Kaufberater: Videolicht für das Filmen unter Wasser

Dieser Artikel soll einen Hersteller-unabhängigen Wegweiser darstellen, damit Du beim Kauf Deines Lichtsystems keine Fehler machst. Wir gehen dabei ebenfalls ausführlich auf Dinge ein, die man in der Regel leider erst nach dem Kauf beim Tauchen feststellen würde.
 
Die Ansprüche an ein Videolicht für das Filmen unter Wasser sind sehr unterschiedlich zu denen, die eine normale Tauchlampe erfüllen muss. Eine Tauchlampe soll in erster Linie eine bestimmte Stelle hell erleuchten, das Wasser gut durchdringen und handlich sein. Eine Videoleuchte hingegen soll eine große Fläche ausleuchten und die Farben wieder zur Geltung bringen, die durch den Verlust von Sonnenlicht verschwinden.
Zusammenfassung, AnforderungenWenn Du bereits eine Tauchlampe besitzt, probiere es doch einfach mal aus. Normalerweise werden Betrachter Deiner Tauchvideos den dort verbauten Punktstrahler und die eventuell durch den Reflektor entstehenden Ringe als sehr unnatürlich empfinden. Dieses Problem lässt sich bei einigen Herstellern relativ preiswert durch das Nachkaufen eines “Flood“-Reflektors beheben. Das Licht ist dann nicht mehr so stark auf einen Punkt konzentriert wie zuvor und es wird eine größere Fläche beleuchtet, was wir beim Filmen wünschen. Oft reicht dann aber die Beleuchtungsstärke der Handlampe nicht mehr für das Filmen aus und die störenden Ringe beseitigt auch diese Umrüstung unserer Erfahrung nach nicht bei allen Modellen vollkommen. Es bleibt also ein (preiswerter) Kompromiss.
Ein zweites Problem, nämlich die Tarierung unter Wasser, behebt eine solche Umrüstung leider ebenfalls nicht. Nach einigen Tauchgängen stellt man in der Regel frustriert fest, dass ein Großteil der schönen Aufnahmen völlig verwackelt oder voller Schwebeteilchen sind.
Zunächst zum Problem der Schwebteilchen: Wir können nicht vermeiden, die Schwebeteilchen zu beleuchten. Wenn das Licht aber nahe dem Objektiv des Camcorders angebracht wird, dann reflektieren die angestrahlten Schwebeteilchen direkt in das Objektiv und werden deutlich als „Schneegestöber“ sichtbar. Indirektes Licht von oben (natürliche Position der Sonne) und mit Hilfe von Haltearmen ein wenig vom Objektiv entfernt ist der beste Weg, um gut ausgeleuchtete Videoaufnahmen unter Wasser zu machen.
Deswegen sind die vielerorts angebotenen Flügelbretter zum Befestigen von Tauchlampen oft
nur eine weitere Enttäuschung in der U/W-Filmkarriere, von der man sich schnell wieder trennt.
Wer versucht eine klassische Tauchlampe, in der der schwere Akku mit dem Leuchtmittel verbaut ist, oberhalb der Kamera anzubringen, wird seine Aufnahmen sicherlich verwackeln. Es ist gerade so, als wenn Du mehrere Tonnen Blei in den Mast eines Segelschiffes packen würdest. Das Schiff hat dadurch stets das Bedürfnis umzukippen. Bei Deinem Camcorder musst Du dieses Bestreben Deines Videosystems stetig mit der Armmuskulatur ausgleichen und auch wenn Du sehr stark bist, wird es Dir normalerweise nicht gelingen, stets ruhige Aufnahmen zu realisieren.
Der richtige Ort für den Akkutank der Lampen ist also unter dem Unterwassergehäuse und der richtige Ort für die leichteren Leuchten ist oberhalb und je nach Umgebungsbedingungen ausreichend weit vom Objektiv entfernt. Genau wie bei einem Schiff beschwert man das System am Besten entlang des Kiels, um eine ruhige Wasserlage gewährleisten zu können. Manchmal wird auch empfohlen, die Akkus am Körper oder am Tank zu tragen. Unsere Erfahrungen sprechen nicht dafür. Zum einen werden Dir die langen Kabel oft im Weg sein. Zum zweiten kannst Du die Anlage nur schwer von Dir trennen und sie ist nicht mehr fest miteinander verbunden, was beim Einstieg und Ausstieg sehr hinderlich ist, und in Notsituationen sogar sehr gefährlich sein kann.
