Hugyfot 7D Unterwassergehäuse Testbericht
Die Canon EOS 7D ist derzeit mit Sicherheit eine der wichtigsten Kameras in der Unterwasserfotografie und auch eine der wenigen Nicht-Vollformat Kameras, die Nikonianer neidisch macht – und sogar schon manche zum Umstieg bewegt hat. Ein guter Grund sich auch die Gehäuse genauer anzuschauen. Ich hatte das Glück, dass mir Andi ein Testgehäuse in Lembeh gleassen hat, welches ich nun einen Monat ausgiebig tauchen konnte. Der Sinn dieses Tests war eine unabhängige Meinung, also nicht von jemandem, der sein eigenes Gehäuse testet und immer alles super findet. Und evtl. wollte er auch beim Rückflug einfach nur etwas Übergepäck sparen. Nichtsdestotrotz – hier kommen meine Eindrücke ...
Nicht einzig und alleine auf das Hugyfot 7D Gehäuse zutreffend, aber trotzdem nicht außer Acht zu lassen, sind die typischen Qualitätsmerkmale aller Hugyfot Gehäuse: Die hochwertige Beschichtung und die solide Bauweise. Dies sind die ersten Dinge, die einem positiv auffallen, wenn man das Gehäuse ansieht und in die Hand nimmt. Das Nächste ist die hohe Präzision, mit welcher die beiden Gehäusehälften aufeinander abgestimmt sind.
Hierzu habe ich nun schon öfter die Anekdote gehört, dass die Gehäusehälften nicht auseinander zu bekommen sind, wenn er man das Gehäuse ohne O-Ring verschließt und es dann mittels Hugycheck leerpumpt. Nun: Es stimmt, ich habe es probiert ... nicht, dass man jemals ohne O-Ring tauchen würde, aber diese Präzision gibt einem dennoch ein sehr gutes Gefühl.
Auch sehr angenhem sind die rutschfesten Gumminoppen auf welchen das Gehäuse stabil und sicher steht. Wenn man dann die Hand durch die Griffschlaufe steckt, dann ist es doch schon irgendwie, als ob man einen Handschuh anzieht – der erste Eindruck ist sehr gut und das Hugy-typische "Ein-Hand-Bedienungskonzept" nicht nur ein Marketing-Gag.
Die allgemeine Anordnung der Bedienelemente ist keine große Überaschung – sie sind in den meisten Fällen immer noch an exaxt den selben Stellen, wie bei den Canon-Vorgängermodellen. Also genau so, dass der Fotograf die Kamera mit der rechten Hand in der Schlaufe bedienen kann, während er die linke für den Blitz frei hat. Mit der Hand in der Schlaufe kann also der Auslöser, die *-Taste, die AF-on Taste, die Blende und die Verschlusszeit verstellt werden.
Als ausschließlicher Warmwassertaucher (der dazu auch noch extrem kleine Hände hat) war mein persönlicher Eindruck, dass dieser Vorteil ruhig noch etwas weiter hätte herausgearbeitet werden können. Sprich: Meines Erachtens könnte das Rad für die Verschlusszeit etwas tiefer sitzen. Das Blendenrad könnte hingegen etwas näher zum Daumen kommen. Aber ich sage es nochmals: Eben genau dieser Puffer hilft wahrscheinlich Fotografen mit normalgroße Händen oder Handschuhen.
Sehr gut ist der Grip der Knöpfe und auch die Drehbarkeit hat sich im Vergleich zu früheren Modellen doch sehr verbessert. Dennoch finde ich das Material des Knopfes für die Verschlusszeit etwas hart: Eine gummiertes Rad wäre hier eine sehr gute Alternative – besonders am Ende langer Tauchgänge (wenn die Haut schon schrumpelig ist) war der Knopf teilweise etwas schmerzhaft. Positiv zu erwähnen ist, dass das Hugyfot 7D Gehäuse den Multicontroller überträgt – ein wichtiges Feature um die Schärfe der Aufnahmen unter Wasser prüfen zu können.
Die AF-On Taste und die *-Taste liegen bequem über dem Daumen und eine liegt etwas erhabener und höher, die andere etwas tiefer und weniger hervorstehend. Diese Anbringung ist sehr intelligent gemacht. Denn auf der 7D lassen sich verschiedene Funktionen auf diese Knöpfe speichern (AF, FEL etc.) und somit kann sich jeder seine Kamera so konfigurieren, dass es bequem sitzt.
Neu ist der Knopf fürs Starten und Beenden von Videoaufnahmen: Dieser ist eine sehr positive Überraschung – er sitzt perfekt und könnte nicht besser platziert sein. Den eigentlich für eine flüssige Bedienung, zu weit entfernten Knopf hat Hugyfot extra mit einer Hebelkonstruktion auf den rechten Daumen gelegt. Der Fotograf kann so den Hebel bequem erreichen, während seine Hand immer noch in der Handschlaufe ruht. Die Bedienung ist sehr komfortabel und ich hatte keine Wackler oder Ruckler am Anfang und Ende von Videosequenzen (allerdings habe ich mangels Videolicht auch nur im Weitwinkelbereich gefilmt). Also hier ganz klar "Hut ab!" ... da hat jemand gut mitgedacht.
