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geschrieben von Andi Voeltz am 24.06.2007

Brennweite #1: Mein erstes Unterwasserobjektiv für eine DSLR

Welches Objektiv ist für mich das Richtige?

Brennweite #1: Mein erstes Unterwasserobjektiv für eine DSLR

In unserer Rubrik Kaufberatung wollen wir diesen Sommer mit einer kleinen Mini-Artikelserie einige der immer wieder gestellten Fragen zum Thema Objektivkauf an Spiegelreflexkamerasystemen für den Gebrauch unter Wasser klären. In weiteren Folgen werden wir über aktuelle Weitwinkelzooms, Fisheye- und Makro-Objektive der digitalen Unterwasserfotografie sprechen und dabei auch näher auf das jeweilige Objektivangebot von Canon, Nikon, Olympus, Sigma und Tamron eingehen. Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen und freuen uns über jede Anregung und Frage, die ihr uns als Kommentar hinterlasst, damit wir diese eventuell in den kommenden Teilen für jeden Einsteiger leicht verständlich erklären können.


Kit-Objektive: Der Anfängerfehler bzw. die Budgetfrage

In seinem Testbericht zum Ikelite 20D Unterwassergehäuse, schrieb unser Mitglied René Kortschack treffend zum Canon 18-55 Kit Objektiv: „Dieses Objektiv eignet sich hervorragend als Kameraschutz.“ – Dennoch bleibt festzuhalten, dass es nicht unmöglich ist, mit diesen Brennweiten tolle Bilder zu machen und wir haben dafür zahlreiche Beispiele im DIGIDEEP Bilderwettbewerb online.

Wenn ein neues Objektiv noch nicht im Budget enthalten ist, kann man diese (in der Regel Standardzooms) durchaus unter Wasser verwenden. Einige Distributionsketten oder Foto-Fachhändler tauschen die Originalbrennweiten von Nikon (z. B. 17-80mm oder 17-55mm) oder Canon (18-55mm) oft aber gegen extremere Zoomobjektive von Sigma oder Tamron (18-200 oder 28-300mm). Diese Marken müssen dem Originalangebot oft in nichts nachstehen, jedoch sollte der Käufer sich bewusst sein, das es sich mit diesen Objektiven dann genauso verhält, wie mit einem Universalfaxgerät: Es kann halt von allem etwas, aber meist nichts davon richtig gut.

Auch wenn so ein Allrounder an Land viel Flexibilität bietet, tritt beim Zusammenspiel mit den Unterwassergehäusen und Ports ein massives Problem auf. Zum Teil ist das rein durch die physische Größe bedingt, wenn diese Objektive voll ausfahren, zum anderen sollten sie in einem bestimmten Brennweitenbereich hinter einer Planscheibe und sonst hinter einem gewölbtem Glas - dem Dome - betrieben werden. Weiterhin bewegt sich beim Zoomen das optische Zentrum, welches die korrekte Positionierung zur Vermeidung von Bildfehlern beeinflusst. In späteren Teilen (Festbrennweite oder Zoom), werden wir noch genauer auf dieses spezielle Problem eingehen.

FAZIT: Ein Problem wird der tolle Zoom ihnen sicherlich auch nicht lösen. Auch an einen Hai müssen sie sehr nahe heran, um ein gutes Foto zu machen. Das ist unter Wasser bei (fast) allen Bildern so, wenn diese nicht flau und unscharf wirken sollen. Deswegen sind Weitwinkel-Objektive im Unterwasserbereich nicht ohne Grund so beliebt. Verabschieden sie sich also von der bequemen Zoom-Flexibilität, die sie eventuell von ihrer digitalen Kompaktkamera her kennen und lassen sie sich auf die neuen Regeln der digitalen SLR-Unterwasserfotografie ein. Glauben sie mir, ihre Bilder werden dadurch wirklich langfristig besser!

Ein Frage der Wölbung: Planport oder Dome für das Kit ?

Ring, Ring! .. Ein Anruf,… „Hallo, ich habe ein Nikon 18-70mm, welchen Dome brauche ich…“ - Mir stockt der Atem, ich fange mich… am Hörer lächelnd sage ich dann: „Einen von Hugyfot – Aber Spass bei Seite.. “ und führe dann den Anrufer in die Problematik der Domport-Positionierung (s.o.) ein.

Manchmal bekomme ich sogar die Gelegenheit nach Planport oder Domport zu fragen, wenn sie oder er glaubt, das Objektiv primär im 45-70mm Bereich einzusetzen. Nicht selten kommt dann erstauntes Feedback, wie „Oh,.. man hatte mir gesagt, ich brauche für dieses Objektiv zwingend einen Dome?!“. Das kann ich mir auch gut vorstellen, denn ein Domport generiert ja in der Regel auch mehr Umsatz beim Händler oder Hersteller, abgesehen davon, dass ein Dome im Vergleich zum Planport auch echt sexy aussieht. Also eigentlich braucht sicherlich jeder zwingend mindestens einen Dome, oder etwa nicht?

