Light & Motion Stingray Plus Testbericht
Abgesehen von einigen "Exoten" benötigt man für den Unterwassereinsatz eines Camcorders ein zusätzliches Schutzgehäuse. Neben der Auswahl des passenden Materials und des "richtigen" Steuerungskonzeptes sind selbstverständlich auch ökonomische Aspekte wie zum Beispiel Zukunftssicherheit und Reisetauglichkeit zusätzliche Entscheidungskriterien. Unterschieden wird in der Regel zwischen einer "universellen", also der mit verschiedenen Camcordertypen nutzbaren, oder der "maßgeschneiderten", also einer optimal auf den jeweiligen Camcorder abgestimmten Variante. In den meisten Fällen ist die Entscheidung gegen den "Maßanzug" mit mehr oder weniger Einschränkungen bei den nutzbaren Funktionen und Kompromissen bei der Bauform verbunden.
Die Baureihe "Stingray" aus dem Hause Light & Motion ist seit Jahren ein fester Bestandteil im Gehäusemarkt für den ambitionierten Unterwasser- Videografen. Die aktuelle Version ist ein gelungener Kompromiss zwischen Maßanzug und Universalgehäuse, verfügt über die heute üblichen Features und ist dank LANC Steuerung für viele Camcordertypen nutzbar. Die präzise Verarbeitung und eine ansprechende Haptik suggerieren von Anfang an ein Gefühl von Haltbarkeit und Zuverlässigkeit – alles passt und nichts wackelt.
Als ehemaliger Besitzer des Vorgängermodells durfte ich rechtzeitig zur europäischen Markteinführung das neue Stingray Plus auf seine Reise- und Tauchtauglichkeit überprüfen.
Als Ziel dieser Unternehmung stand das südlich Ägypten, genauer gesagt die Riffe rund um Marsa Alam auf dem Plan.
Die wohl größte Neuerung zum Vorgängermodell ist die jetzt in die Handgriffe integrierte Steuerung der wichtigsten Funktionen. Endlich bleiben die Hände dort wo sie für eine ruhige Kameraführung auch hingehören – an den Handgriffen. Verwackelungen oder der "Verlust des Motives" durch Hantieren an entfernteren Knöpfen lassen sich so deutlich reduzieren oder sogar ganz vermeiden. Leider ist das Gehäuse ab Werk nur mit einem Handgriff ausgestattet – im Interesse einer stabilen Lage beim Einsatz unter Wasser ist das Nachrüsten eines zweiten Handgriffes sehr zu empfehlen. Wahlweise stehen hierfür ein "Dummy" Handgriff ohne Funktion oder ein voll funktionsfähiger Handgriff mit 5 zusätzlichen Tasten (u. a. Steuerung von L&M Lichtanlagen) zur Verfügung.
Positiv im Sinne der Reisetauglichkeit sind mir sofort das kleinere Volumen und das geringere Gewicht im Gegensatz zum Stingray HD, sowie eine einfache und problemlose Demontage der Handgriffe aufgefallen. Verbessert wurde auch die Erreichbarkeit und die Bedienung des integrierten Rotfilters und Light & Motion hat dem Stingray endlich ein zeitgemäßes 3,5’’ Display im 16:9 Format verpasst.
Geblieben ist wie schon beim Vorgänger das bewährte Wechselport System. Im Auslieferungszustand verfügt das Gehäuse über eine komplett durchzoombare Optik. Mein Testsystem kam zusätzlich mit einer vergüteten 90° Weitwinkeloptik. Der Objektivwechsel ist ohne Werkzeug auch am betriebsbereit montierten System in kürzester Zeit zu bewerkstelligen.
Leider hat Light & Motion bei all den Neuerungen das bisherige Unterwassermikrofon weggelassen – ob das jetzt echter "Sparzwang", ein Abgrenzungsmerkmal zum Bluefin oder einfach ein Tribut an die immer mehr werdenden Camcorder ohne zusätzlichen Mikrofoneingang ist, ließ sich leider nicht herausfinden …
Auch im neuen Stingray Plus kommt die altbekannte und bestens bewährte Technologie der Montage des Camcorders auf einem geführten Schlitten zum Einsatz und ist denkbar unkompliziert. Lästige Fummelei mit Anschlusskabeln und das damit verbundene Risiko des Einklemmens bleibt einem dabei weitestgehend erspart. Der Schlitten ist mit Hilfe der Montageplatte für verschiedene Camcordertypen adaptierbar und bei der von mir benutzten Sony HC9 genügte ein Kabel am Gerät für die vollständige Funktion – den Rest übernahm die Steckverbindung an der Rückseite des Kameraschlittens.
Ein Wechsel des Aufnahmemediums oder ein Laden des Kameraakkus am Gerät ist jederzeit bequem möglich, um den Akku zu wechseln muss die Kamera jedoch demontiert werden. Dank einer effektiven Anordnung der Komponenten ist aber die Verwendung des derzeit größten Sony Akkupacks (NP-FH100) möglich und ein Wechsel oder Aufladen erst nach mehr als 5 Betriebsstunden nötig.
Ist der Schlitten in der Endposition eingerastet, sorgen zwei umlaufende O-Ringe für Dichtigkeit und gesicherte Knebelverschlüsse verhindern ein unbeabsichtigtes Öffnen. Sollte dennoch Wasser ins Gehäuse eindringen, verhindert der integrierte elektronische Leckwarner hoffentlich das Schlimmste. Nach einem kurzen Funktionstest im Trockenen war das Gehäuse fertig zum tauchen.