Wenn Du gerade in das Thema Videolicht für den Unterwassergebrauch einsteigst, dann fragst Du Dich sicher, wie viel Licht angemessen für Deine Bedürfnisse ist. Auch hier gilt natürlich die übliche Regel:
„Es kommt darauf an!“
Es gibt Videografen die gänzlich ohne eine Lichtanlage auskommen, weil sie stets am Tage in geringer Wassertiefe mit Filtern filmen. Grundlagen dazu findest Du in zum Beispiel in diesen kostenlosen Videotipps für das Filmen unter Wasser einer Herstellerfirma.
Stelle Dir folgende Fragen:Wenn Du eine Lichtanlage lediglich für das Filmen von Makroobjekten oder bei Nachttauchgängen einsetzen willst, dann reicht normalerweise ein preiswertes System, wobei auch hier zwei Strahler mehr Möglichkeiten bieten, Schwebeteilchen zu vermeiden. Die hellen Reflektionen von Schwebeteilchen fallen nämlich besonders nachts im Kontrast zu dem dunklen Hintergrund auf.
Nach oben hin gibt es keine Limits und eine Lichtanlage mit zwei Strahlern die Weitwinkelobjektive komplett ausleuchten kann und mit der sich auch noch kreative Aufnahmen im Mischlicht realisieren lassen, kann schnell die Kosten eines Unterwassergehäuses und Kamera übersteigen. Ein solches System das früher lediglich Fernsehteams mit Beleuchtungsassistenten vorbehalten war, ist heutzutage (dank LED-Technologie) jedoch bereits in Koffergröße zu akzeptablen Preisen möglich. So kann auch ein Amateur mit stetig wachsenden Ansprüchen zum Profi ohne Limits avancieren.
Bei all der Lichtleistung muss jedoch auch ein häufiger Irrtum behoben werden, über den nicht alle Hersteller und Händler beim Kaufen eines Systems aufklären: Selbst die stärkste Lichtanlage wird es gemäß den Gesetzen der Physik nicht ermöglichen, Dinge in 20 Metern Entfernung unter Wasser in Farbenpracht erscheinen zu lassen.
Zusammenfassung, Erkenntnisse:Das natürliche Limit für jede U/W-Lichtanlage liegt bei 1.5 Metern Motivabstand, da nach bereits 3 Metern die Farbe Rot unter Wasser absorbiert wird. Da das Licht aus dem Lampenkopf muss und auf dem Motiv reflektiert wird, um dann in das Objektiv des Camcorders zurück kehren zu können, müssen die 3 Meter also halbiert werden.
Die Frage ist deshalb vielmehr, ob die Lichtanlage in der Lage ist, das gesamte Bild auszuleuchten und wie brillant die Farben im zuvor genannten Arbeitsabstand wiedergegeben werden können. Weiterhin sollte erwähnt werden, dass Schärfe und Autofokus auch mit zunehmender Lichtleistung besser werden und sich mehr Licht stets positiv auf die Bildqualität auswirkt.
Aufnahmen mit Licht sind denen mit Farbfiltern also grundsätzlich in
der Bildqualität überlegen und stellen immer eine Verbesserung dar.
Das sicherlich für Unterwasserfilmer irrelevanteste Merkmal ist die Farbtemperatur der Lampen. Zu keinem anderen Thema wird aber soviel diskutiert und Falschinformation in Umlauf gebracht. Deswegen widmen wir uns hier der Farbtemperatur widerwillig in einem ganzen Absatz.
