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posted by Serge Abourjeily on 2008/09/28

Macro Machines: Dritter Teil – Einstellungen

Pass auf, das ist so ...
Stellt ein Anfänger die Frage "Sag mal, was nimmst du denn für eine Belichtungszeit und Blende?", dann kommen meist Antworten wie "Also beim Weitwinkel kommt es immer auf die Situation an ... denn da hat man ja das Mischlicht" oder "Blende für den Blitz und Belichtungszeit fürs Blau". Das sind alles sehr gute Tipps, die auch zu 100% Pozent korrekt sind, denn es kommt beim Weitwinkel immer auf die Situation und Technik an. Aber von den gleichen kompetenten Mentoren kommen dann meist Antworten wie "Beim Makro nimmst du einfach eine Belichtungszeit von 1/125 oder kürzer und eine kleine Blende von f20-f32 ... je nach dem wie stark dein Blitz ist. Das gibt dir die nötige Tiefenschärfe."















Und dabei kann es einem Makro-Liebhaber schon mal kurz den Magen umdrehen – denn das gibt nicht nur Tiefenschärfe, sondern auch immer wieder die gleichen Bilder. Ich will damit nicht sagen, dass f20 und 1/200 bei Makro immer falsch sind. Aber sie sind eben auch nicht immer richtig. Und genau darum soll es heute gehen: Die Einstellung ist bei Makro mindestens genauso von der Situation abhängig, wie beim Weitwinkel. Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass man beim Makro mehr Möglichkeiten hat, ein Bild in Szene zu setzen, als beim Weitwinkel. Nutzen wir diese Möglichkeiten!
Cool, ein schwarzer Hintergrund!
Wer sich eine Weile mit der Spiegelreflexkamera beschäftigt, wird irgendwann den Trick herausfinden: Wenn man abblendet (also eine hohe Blendenzahl wählt, z.B. f20 oder f32), wird alles, was nicht angeblitzt wird schwarz. Der Grund hierfür ist, dass das Umgebungslicht nicht stark genug ist. Wenn man nun also ein Motiv anblitzt, der Blitz aber den Hintergrund nicht erreicht (z.B. weil es Wasser ist oder das Riff recht weit weg), so bekommt man das Motiv auf schwarzem Hintergrund freigestellt. Die Belichtungszeit ist hierbei übrigens egal ... 1/60 oder 1/200, es wird nicht reichen das Umgebungslicht herauszubringen. Das ist schön und ein klassisches Makro Motiv. Und keine Angst, dagegen habe ich nichts auszusetzen. Shrimps auf Peitschenkorallen, Fahnenbarsche etc. diese Technik funktioniert super um Dinge freizustellen und ins Auge knallen zu lassen.
















Aber: Wer die gleiche Technik nun bei einem Motiv anwendet, das nahe vor einem Hintergrund sitzt, der wird exakt den gegenteiligen Effekt erzielen. Denn da nun Vorder- und Hintergrund scharf sind (durch die Tiefenschärfe der hohen Blendenzahl) wird nichts freigestellt und das Motiv verliert sich. Also heißt es umdenken! Wer nun eine offene Blende wählt (kleine Zahl, z. B. f5,6) und auf das Motiv fokussiert, wird dieses scharf abbilden und den Hintergrund unscharf. Das Ergebnis ist ein freigestelltes Motiv, das direkt ins Auge sticht. Dieses Beipiel zeigt deutlich, dass es eben nicht immer mit hoher Blendenzahl und kurzer Belichtung getan ist, sondern auch lohnt mal umzudenken. Den Tieren zuliebe bevor man abdrückt und sie blind macht wink


















Etwas mehr Abwechslung
Nach einer Weile hat man schnell herausgefunden, welche Motive sich eher mit einem schwarzen Hintergrund und welche sich eher mit einer offenen Blende Freistellen lassen. Kein Grund sich auch seinen Lorbeeren auszuruhen – im Gegenteil: Zeit zu experimentieren und Neues zu versuchen.

