Herbert Frei: Digitalfotografie die Zweite
Ein Jahr nach seinem ersten Buch zum Thema Digitale Unterwasserfotografie stellt der Kosmos Verlag heute das neueste Werk von Herbert Frei vor. Vor knapp einem Jahr schrieb ich in einem kurzen Marktüberblick für Bücher über digitale Unterwasserfotografie, dass ich mir von Herbert Frei das Buch für digitale Umsteiger gewünscht hätte. Zwar ist es nicht der Titel seines neuesten Werks „Digitale Unterwasserfotografie Spiegelreflexkameras“, aber er beleuchtet auf jeden Fall Themen bei denen er sich als Ingenieur gut auskennt. Aus dem Plan, eine kleine Meldung zu schreiben, wurde plötzlich eine ganze Rezension. Wer wissen will, was Chefredakteur Andi empfand, als er das Werk unter die Lupe nahm, sollte mehr lesen.
Vorab soviel: Das neue Werk von Herbert Frei trifft auf jeden Fall den Zeitgeist, zu einer Zeit, wo viele digitale Unterwasserfotografen den Sprung zu einem digitalen Spiegelreflexsystem in Erwägung ziehen. Es kann sich also mit dem bereits existierenden Werk von Reimund Hübner aus dem Müller-Rischlikon Verlag messen und ist nicht unbedingt ein Buch für Umsteiger, aber auf jeden Fall für Aufsteiger.
In vier Kapiteln des noch druckfrischen und 208 Seiten umfassenden Buchs geht er ausführlich auf die Materialschlacht bei digitalen Spiegelreflexsystemen ein. Blitz und Domgläser kommen dabei – wie zu erwarten – nicht zu kurz. Das Kapitel Bildgestaltung umfasst 37 Seiten und geht auf Fototechnik in verschiedenen Aufnahmeumgebungen ein. Eingeleitet wird all das mit dem Kapitel Grundlagen und einem Vorwort von niemand geringerem als Kurt Amsler.
Da eine Rezension von Kritik lebt, wollen wir auch daran nicht sparen. Auch dieses Buch musste offensichtlich zum Teil werbefinanziert werden und so kommen bei den Produktabbildungen die Firmen Seacam, Olympus, Sealux und Subal nicht zu kurz. Diese sind ja auch bis auf Seacam (Herbert’s Ausrüstungssponsor) alle mit einer dicken Anzeige im Buch vertreten. Schleierhaft ist es uns allerdings, wie UK-GERMANY zu einer nicht unbedeutenden Prominenz von vier Produktabbildungen gebracht hat, wenn gleichzeitig brandaktuelle Firmen wie 10bar, Fantasea, Hugyfot und Ikelite (Korrektur: wir haben Ikelite doch noch auf einem sehr dunklen Foto aber jedoch wenig prominent entdeckt) vollkommen leer ausgehen. Dem Autor sei es verziehen, denn im zweiseitigen Anhang glänzt er mit einer Linkliste und einer kleinen Herstellerübersicht für den deutschsprachigen Raum; relativ zeitgenössisch und vollständig wie wir finden. An dieser Stelle auch herzlichen Dank für die Nennung unserer Webseite, Herbert. Diese Schnellrezension von mir hast Du Dir damit auf jeden Fall schon mal verdient. Ich glaube, wir sind am heutigen Abend damit sogar die ersten im Internet.
Zum vorher angesprochenen Thema Produktabbildungen muss auch noch gesagt werden, dass sie generell weit seltener auftreten, als die vielen von Herbert digital erstellten Unterwasserbilder. Auch das finden wir sehr schön. Allerdings vermissen wir gleichzeitig die Angaben zu den Kameraeinstellungen, wie sonst oft bei technischen Leerbüchern üblich, damit man aus den Fotos des Autors eventuell etwas lernen kann. Ist dies eventuell ein Problem des digitalen Zeitalters oder wurden diese aus Platzgründen vom Verlag gekürzt?
Nicht der Zensur oder dem Rotstift zum Opfer fielen jedoch nicht weniger als vier Aktaufnahmen im Buch. Und damit hat er mich dann doch wieder zu meinem inzwischen schon oft zitierten „Lieber Herbert,…“ aus der ersten Rezension gebracht. Hier jetzt also etwas deutlicher (zitiert mich ruhig wieder): „Muss das sein?“ – Denn wo der Autor vorher im Bereich Makro- und Süßwasserfotografie mit fotografischem Können und guter Bildaufteilung brilliert, wird plötzlich bei nackter Haut jeglicher guter Stil über Bord geworfen. Filterfotografie und Poolakt haben meiner Meinung nach nicht viel miteinander zu tun. Zumindest, wenn man sich das stark abgeblendete Foto dazu anschaut, ist es irgendwie aus dem didaktischen Zusammenhang gerissen. Nun ja, falls die eigenen Kinder unverhofft Papa’s Leerbuch für Unterwasserfotografie in die Hände bekommen, wird dieser sicherlich auch ohne Filter erröten. In den USA hätte das Werk auf jeden Fall dafür den „Parental Advisory“ Sticker kassiert. Aber es geht noch weiter.
