Fotografen und die Unterwasserwelt
Wer viel Zeit unter Wasser verbringt, der sieht viel schönes, aber leider auch viel trauriges – denn Taucher lassen meist mehr als nur Blasen zurück. Der Unterwasserfotograf versteht sich nicht selten als Umweltschützer, doch zerstört er oft, was er schützen will. Das Bild hier ist der aktuelle Anlass, zu diesem Artikel, der mir schon länger auf die Seele drückt: Dieses Pygmäen Seepferdchen habe ich tot in seiner Koralle hängen gesehen ... ob es nun die vielen "Pointersticks", die unzähligen Blitze, die unabsichtlichen Flossenschläge diverser Tarierkünstler oder auch ganz andere Gründe waren, aus welchen das Tier sterben musste, sei dahingestellt. Aber es ist allemal ein guter Grund über Rücksicht unter Wasser zu sprechen!
Was können wir als Fotografen dagegen tun? Nun, wenn wir unser Hobby schon nicht aufgeben wollen, so müssen wir dennoch versuchen unsere Blitzattacken so schonend wie möglich zu gestalten. Und dazu haben wir genau 3 Möglichkeiten:
1. Einschießen. Ehe man auf das Seepferdchen blitzt, sollte man sich seine Blitze zurechtlegen und Testschüsse auf einem Objekt (Stein, Koralle etc.) in ähnlicher Entfernung machen. Dies empfiehlt sich übrigens besonders, wenn mehrere Fotografen in einer Gruppe tauchen und man ohnehin kurz warten muss.
2. Nur so viel Blitz wie nötig. Viele Fotografen feuern ihre Blitze auf Vollast und dosieren das Licht dann über die Blende. So bekommt das Tier mit jedem Blitz die maximale Lichtleistung ab. Hier empfiehlt sich entweder TTL mit nur soviel Blende wie wirklich nötig, oder – bei manuellem Blitzen- Blitzen auf niederer Stufe.
3. Bildanzahl begrenzen. Im Digitalen Zeitalter denken sich viele, dass sie am besten möglichst oft abdrücken – man ist ja nicht mehr auf die 36 Bilder einer Filmrolle begrenzt und bei vielen Bildern ist dann auch sicher was dabei. Dabei sollte es doch genau andersherum sein: Gerade weil wir mit unserem Screen unter Wasser Bilder begutachten können, sollten wir unsere Aufnahmen begrenzen. Und wenn es nix wird, dann bitte lieber wieder bei Punkt 1 anfangen ... schließlich kann das Tier nichts dafür, wenn der Fotograf sein Werzeug nicht beherrscht. Und bitte auch erst denken, Komposition finden ... und dann abdrücken.
1. Keine Handschuhe und Sticks. Speziell nicht für Anfänger. Es hat sich leide mittlerweile die Unsitte in die Tauchergemeinde geschlichen, dass ein jeder Taucher (besonders Fotografen) mit Pointer Sticks taucht. Diese Metallstäbchen sind in der Hand erfahrener und umsichtiger Guides ein Wunderwerkzeug um Tiere hervorzulocken oder zu dirigieren. Oder um an den Tank zu klopfen oder auch um auf Tiere zu zeigen. Leider sieht man immer öfter, dass Taucher (die natürlich alle auch so einen tollen Stick wie der Guide wollen) mit ihren Folterstäbchen Tiere umherschubsen, Pygmäenseepferdchen in ihren Fächern hin- und herzwängen, um sie in die Kamera blicken zu lassen (und dabei nicht nur das Tier stören und beschädigen, sondern auch Polypen der Koralle töten), Mimic Oktopusse zu Tricks zwingen wollen (und ihnen dabei die fragilen Arme verletzen, die dann später – wenn es der Taucher nicht sieht – abfallen). Manche verwenden den Stick gar als "Stützstab" ... da sollte man doch eher drüber nachdenken, ob man nicht doch lieber ohne Kamera taucht.