Durch die symmetrische Anordnung (einen zweiten Handgriff vorausgesetzt), liegt das Stingray ruhig und gerade im Wasser. In der Längsrichtung liegt der Schwerpunkt etwas weiter vorn, was sich aber dank der kleinen Bauform und der damit verbundenen Wendigkeit jederzeit problemlos korrigieren lässt.
Bestückt mit einer Sony HC9 ist das betriebsbereite System in Salzwasser leicht negativ. Kommen Weitwinkelobjektiv oder Akkutanks und eine Lichtanlage dazu, bekommt das System zusätzlichen Abtrieb und wird etwas träger, was von mir aber eher als förderlich für eine ruhige Kameraführung empfunden wurde. In allen Aufbauvarianten war jedoch ein problemlose Einhandbedienung ohne größere Ermüdungserscheinungen möglich.
Hier konnte dann der neue Monitor auch endlich seine Stärken ausspielen – ausgestattet mit einer separaten und unter Wasser bedienbaren Helligkeits-, Kontrast- und Farbregelung ist man bei einem großzügigem Blickwinkel und praktisch allen Lichtverhältnissen in der Lage die Aufnahmen zuverlässig zu beurteilen. Die erst später erscheinende Monitor Sonnenblende habe ich zu keinem Zeitpunkt vermisst.
Wer es braucht kann hier dank der Playback Funktion noch unter Wasser eine nachträgliche Kontrolle der Aufnahmen durchführen. Zum Vor- und Rückspulen des Bandes ist jedoch der zweite Handgriff notwendig.
Die zusätzlichen Steuerungsfunktionen links erlauben unter anderem auch das Ein- und Ausschalten, sowie ein mehrstufiges Dimmen von Light & Motion Lichtanlagen. Der Vorteil besteht in erster Linie darin, dass man in jeder Situation beide Hände an den Handgriffen belassen kann und trotzdem in der Lage ist, für optimale Lichtverhältnisse zu sorgen – das Zusammenspiel mit meiner Sunray 2000 LED Anlage klappte ohne Probleme.
Mit dem neuen Stingray Plus ist der Abstand zu den Topmodellen der Bluefin Baureihe ein Stück kleiner geworden – Handling, Reisetauglichkeit und Bedienkomfort befinden sich auf dem gleichen Niveau.
Vorteile:
- Steuerung im Handgriff integriert
- Wechseloptik und integrierter Farbfilter
- reisefreundlich durch kleine Bauform, geringes Gewicht und Demontagemöglichkeit der Handgriffe
- für mehrere Camcorder nutzbar
Nachteile:
- kein UW- Mikrofon
- ab Werk nur ein Handgriff
- keine manuellen Eingriffsmöglichkeiten
Hi Matthias,
was mich noch interessiert,
glaubst du ist eine Bedienung der Knöpfe mit dicken Handschuhen (5mm oder Trocki) problemlos möglich oder werden versehentlich gleich zwei Knöpfe gedrückt?
Der Monitor arbeitet jetzt nur noch mit 2 AA Batterien,
wie stehts um die Arbeitsdauer des Monitors mit nur zwei Batterien?
Mit welcher Stromversorgung arbeitet die Infrarot Steuerung der Lichtanlage?
Hi Alex
die Handgriffe sind ja die gleichen wie beim Bluefin und da hatte ich mit meinen 5 mm Handschuhen bisher absolut keine Probleme.
Der Monitor des Testsystems wurde (wie schon beim Vorgänger) mit 4 Akkus befeuert - empfohlen werden welche ab 2400 mAh. Ich hatte Ansmann 2700er und nach 2x 60 min im Meer und ca. 30 min im Pool noch absolut keine Ermüdungserscheinungen (ist ja jetzt sogar eine Batteriezustandsanzeige im Monitor) - um nichts zu verpassen, habe ich dann aber "sicherheitshalber" nachgeladen.
Die Handgriffe arbeiten mit kleinen Knopfzellen - in meinem Bluefin seit fast einem Jahr ohne Probleme (Ersatzbatterien lagen glaube ich sogar bei).
Matthias
Hi Matthias,
Danke für die Antworten.
Sind also immer noch 4 Akkus für den Monitor - gut zu wissen.
Auf Backscatter ist nämlich die Rückseite des neuen Monitors abgebildet und es sind nur 2 Akkus zu erkennen. Wahrscheinlich sind die Akkus jetzt nicht mehr nebeneinander gereiht, sondern untereinander.
Kann man die Knopfzelle selbst wechseln oder nur der L&M;Service?
ciao, Alex.
Hi Alex
richtig - 2 x 2 hintereinander, Batteriepack hat einen Stecker und kann komplett entnommen werden.
Die Knopfzellen in den Handgriffen sind "ganz normale" und können selbst gewechselt werden - der benötigte Inbus liegt bei.
Das "Werkzeug" um die Handgriffe komplett abzunehmen gibt es allerdings erst beim Kauf eines zweiten Handgriffs dazu (ist aber nicht dramatisch - ich glaube im Zubehör für Fahrräder gibt es so ein Ding auch).
Guck mal hier: http://www.uwimaging.com/news/2009_products.htm
da findest Du mehr Infos zum neuen Stingray Plus (und natürlich auch zu den anderen neuen Gehäusen von L&M;)