Die Krönung des Ganzen ist definitiv eine ganzseitige Aktaufnahme auf Seite 208. In dem Bild - mit etwas zu flau geratenen Blautönen - geht es eigentlich um digitale Aufnahmen im RAW-Modus. Der etwas komische Gesichtausdruck einer nackten blassen Frau, muss wohl das Brennen am ihrem Allerwertesten sein. Denn Sie hat eventuell gerade eben gemerkt, dass sie auf einer nesselnden Koralle Platz genommen hat. Die Bildunterschrift spricht von „fotografische Raritäten“ und lässt darauf hoffen, dass das Bild nicht inszeniert war. Falls doch, können wir nur spekulieren, was uns der Fotograf damit sagen wollte. Was ist der Titel bzw. das Thema des Bildes: „Schmerz“ (?!?) „nackte Demut“ (?!?!) oder „nackte Ignoranz“ für jegliche Art von Riffschutz? Gut, eigentlich keine schlechte Idee, wenn wir uns alle nackig machen würden, bevor wir in das Riff brettern, bekämen die meisten schon ihre gerechte Strafe und entsprechende Blessuren dafür. Nur leider geht das wirklich auf Kosten der Natur und deswegen sollten doch vielleicht gerade die Profis überlegen, mit welchen gezeigten Bildern sie den Rest der Menschheit zu etwas animieren. Ich bin mir sicher, dass dieses Bild noch für reichliche Diskussionen sorgen wird, auch wenn ich es nicht mag.
Und wer sich bereits jetzt nicht sicher war, ob er das Buch wirklich braucht, wird eventuell nach diesen von mir oben erwähnten Skandalfotos selber schmunzeln wollen und die angesetzten 19,95 EUR investieren. Den ### verkauft sich ja bekanntermaßen gut. Aber muss es denn wirklich so sein, Herbert? Gerade nackte Frauen kann man doch viel ansprechender fotografieren, ohne dabei als Mann gleich Durchblutungsprobleme oberhalb des Schlüsselbeins zu bekommen. Denn man sollte nicht unerwähnt lassen, dass sich eine Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff schon negativ auf die Bildqualität auswirkt. Vielleicht bin ich ja auch einfach zu jung dafür und nicht Zielgruppe für derartige Bilder, denn sie haben mich schon ein wenig an die im Keller vermodernden Playboys meines Großvaters erinnert. So, jetzt wissen alle ein wenig mehr über meine Familie und Herbert Frei hat dann leider doch noch einige Abzüge in der B-Note von mir bekommen.
Beim kurzen Überfliegen fielen mir dann noch drei kleine inhaltliche Fehler auf. Magic Filter bzw. Magische Filter gibt es nicht nur in Dreierpacks, sondern auch solo ab 29 EUR zum Probieren. Ikelite wird in Deutschland inzwischen von der Firma marin-solar vertrieben und nicht mehr von Prosub und der angepriesene Sucher von UK-Germany ist leider immer noch nicht verfügbar. Dafür hat sich Hugyfot bereits in die Gemeinde der DeLuxe-Sucher katapultiert und das einstige Monopol auf dieses Accessoires bröckelt weiter. Aber so ist das eben mit Büchern im Allgemeinen: Vom Schreiben bis hin zur Drucklegung kann sich die Welt schnell ändern. Dafür bieten sie den Vorteil, dass sie im Gegensatz zum Internet leicht in das Reisegepäck passen.
Das alles soll auch den mit diesem Buch gebotenen Informationsgehalt nicht schmälern. Der ist gut. Denn wir sind uns sicher, dass es nicht das letzte Werk von Herbert Frei sein wird. In diesem Sinne: Weiter so und konzentriere Dich auf die Dinge, für die Du stehst und mit denen Du glänzen kannst. Für mich sind das Makro, Süsswasser und Dein Wissen um Ausrüstung. Mit diesem Buch hast Du zumindest Letzteres ausführlicher als in Deinem letzten Buch dem Zeitgeist angepasst und gibst der nächsten Generation die Tipps, auf die viele schon lange vor Dir gewartet haben. Wie Du Dir nach meinen Ausführungen vorstellen kannst, würde ich als nächstes Buch übrigens „digitale Makrofotografie“ auf jeden Fall dem Werk „Totgeblitzt im Pool“ vorziehen. In diesem Sinne: Weiter so! ..vielleicht aber mit einer kleinen Kurskorrektur.
Falls es aber nicht deutlich genug geworden ist, ich kann allen Spiegelreflexfotografen
und solchen die es werden wollen, dieses Buch auf jeden Fall empfehlen.
Dein Andi (immer noch ein Fan