Beim regelmäßigen Zusammenbau verlief fast alles unkompliziert und ich hatte auf keinem der Tauchgänge Probleme mit Knöpfen, die nicht funktionierten – alles funktionierte perfekt. Allerdings muss ich zugeben, dass ich beim allerersten Zusammenbau den "On-Off" Hebel und den Schalter fürs Wählen zwischen Photo und Video nicht benutzen konnte. Dies hat mir zunächst sehr große Sorgen gemacht. Aber wenn man am offenen Gehäuse und der Kamera darauf achtet, das diese zwei Bedienelemente bündig zueinander stehen funktioniert es einwandfrei. Ich hatte dieses Problem seit dem ersten Tag nicht mehr.
Ein kleiner Wermutstropfen ist der Einbau ... anstatt mit einem Schlitten muss die Kamera am Stativgewinde mit einer Schraube im Gehäuse gefestigt werden – hierbei muss man nicht nur das Loch für die Schraube relativ blind finden, sondern auch aufpassen, dass die Kamera gerade steht. Nicht, dass es übermäßig schwierig wäre (ich hatte keinen Tauchgang, bei dem die Bedienelemente nicht funktioniert hätten), aber ein Kameraschlitten wäre doch einfacher und bequemer.
Schade finde ich, dass das Gehäuse über keine Stativgewindebohrungen an der Unterseite vefügt. Diese gehörten bei früheren Modellen zur Standardausführung. Gerade für die Makro-Videografie wäre das Anbringen eines Tripods eine interessante Möglichkeit. Hugyfot Deutschland hat mir aber auf Rücksprache hin versichert, dass es eine Möglichkeit gibt, eine solche Bohrung über einen Adapter anzubringen.
Für alle, die das Hugycheck System nicht kennen erstmal eine kleine Erklärung: Mittels einer Pumpe und einem Ventil in einer freien Blitzbuchse, wird Luft aus dem Gehäuse gesaugt und es entsteht ein Unterdruck. Ab einem gewissen Unterdruck leuchtet im Gehäuse ein grünes Licht. Sollte der Druck wieder steigen (also Luft oder Wasser eindringen), so blinkt das Licht sofort rot auf. Das System dient also dem selben Zweck, wie ein klassisches Leckwarnsystem – allerdings mit dem Unterschied, dass es bereits an Land eine Sicherheit gibt und das Gehäuse nicht erst ins Wasser gelegt werden muss. Dieses System gibt es bis jetzt exklusiv bei Hugyfot.
Für mich war der Test dieses Systems wider Erwarten (ich dachte bis jetzt immer, dass mir der Leckwarner reicht) sehr angenehm. Nachdem ich mich hier mehrfach über die Pumpgeräusche im Kameraraum lustig gemacht hatte, habe ich dann die Gewissheit des Hugycheck Systems doch als sehr hilfreich empfunden ... besonders, als ich das Gehäuse einmal auf dem Boot aufmachen musste, weil ich (wie peinlich) die Objektivkappe noch drauf hatte.
Ein wenig suboptimal finde ich jedoch die Anbringung der Kontrollleuchte. Ist diese im Kameraraum oder im dunklen Zimmer noch leicht zu sehen, so war es mir bei Sonne auf dem Boot fast unmöglich hinter den Sucher zu schauen. Hierbei muss ich aber auch sagen, dass ich nicht den Sucher mit der speziell dafür vorgesehenen Kerbe habe, bei dem man das Blinklicht angeblich leichter einsehen kann. Mir persönlich wäre unabhäng davon ein kleines Plastikleuchtfenster lieber.
Große Kameras tendieren in den meisten Unterwassergehäusen dazu relativ viel Abtrieb zu haben – vor allem, wenn man Makrofotografie betreibt. Wenn das Unterwassergehäuse mit einem Dome und Fisheye ohne Blitze neutral ist, wird es in der Regel mit einem 100mm Objektiv, Telekonverter und zwei Blitzen Abtrieb haben. Beim Hugyfot Gehäuse für die EOS 7D verhält es sich nicht anders.
