Importieren von Unterwasserfotoausrüstung
Um der Überflutung durch die Importwirtschaft Herr zu werden greift natürlich auch in Deutschland der Staat kräftig in die Brieftasche der Bürger. Denn wer aus Nachbars Garten nascht, soll schließlich nicht ungeschoren davonkommen. Inzwischen werden diese Dinge EU-übergreifend geregelt. Zölle wurden Länderübergreifend verabschiedet und sind einheitlich über das so genannte TARIC-System geregelt. Mehr dazu kann man auch auf der Website des Zolls erfahren. Der Staat verdient also, denn er ist ja „…für die Menschen da und nicht die Menschen für den Staat“. Wer jedoch inzwischen auf der Zoll Webseite gesurft hat, wird gesehen haben, das dort ein aktueller Wechselkurs von 1 EUR = 1,18720 USD ausgewiesen wird. Schnelle Rechner werden jetzt fragen, ob die Differenz von 386,68 EUR komplett hier hängen geblieben ist. Wozu brauchen wir dann noch Harz Vier? Die Unterwasserfotografen würden es dann schon richten; wenn es doch nur mehr von uns geben würde…
Die Annahme, dass wir von dem Gesetz alle gleich sind stimmt mit Nichten und vor allem nicht im Bezug auf die Europäische Union. Wer nach Österreich importiert, den trifft 20% Einfuhrumsatzsteuer. Der Deutsche Importeur ist noch bis zum Jahresende glimpflich mit 16% dabei und dann treffen auch ihn die 19% der großen Koalition. Glücklich wird sich dann auch noch schätzen wer Bekannte in Luxemburg hat, denn dort gibt es immer noch nur 15% an die wir uns in Deutschland schon gar nicht mehr erinnern können. Der für uns als Importeur von Unterwassergehäusen geltende Zollsatz aus dem TARIC-System mit der Nummer 9006 9190 900 spielt dabei nämlich nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich 3,7% fallen lt. Verordnung R2261/98 für den Import aus den USA an. Nun haben wir also fast alle Variablen zusammen. Fast alle, denn auch der Versand über den großen Teich ist Bestandteil der Kalkulation. Und unter 63,50 USD geht fast nichts über den Teich. Mit diesem Wissen können wir also losrechnen. Wir kaufen also:
1.000,00 USD Produkt
+ 63,50 USD Versandkosten
= 1.063,50 USD Bemessungsgrundlage für den Import
Jetzt könnte man meinen, dass wir direkt von den aktuellen Wechselkursen profitieren. Dem ist jedoch nicht so. Der Zoll legt einmal im Monat einen Wechselkurs fest. Das spart Verwaltungsaufwand und mit Glück bringt es auch manchmal ein paar Extragroschen in die Staatskasse.
1.063,50 USD geteilt durch 1,18720 ergeben 895,81 EUR.
Willkommen in der EU mein Ikelite-Blitz!
…oh, Achso wir haben da noch eine kleine Eintrittsgebühr für unseren Club ![]()
Clubgebühr No.1 = 3,7 % Zoll ergibt 33,14 EUR
Clubgebühr No.2 = 16% Einfuhrumsatzsteuer in Deutschland (jedoch auf alles Bisherige) ergibt 148,63 EUR
Clubgebühr No.3 = sind meist 8 bis 10 EUR für die importierende Spedition
Jetzt ist der Blitz also endlich angekommen, für ganze 1.087,58 EUR
Wer gut mitgerechnet hat, wird gemerkt haben, dass wir bei einem
Wechselkurs von 1 EUR = 1,20292 USD die Preise 1:1 Konvertieren
können (ohne Versand und Speditionsgebühren). Es sind 181,78 EUR an
Einfuhrabgaben bei Vater Staat hängen geblieben. Wir haben dabei immer
Noch 141,42 EUR gespart. Im Vergleich zu 1.299 EUR
Nunja, die Differenz ist nicht von Pappe. Auch wenn eine weitere Recherche im Netz einen Deutschen Onlinepreis von 1.149 EUR ergab. Damit haben wir jetzt nur noch 61,42 EUR gespart. Warum also nicht sparen, oder haben wir dafür etwas aufgegeben? Die Eingangs erwähnte Gewährleistung - die in der EU Pflicht ist - ist für die Differenz von 61,42 EUR natürlich flöten gegangen. Es ist also fast wie beim Gebrauchtkauf auf Ebay. Oder mit den Augen des Händlers gesprochen: Am Ende des Tages sind die 61,42 EUR also ein Puffer, den er (neben seiner Marge) dafür einplant, das Gerät noch einmal über den Großen Teich senden zu müssen. Auf 24 Monate gerechnet zahlt der Kunde eine Versicherung von 5,12 EUR im Monat, die man eigentlich noch in eine etwas geringere Annuität umrechnen könnte, aber in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit bei diesem Artikel spare ich mir das jetzt.
Bei unserem Blitz von Ikelite mag eine weitere Besonderheit erwähnt sein. Der Hersteller hat aus Gründen der Vertraulichkeit, bis heute niemanden Zugang zu den Schaltkreisen seiner Blitze gegeben. Dem Unternehmen würde sonst ein internationaler Wettbewerbsvorteil abhanden kommen. Dieser Umstand macht es für jeden Händler in Europa sehr risikoreich das Produkt anzubieten. Wenn nicht ein regelmäßiger Warenverkehr mit den USA statt findet, kann bei es sich häufenden Beanstandungen dazu führen, dass die Kosten für Hin- und Rücksendungen dazu führen das der Händler bei diesem Produkt drauflegt. Das ist zumindest bei technisch Aufwendigen Produkten, wie Unterwasserblitzen so. Es mag auch für Unterwassergehäuse gelten.
Ob man die eigene Ausrüstung aus den USA importiert oder lieber beim Händler um die Ecke kauft, bleibt also jedem selbst überlassen. Der Artikel ist von mir nicht geschrieben worden, um anderen davon zu überzeugen nun unbedingt beim Händler in Deutschland zu kaufen. Er soll aber in jedem Fall die Diskussion wegen des 1:1 Wechselkurses USD/EUR mal etwas sachlicher werden lassen und dazu führen das Taucher, die direkt importieren nicht aus allen Wolken fallen, wenn Sie die Rechnung für die Einfuhrabgaben und VISA-Kartengebühren bekommen. Wer nicht einer Meinung ist kann gerne mit uns an dieser Stelle seine eigenen Erfahrungen mit dem Import schildern.
[diskutieren]Ich wurde heute am Telefon gefragt ob der TARIC Code aus dem Artikel noch aktuell ist, bzw. der Zollsatz. Dazu folgendes: Es gibt so viele TARIC-Codes das viele Sachbearbeiter anscheinend selber nicht mehr durchsehen. Für meine Recherche wurde mir der Code vom Internetservice des Deutschen Zolls genannt, nachdem ich die Ware per EMail beschrieben hatte. Es scheint einfach so zu sein, dass manchmal andere TARIC-Tarife genommen werden, falls die Spedition oder der Beamte meint, dass diese richtig(er) seien. Wenn man jedoch bei der Bestellung den TARIC Code gleich mit vermerken lässt, geht in der Regel nichts schief und die Zuständigen freuen sich über die Vorarbeit durch den Warenempfänger.
Wir schreiben jetzt März 2008 und der Euro brummt bei 1.56 Dollar... Ein Update wäre sicherlich interessant. Oder natürlich eine Excel-Tabelle.
Kauft noch jemand in Deutschland?