So kann man zum Beispiel ein klassisches Freistellermotiv, bei welchem das Motiv vor freiem Wasser steht ruhig auch mal mit blauem Hintergrund statt mit schwarzem abbilden (einfach offenere Blende und dann die Belichtungszeit so einstellen, dass ganz leicht unterbelichtet wird). Oder einfach mal trotzdem die Freistellung mit der Tiefenschärfe versuchen. Oder bei einer Freistellung des Motivs mal weiter in Detail gehen und die Schärfe nur auf bestimmte Bildpartien (z.B. nur einen kleinen Teil um die Augen) legen.
Hierbei kann man ruhig auch mal den Blickwinkel und die Perspektive wechseln – und dann aus jedem Blickwinkel heraus die beste Einstellung finden. Am besten übt man so etwas an einem kleinen Korallenzweig, der frei steht. Oder auch an einer Schnecke, einem Skorpionfisch oder an anderen unbeweglichen "Zielen".
Sehr bald entwickelt man dann ein Gefühl für die richtige Einstellung im richtigen Moment ... und entdeckt plötzlich: "Makro ist ja vieeeeel vielfältiger als Weitwinkel." und fragt sich, wie nur jemand von Standard Einstellungen für Makro sprechen kann. Viel Spass beim Ausprobieren!


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Erschienen in: Fotoschule | UW-Fotografie


comments

Hallo Serge,

ich finde den Beitrag sehr interessant und sehr hilfreich, allein schon die Beispielbilder machen Lust aufs Tauchen mit Macro Ausrüstung. Werde noch viel üben müssen, freue mich schon auf meinen nächsten Tauchgang.

Gruß Bernd

posted by .(JavaScript must be enabled to view this email address) on 2008/09/28 Germany

Hi Serge,
in der Kürze auf den Punkt gebracht, alter Makroschlingel. Du experimentierst ja ziemlich mit den Konvertern rum. Könntest du nicht mal zu ausgewähleten Bildern in deinem Artikel die Objektiv + Belichtungsdaten benennen? Dann können wir mal nachvollziehen, wie sich die Optiken genau auswirken.

Wie oft warst du auf den Wiesen?

Tschueß Jörg

posted by Jörg Arnold on 2008/09/28 Germany

Auch als Videograf habe ich diesen Beitrag mit Spannung gelesen - sehr interessant mit welchen Tricks man die gewünschten Effekte erzielen kann.

posted by Alex.Be. on 2008/09/29 Austria

Hallo Serge,
super, dieser Macro-Beitrag. Du hast die Technik schön beschrieben und mit Beispielen unterlegt.

Nur etwas möchte ich noch wissen: bei den Digitalkameras spricht man von "förderlicher Blende", bzw. der Grenze, wo die Schärfentiefe dann nicht mehr zunehme wegen Beugung der Lichstrahlen - je kleiner der Sensor, desto eher tritt dies auf. Bei meiner Nikon D 300 offenbar ab Blende 11. Du sprichst aber von vollem Abblenden - sieht man dann auf dem UW-Bild, dass die Schärfe nicht mehr zunimmt oder ist die "förderliche Blende" nur eine theoretische Messung, die wir eh nicht sehen?
Gruss Aschi

posted by Ernst (Aschi) Haas on 2008/09/29 Switzerland

hi Serge,
klasse Beitrag.Mit wenigen Worten das enscheidene gesagt.Einfach und logisch-leicht im Hinterkopf zu behalten was du sagst, auch wenn man schon etwas tiefer in die "Stickstoffpulle" geluschert hat *g*.
nee im ernst, toller Beitrag.
Eine Antwort auf Aschis Frage würde mich natürlich auch interessieren.Bin digital Newcommer und werde ab Donnerstag endlich mit solchen Fragen konfrontiert.
Gruss
Joerg

posted by Joerg Noack on 2008/09/30 Germany

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