Ich habe mir hier mit 2x2 Speziel-Armsegmenten geholfen. Jeweils einen INON Megafloat (650g Auftrieb pro Float) und einen normalen, kleinen ULCS Arm mit Auftrieb. Die Megafloats habe ich direkt an das Gehäuse gebaut (einen an den Handgriff links und einen oben an das Gehäuse) und schräg nach oben hinten stehend fest geschraubt. Das zweite Armsegment mit den INON-Auftriebskörpern habe ich dann lockerer daran festgemacht. Diese Konfiguration hat mir erstens perfekten Spielraum für meine Blitze gegeben und zweitens einen traumhaften Trim erzeugt: Das Gehäuse war nahezu neutral (ganz leicht sinkend) und ist dabei minimal nach vorne gekippt (ca. 5 Grad). Der vollständigkeit halber sollte ich jedoch erwähnen, dass ich das System mit den speziellen INON Planports aus Aluminium getaucht bin. Diese verursachen ein wenig mehr Abtrieb ,als die voluminöseren Planports aus Delrin von Hugyfot. Aus meiner Konfiguration lässt sich deswegen für den Löwenanteil der Hugyfot-Benutzer nur schwerlich eine grundsätzliche Trim-Empfehlung ableiten. Wer sich jedoch für die Makro-Optimierten INON-Ports mit Magnetfokus entscheidet bekommt hier die perfekte Lösung vorgeschlagen.
Bei Bedarf habe ich einfach die großen Floats nach vorne geschoben und das Gehäuse kippt leicht nach hinten. Ich hatte also je nach Tauchplatz und Motiven den richtigen Trim. Sehr angenehm waren die großen Floats vor allem beim Filmen ... durch die leichten Auftriebskörper liegt der Schwerpunkt des Gehäuses extrem tief und die Kamera dadurch sehr stabil im Wasser. Diese Eigenschaft hat mir auch beim Fotografieren mit manuellem Fokus sehr geholfen.
Durch den optimierten Trim kam auch das Bedienkonzept von Hugyfot sehr gut zur Geltung: Ich konnte bequem einhändig mit der Hand in der Schlaufe fotografieren. Wie bereits oben erwähnt, hätten die Blenden- und Verschlussräder für meine Hände etwas näher liegen können, sie waren aber dennoch sehr gut erreichbar und es war angenehm bei einer Aufnahmereihe drei Blendenwerte zu schießen, ohne die Hand dafür vom Auslöser oder das Auge vom Sucher nehmen zu müssen.
Ebenfalls angenehm ist das Fehlen des rechten Handgriffes, welchen man ja dank der Handschlaufe nicht braucht (optional ist er jedoch erhältlich): Dadurch kann man bei Hochformaten näher an den Boden kommen und schönere Perspektiven erreichen. Wirklich ein ganz klares Plus, das alle Hugyfot Gehäuse auszeichnet.
Ein offensichtlicher Vorteil, in der täglichen Praxis, ist die sehr geringe Bauhöhe im Vergleich zu anderen 7D Gehäusen am Markt. Für viele potentielle Kunden, mag dies ein entscheidendes Argument für die Reise sein, bei mir hatte es jedoch einen anderen Grund. Unsere Wasserbehälter auf den Booten hier in Lembeh, haben eine gewisse Tiefe. Die meisten Gehäuse unserer Kunden schauen dabei ein wenig über die Füllhöhe hinaus. Im Gegensatz dazu war das Hugyfot im Spülbecken auf dem Boot immer ganz bedeckt. Gut, das ist jetzt nicht wirklich ein extrem wichtiger Grund, aber mir als Dauernutzer ist es trotzdem aufgefallen. Ich denke, es unterstreicht für die meisten Leute den Reisevorteil.
Ein ganz besonderer Segen für mich, war die Tatsache, dass es von Hugyfot auch INON Portadapter gibt. Für meine Tests habe ich, wie bereits erwähnt, meine INON Custom-Ports mit Magnetfokus nutzen können. Dies war für mich eines der schönsten Features am Hugyfot Gehäuse, denn ich liebe das exakte Scharfstellen, das mit diesen Ports möglich ist. Blöd für Leser dieses Berichtes ist jetzt natürlich, dass ich das Hugyfot 7D Gehäuse somit kein einziges mal mit einem Hugyport getaucht habe. Ich hoffe Hugyfot verzeiht mir das jetzt, aber ich kann jedem makrobegeisterten Hugy-User die tollen INON-Ports wärmstens empfehlen.
HUGYFOT Deutschland
Hydronalin e. K.
Eldenaer Str. 29
10247 Berlin, Germany
Tel: 030/31806725
Fax 030/31806726
www.hugyfot.de
Hi Serge,
ein sehr gelungener Bericht. Das Problem mit den scharfen Knöpfen habe ich mit Schrumpfschlauch entschärft. Das werde ich auch nie begreifen, dass dieses tolle Gehäuse mit so bescheidenen Knöpfen versehen ist. An den Kosten sollte das nun nicht liegen.
Ich werde jetzt die Inon-Auftriebsarme bestellen. War heute im Helenesee mit dem Inon-Port unterwegs und der Abtrieb nervt schon etwas.
Grüße aus Berlin
Jörg