Zusammenfassung, Erkenntnisse:Jede Lichtquelle besitzt eine bestimmte, messbare Farbtemperatur. Dabei geht es um die Frage, ob das Licht eher einen warmen (orange, rötlich) oder einen kalten Farbton (weiß bis bläulich) abgibt. Leider wird die Farbtemperatur teilweise auch mit dem Farbwiedergabeindex (CRI) verwechselt. Zwischen beiden technischen Merkmalen besteht zwar ein Zusammenhang aber es ist nicht das selbe. Im Gegensatz zur Farbtemperatur (Geschmacksfrage), ist der Farbwiedergabeindex einer Lichtquelle nämlich wirklich ein Qualitsmerkmal für Filmer. Hier soll es jedoch nun vorerst, um die Farbtemperatur gehen. Da jeder Camcorder den wir kennen einen Weißabgleich besitzt, können unterschiedliche Farbtemperaturen über das Menü problemlos kompensiert werden. Dies lässt sich auch in weniger als einer Minute vor dem Einbau der Kamera in das Gehäuse durchführen, selbst wenn keine Möglichkeit für einen manuellen Weißabgleich am Kameragehäuse vorhanden ist.
Ob die Farben warm oder kalt im Video sein sollten, ist wie bereits erwähnt hauptsächlich eine Geschmacksfrage. Denn über Geschmack lässt sich ja bekanntlich vortrefflich streiten und vermutlich gibt es deswegen auch so viele Diskussionen zu diesem Thema im Netz oder lustige „Tomaten-Tests“ auf Messeständen. Kritiker der neuesten Technologie brachten sogar Gerüchte in Umlauf, das Lampen mit Kaltlicht für das Filmen unter Wasser komplett unbrauchbar wären, weil Teile des Lichtspektrums fehlen. Dies war bereits beim Erscheinen der HID-Brenner eine sehr wage Behauptung und die positiven Praxiserfahrungen der letzten Jahre haben etwas anderes bewiesen. Die Geschichte wiederholt sich jedoch ironischer Weise mit dem Erscheinen der LED-Technologie, die gerade dabei ist, HID-Brenner wegen der besseren Lichtausbeute zu verdrängen. Auch hier lassen es sich einige Hersteller nicht nehmen, die neue Technologie zu kritisieren und veraltete LEDs im Vergleich zu ihren Lampen zu präsentieren, um alte Lagerbestände an die Kunden zu bringen.
Als Randnotiz sollte vielleicht bemerkt werden, dass Strahler in Fernsehstudios mit einer Farbtemperatur, die Tageslicht ähnelt, arbeiten. Unter Wasser führt kälteres Licht sogar zu einem kleinen Vorteil im Weitwinkelbereich: Wie Du bereits oben im Text gelernt hast „grünt“ das Bild dort, wo unter Wasser kein Licht hinkommt, stets aus. Dieser Übergang ist bei Tageslicht (LED und HID) wesentlich harmonischer, als bei warmen Licht mit Halogen-Strahlern (HLX), wenn man die Kamera nicht vorab darauf kalibriert hat.
Um der leidigen Diskussion zur Farbtemperatur gänzlich zu entgehen, stattete der Hersteller Light & Motion seine neue Generation von LED-Videoleuchten kurzerhand mit einem 52mm Filtergewinde aus. Man kann dort einfach handelsübliche Farbfilter einschrauben, um die Lichtstimmung zu beeinflussen. Light & Motion taufte dieses simple Feature kurzerhand: „Color Temperature Management System“ (CTMS). Dies öffnete die Tür für neue kreative Unterwasser-Videotechniken zum Mischen von Kunstlicht und Farbfiltern. Der Autor unterrichtet diese neue Aufnahmetechnik unter anderen regelmäßig in seinen U/W-Videokursen für Fortgeschrittene.
Wie Du nun gelernt hast, gibt es wichtige Unterschiede zwischen Tauchlampen und Systemen zur Videobeleuchtung unter Wasser. Dennoch bleibt eine ganze Reihe an geeigneten Produkten übrig, bei denen objektiv verglichen werden kann. Ebenfalls werden oft falsche Informationen von Firmen verbreitet, die noch nicht im Besitz der jeweils aktuell verfügbaren Technologie sind. Wir wollen Dir nun Möglichkeiten zeigen, anhand der Du Unterwasservideobeleuchtungen vergleichen kannst.