Ebenso sollte man auf Handschuhe verzichten, denn wer diese trägt, schaut oft nicht nach, wo er sich – wie man es auch gerne darf – mit zwei, drei Fingern stabilisiert. Also bitte: Überlasst die Sticks den Guides und lasst die Handschuhe daheim.
2. Positionierung. Beim Fotografieren sollte man sich – je nach Untergrund – entweder Freischwebend oder mit den Flossenspitzen auf Sand und Geröll positionieren. Hierbei gilt: Wenn Freischwebend, dann Flossen nach oben (damit kein Untergrund aufgewirbelt wird). Und man sollte mit Flossen rückwärts schwimmen können. Denn sonst wird mit Händen gerudert oder in die Korallen gedonnert. Und die Ausrede: "Ich musste mich ja schützen" zählt nicht. Denn keiner zwingt einen ein Bild zu machen, zu dem die taucherischen Fähigkeiten nicht ausreichen.
Wenn man mit den Flossen am Boden (im "Fin-Pivot") Fotografiert, dann sollten die Flossen auch wirklich nicht bewegt werden. Wer das nicht hinkriegt, der soll es erst mal ohne Kamera üben. Beim Weiterschwimmen nach dem Bild ist wichtig, erst durch Einatmen vom Boden aufzusteigen und dann erst die Flossen zu benutzen.
3. Flossentechnik. Gerade beim Muckdiving ist Flossentechnik mit am wichtigsten. Denn der Sandige Untergrund ist die Heimat all der schönen und seltenen Critters. Und die sind nun mal teilweise recht klein und unsichtbar. Also ist die oberste Regel: Keinen Sand aufwirbeln. Dies geht entweder mit den Unterschenkeln nach oben abgewinkelt, im "Frogkick" oder weit genug vom Boden weg. Alle drei Techniken sind allerdings (wie leider oft zu sehen) keine Garantie für Erfolg. Der beste Tipp ist hier: Immer wieder nach hinten schauen und auf "Sandwolken" checken.
1. Ja oder Nein. Man sollte vor dem Abdrücken nachdenken, ob sich das Bild auch tatsächlich lohnt. Und es gibt zahlreiche Gründe sich gegen eine Aufnahme zu entscheiden. Entweder sind die Tiere in einer ungünstigen Position und nicht schön freistellbar, oder man hat das gleiche Tier schon in einer schöneren Situation fotografiert oder man hat zum Beispiel ein ungeeignetes Objektiv drauf. In solchen Situationen sollte man etwas soziale Intelligenz zeigen, auf einen "Beweisshot" verzichten und das Tier einfach mal ohne fotografieren anschauen. Das geht nämlich auch.
2. Fotografieren, nicht jagen. Auf der Jagd nach dem perfekten Bild, sollte man immer Bedenken, dass es bei der Unterwasser(Natur-)fotografie um das ästhetische Festhalten einer natürlichen Situation oder eines natürlichen Verhaltens geht. Und dazu gehört nun einmal, Meeresbewohner nicht übers Riff zu jagen, sondern zu beobachten und in einer geeigneten Situation abzulichten. Und dazu gehört auch, den nötigen Abstand zu halten. Wenn also zum Beispiel die Kompaktkamera nicht die nötige Brennweite hat oder man nur das 60mm drauf hat, so sollte man eben darauf verzichten das Pygmäenseepferdchen oder den Babyfrogfish abzulichten – denn wenn man mit dem Port den Seafan berührt sterben Polypen und wenn man den Baby-Froggie – durch aufdringliche Aufnahmedistanz – zum Laufen "animiert" verliert er seine Tarnung.
3. Die Nachfrage bestimmt den Markt. Einer der wichtigsten Tipps und gleichzeitig eine der größten Bitten ist die, den Guides bewusst zu sagen, dass man auf gewisse Shots verzichten möchte. Denn erst durch Unterwasserfotografen, die Freischwimmende Mimics, Federsterngarnelen auf schwarzem Hintergrund und schlüpfende Flammensepias fotografieren möchten beginnen die Guides die Respektgrenze ein bisschen auszudehnen. Und es liegt an uns Fotografen, auf diese Shots zu verzichten und den Guides auch ohne das Aufreißen von Eiern, Abreisen von Federsternarmen und stressen von Octopoden ein gutes Trinkgeld zu bieten.
