wie Belichtungskorrektur und Weißabgleich auf eine ganze Serie von Bildern angewendet werden.
Rating vs. Tagging
Mit der neuen Beta Version führt PhaseOne das Rating für Bilder ein. Bisher konnten Bilder nur mit einem Tag versehen werden, um später bei Selektionen gezielt ausgewählt zu werden. Nun kann jedes Bild bequem per Tastaturkürzel mit einem Rankung von 1-5 vesehen werden. Diese können dann später genutzt werden, um nur Bilder mit einem bestimmten Ranking zu selektieren. Leider gibt es dafür im Moment kein Tastaturkürzel, dass es ermöglicht, alle Bilder eines bestimmten Rankings zu selektieren. Jedoch kann die Thumbnailansicht nach den Rankings sortiert werden.
Fazit
Die neue Version macht einen sehr guten Eindruck, obwohl vieles bei Aperture oder Lightroom abgeschaut zu sein scheint. Das das nicht schlecht sein muss zeigt CaptureOne, da die Konzepte gut und effizient integriert worden sind und zusammen mit der Schnelligkeit und der Qualität des RAW Converters von PhaseOne eine gute und effiziente Kombination ergibt. Für mich ist diese Version dass längst fällige Update von PhaseOne, sowohl was das Redesign der Oberfläche als auch den Funktionsumfang angeht.
Anmerkungen
1 Nach einem Absturz bei der Erstellung eines Web Contact Sheets werden in der Einstellungs-Palette keine Werte mehr angezeigt.
2 Getestet wurde auf einem Dell 24" LCD-Monitor
3 Einige haben es sicherlich auch schon probiert, RAW Dateien mit unterschiedlichen Blendenkorrekturen zu entwickeln und dann in einem HDR Tool zusammenzufügen. Ich denke, dass dies auch hier in ähnlicher Form Anwendung findet.


Erschienen in: Testberichte


Kommentare

Die neue Beta 2 ist nun auf http://www.phaseone.com/4/ verfügbar..

geschrieben von Lars Kirchhoff am 31.10.2007 Europe

hallo herr kirchhoff,
ihr bericht ist sehr gut und habe für mich die beta version geteste. bei meiner nikon d200 alles prima. leider kann ich bei meiner neuen d3 die bilder erst garnicht sehen, als ob der ortner nicht vorhanden wäre. haben sie aus ihrer erfahrung für mich einen tipp? oder liegt dies an der beta-version.
im voraus besten dank
kurt beyer

geschrieben von am 23.01.2008 Europe

Die Beta Version unterstützt die Nikon D3 noch nicht. Daher werden die Bilder nicht im Order angezeigt. Die finale Version unterstützt jedoch die Nikon D3.

http://forum.phaseone.com/viewtopic.php?t=4522

geschrieben von Lars Kirchhoff am 23.01.2008 Europe

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