Zusammenfassung, Erkenntnisse:Gehe mal in den Baumarkt und kaufe zwei Glühlampen unterschiedlicher Hersteller mit je 35 Watt Leistung. Du wirst merken, dass bei Watt „Leistung“ eigentlich nicht der richtige Begriff ist, sondern „Verbrauch“. Beide Lampen verbrauchen die gleiche Menge Strom, geben jedoch unterschiedlich viel Licht ab, wenn man dies mit einem Messgerät überprüft. Die effektive Lichtmenge kann man daher nicht in Watt vergleichen, da Faktoren wie Leuchtmittel (LED, HID oder HLX), der Reflektor und ggf. noch ein Diffusor (Milchglasscheibe) die Lichtleistung dämpfen oder verstärken können. Ein Beispiel die aktuell stärkste U/W-Lichtanlage der Welt verbraucht nur wenige Watt je Strahler. Man könnte jetzt anfangen zu sagen, dass diese Leistung so stark ist wie eine herkömmliche Lichtanlage mit XX,.. Watt. Das Problem dabei ist, das die zuvor genannten Variablen und auch die Messverfahren soviel Interpretationsspielraum zulassen, dass Hersteller dies gnadenlos ausnutzen, um Ihre Produktdatenblätter zu frisieren.
Dies ist leider auch noch bei der Ermittlung von Lux und Lumen möglich, wenn nicht alle Lampen unter den identischen Bedingungen mit demselben Messgerät getestet werden. Wer es also genau wissen möchte, kommt um den Kauf eines Lux-Messgerätes und eigene Messungen nicht herum. Ein Fachhändler, der ein solches Gerät besitzt und seinen Kunden im Laden zur Verfügung stellt, strahlt damit Vertrauen aus und bietet ziemlich sicher Produkte an, die einem Vergleich spielend Stand halten.
Der Luxwert bietet den richtigen Ansatz und ist vor allem bei Punktstrahlern (normalen Tauchlampen) ein guter Wert zum Vergleich. Das Produkt mit dem höheren Luxwert ist also in der Theorie automatisch besser. Wenn das Messgerät geeicht ist und stets der gleiche Abstand zum Messen genommen wird, ist dies sogar ein relativ solider Index für die Lichtmenge ohne eine Möglichkeit zur Verfälschung und unliebsame Interpretationsspielräume.
Das Problem bei Videolicht ist jedoch das wir, statt einem Punkt, eine große Fläche ausleuchten wollen und dies bei einem an einem einzeln gemessenen Luxwert nicht berücksichtigt wird. Für Video-Beamer gibt es dazu die relativ bekannte und umstrittene Einheit: ANSI-Lumen. Da sich das ANSI-Komitee nicht auf ein exaktes Messverfahren einigen konnte, wird jedoch auch damit wieder relativ viel Auslegung für unternehmenseigene Datenblätter betrieben. Es eignet sich also gut, um die Probleme beim Vergleich von Lux-Werten zu illustrieren. Unterschiedliche Abstände und Messflächen können gezielt einzelne Produkte bevorzugen oder benachteiligen. Ein möglichst realistischer Messaufbau ist also auch für Unterwasserfilmer wichtig, um unterschiedliche Lichtanlagen vergleichen zu können.
Der maximale Lux-Wert ist dann zwar zu informativen Zwecken immer noch interessant, aber sobald Lichtanlagen mit einem Flutstrahler gegen Spot-Strahler antreten würden, gewinnt jede ordinäre Tauchlampe mehrfach gegen ein sündhaft-teures Videolicht, wenn nur das Maximum gemessen wird. Die Preisdifferenz und der Qualitätsunterschied kann erst durch eine Flächenmessung mit mehreren Messpunkten und Mittelwert sichtbar gemacht werden. Dazu kann man zum Beispiel die abfallende Lichtmenge zum Rand in die Messung einbeziehen. Mit dem Luxmeter sucht man dazu den Mittelpunkt des Lichtkegels. Dort wird man den maximalen Luxwert für diesen Strahler feststellen. Dann wandert man langsam mit dem Messgerät zum dunklen Rand, bis ein festgelegter Grenzwert oder Abstand erreicht wird.
Zur Zeit arbeiten wir an einem objektiven und nachvollziehbaren Testaufbau, der auch praxistaugliche Ergebnisse liefert. Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr uns mit Euren Anregungen und eventuell auch leihweise dem ein oder anderen Produkt unterstützen könntet. Mehr dazu findet Ihr hier im Forum.