Ich finde den Artikel löblich, jedoch habe ich mich auch gefragt, wie alt Pygmäenseepferdchen werden und ob das Tier auf dem Bild nicht eines natürlichen Todes gestorben ist?
Hi Andi,
wie bereits in der Einleitung erwähnt, weiß ich nicht, woran das Tier gestorben ist. Der Göße nach, war es jedoch noch nicht besonders ausgewachsen. Aber wie auch immer ... ich habe ja auch geschrieben, dass es nur ein letzter Anstoss zu diesem Artikel war und am eigentlichen Inhalt ändert sich durch die konkrete Todesursache des Seepferdchen nix.
Ich habe noch eine bessere Idee. Vielleicht sollten die Guides den Anfang machen und nicht täglich, sondern event. 1 mal in der Woche diese Tauchplätze anfahren. Ich habe auf den Philippinen gesehen, dass die Guides diese Korallen akribisch abgesucht hatten, damit Fotografen mit ihren nicht makrotauglichen Ausrüstungen diese armen Geschöpfe fast erdrückt haben, es war zum Kotzen. Mit meiner damaligen IXUS habe ich es erst gar nicht versucht.
Aber nein, Umweltschutz = weniger Ertrag, also wird es wohl weiter so gehandhabt.
Ein trauriges Bild, was Du uns da zeigst .....
Grüsse,
Matthias
Danke Serge das Du uns die negativen Seiten aufzeigst.
Vielleicht und hoffentlich geht man beim nächsten Urlaub ein wenig anders mit der Flora und Fauna um. Das wäre wirklich zu hoffen!
Traurig ist wenn man als Lainfotograf sieht wie die Profis von den ganzen Tauchzeitschriften überhaupt tauchen. Vielen von denen ist es anscheinend sch**ßegal was nach ihrem Schuß ist. Koralle kaputt? Aber hauptsache der gute Schuß ist im Kasten...
Hallo Paula,
ich konnte nicht wiederstehen bei Deinem Post in Bezug auf die "bösen" Profis etwas zu schreiben. Ich will da gar nicht mal meine Kollegen in Schutz nehmen und gebe Dir einfach mal Recht, auch wenn ich viele Profis kenne, die sehr gut auf die Umwelt acht geben.
Also angenommen die Profis tun alles für ein Bild in der Zeitschrift, wie Du schreibst, dann ist es trotzdem eine Abrechnung mit Minderheiten und genau Teil des Problems. Lass es mal maximal 10 Profis geben die binnen zwei Jahren für unterschiedliche Magazine dort vorbeitauchen (und angenommen sie tauchen alle schlecht), dann macht das trotzdem weniger kaputt als die zig-tausend Urlaubstaucher, die mit einer Kamera dort tauchen.
Ich sehe das Problem nämlich gerade bei den Massen, die dort hinfahren und üben und konstante Belastung darstellen. Gerade bei den Makro-Motiven kann man in diesen Tauchgebieten tolle Bilder auch mit einer günstigen Ausrüstung und wenig Erfahrung machen, weil die kleinen Tiere einfach nicht weg können. Ich denke, das ist das grundsätzliche Problem in Asien und das "herumstochern" dort einfach zum Tauchen dazu gehört.
Das war auch für mich sehr gewöhnungsbedürftig!
Hi Andi,
ich dachte schon dass ich hier vielleicht dem einen oder anderen auf die Füße treten würde mit meiner Ausssage.
Es soll wirklich nicht heißen das alle so sind- sind sie bestimmt nicht. Aber manche meinen halt Wasser zu predigen und trinken selbst Wein...
Ich weiß nicht Serge, aber vielleicht würde gerade das Bild mit dem Seepferdchen mit den gleichen Zeilen die du geschrieben hast den einen oder anderen zum umdenken bringen...
Es gibt noch viel an Etikette zu lernen ![]()
Hallo Serge,
der Artikel ist sehr interessant und spannend zu lesen. Ich finde es richtig, dass solche Sachen angesprochen werden. Trotzdem denke ich nicht, dass man alle Fotografen (egal ob Hobby oder Profi) in einen Topf schmeissen sollte.
Ich kenne die Zustände vor Ort (noch) nicht. Das Hauptproblem liegt meiner Meinung nach eher bei der Tauchausbildung als bei der Fotografie. Man müsste während der Tauchausbildung wesentlich mehr auf die Flora und Fauna eingehen. Zusätzlich müsste die praktische Tauchausbildung intensiviert werden, denn es gibt leider immer mehr Taucher, die nicht tarrieren können. Da hilft auch die beste Flossentechnik nicht.
Ich hatte es vor ein paar Monaten ja mal angesprochen - ich wäre wirklich für ein Pflichtbrevet für fotografierende Taucher. Das würde das Problem evtl. nur einschränken, aber es wäre ein Anfang.
Ein weiterer Punkt sind die Tauchlehrer selber. Ich möchte diese Berufsgruppe mit meiner Meinung nicht angreifen bzw. bevorurteilen, aber leider gibt es viel zu viele Tauchlehrer (oder Guides), die das nicht interessiert. Es interessiert sie weder während der Tauchausbildung der Schüler noch während der geführten Tauchgänge. Warum muss ein Tauchguide einen solchen Stab haben? Muss er wirklich alles zeigen?
Klar, ich möchte natürlich auch gerne alles sehen und lasse mir auch gerne alles zeigen, aber müssen diese Spielchen sein? Ich kann es für den asiatischen Bereich nicht beurteilen, aber ich bin der Meinung, dass man grundsätzlich darauf verzichten kann/sollte.
In Ägypten z.B. haben solche Werkzeuge eigentlich nichts verloren, dennoch gibt es viele Taucher, die dieses Werkzeug mit sich führen.
Es ist ein schwieriges Thema. ![]()
Gruss,
Adrian
Hallo Serge,
danke für deinen Artikel, es wurde Zeit das dieses Thema einmal mit dem richtigen "Ton" aufgegriffen wird.
Ein Pflichbrevet für die tauchenden "Massen" ist sicher einge gute Idee aber so gut wie nicht realisierbar. Das Problem liegt meiner Ansicht nach darin, das jeder für zwei- bis dreihundert euro eine digitale Kamera in ein Gehäuse packen kann und dann glaubt für ein gutes Foto "fast" alles anstellen zu dürfen.
Ich sehe hier eher die Veranstalter in der Pflicht ihre Guides entsprechend anzuweisen den notwendigen "Naturschutz" in die Briefinganweisungen einzubauen und wirklich als Vorbild zu agieren.
Viele Taucher bemerken doch heute erst dass sie in einem Naturschutzgebiet getaucht sind wenn sie am Ende des Urlaubs die Rechnung im Divecenter bekommen und dann fragen woher kommt den die "Parkgebühr"?
Vielleicht gelingt es uns ja auf dieser Plattform die Taucher zu mehr Umweltschutz zu bewegen und vielleicht sollten wir das Thema auch offener und direkter ansprechen. Ich glaube viele Taucher wissen garnicht wie sehr sie der Natur schaden. Hier können wir sicher Aufklärungsarbeit leisten. Warum nicht in einer Artikelserie, ich glaube wir können hier alle etwas dazu beitragen.
Gruß
Detlef
Mir hat ein berühmter UW-Profi-Fotograf mal erzählt,
dass man eine Nacktschnecke tot-blitzen kann.
Kein Witz. Todernst.
Kein noch so gutes verlockendes Motiv / Foto sollte es wert sein, irgendetwas Unterwasser (gilt für mich Unter- als auch Überwasser!) zu zerstören!!