FAZIT: Sicher ist auch dies wieder eine Budgetfrage, aber einige hundert Euro mehr für einen Dome sind manchmal gerade noch drin. Ob sie also am Anfang zum Beispiel dieses Objektiv hinter einem Planport oder Dome betreiben, sollten sie auch davon abhängig machen, ob sie sich als nächstes ein Weitwinkel (= Dome) oder ein Makro (= Planport) für die Unterwasserfotografie zulegen.

Fehler Nummer zwei: Tele-Brennweiten statt Makro

„Ich habe da noch so ein,… 400mm Objektiv mit Bildstabilisator“ (lechz, sabber) „..kann ich das in ihrem Gehäuse für Makro benutzen?“ Nun ja, jeder Hersteller wird ihnen gegen einen entsprechenden Preis schon die Verpackung dafür liefern, wenn sie darauf beharren. Aber überlegen sie auch mal wie sperrig und schwer ihr System dadurch wird. In der Regel wirkt sich eine Menge Abtrieb negativ auf ihren Luftverbrauch aus und sie werden dieses System kaum ohne Stativ ruhig halten können.

Ein weiterer Minuspunkt ist, dass die Nahgrenze dieser Telebrennweiten ihnen in der Regel nicht die gewünschte Vergrößerung bietet. Denn so lang sie keine Nahlinsen davor schnallen, ist es kein Makro-Objektiv, sondern ein Fernrohr und genau wie die Kit-Objektive, meist nur eine Übergangslösung. Eventuell erfinden sie mit Beharrlichkeit auch eine bahnbrechende neue Foto-Technik in der Unterwasserfotografie. Das soll schon vorgekommen sein, aber in der Regel wird man sie dafür auch erst ernst nehmen, sobald sie ein Standard-Portfolio vorweisen können.

FAZIT: Heben Sie sich also solche Experimente ruhig für später auf.
In der Unterwasserfotografie zoomen wir mit den Flossen!

Wichtige Eigenschaften für Unterwasser-Objektive

Genug ausgeteilt, wenn man also gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Nach welchen Kriterien sollte man ein DSLR-Objektiv für die Unterwasserfotografie genauer betrachten? Natürlich spielt auch der Preis eine Rolle, aber unabhängig davon gibt es für Unterwasserfotografen Kritieren und Anforderungen, die sich maßgeblich von denen der Landfotografen unterscheiden. Dadurch kann es leicht passieren, dass man im normalsterblichen Foto-Fachhandel schlichtweg einfach falsch beraten wird, wenn man seinen Absichten der Unterwasserfotografie nicht rechtzeitig mitteilt. Entweder bekommt man dann dort ehrliches Achselzucken oder man hat zufällig einen Kollegen dort stehen, der sich der Problematiken bewusst ist. In der Regel kommt diese Beratungsaufgabe aber nur den Herstellern von U/W-Gehäusen, Fotografen oder mit Glück auch fotografisch begabten Tauchlehrern zu. Unserer Meinung nach sollten Sie beim Kauf ihres Unterwasserobjektives folgende Dinge miteinander vergleichen:

  • Nahgrenze
  • Bildwinkel
  • Filtergewinde
  • Folienfilterhalter auf der Rückseite
  • (Reise-)gewicht
  • Innenfokussierend, ja/nein?
  • Größenveränderung beim Zoomen
Achtung: Crop-Faktor und Brenweitenverlängerung

Last but not least müssen wir sie, der Vollständigkeit halber, mit dem beliebtesten Thema seit der Geburt der digitalen Spiegelreflexfotografie konfrontieren. Die Theorie zur Brennweitenverlängerung können sie gerne auf Wikipedia nachlesen. Wir möchten aber auch davor warnen, sich bei der Berechnung der Brennweite nicht die Finger zu verbrennen und plötzlich Kroppzeug zum Crop-Faktor zu schreiben. Denn neben der Brennweite können sie auch noch den Bildwinkel berechnen, zu dem sie bei einigen Herstellern gar nicht die gewünschten Daten in einer bestimmten Zoomposition erhalten werden.

So, habe ich sie genug verwirren können? Dann ist es vielleicht Zeit für einen relativ praktischen Rat: Achten sie darauf, ob es sich bei den Objektiven, die sie zu kaufen beabsichtigen, um neue digitale Brennweiten handelt oder nicht. Die Hersteller geben dabei oft die effektive Brennweite oder den Bildwinkel auf Kleinbild mit an, mit dieser Angabe können sie relativ gut vergleichen.

Viele Leute glauben auch, dass ihre alten Nikon und Canon-Objektive an den neuen Spiegelreflexkameras nicht funktionieren. Das ist nur bedingt richtig, sofern sie über das aktuelle Bajonett verfügen. Denn dann können Sie zum Beispiel auch ein altes Nikon Fisheye 16mm an einer D80 oder D200 betreiben. Es wird sich allerdings wie ein 24mm Objektiv verhalten. Wenn sie den gewohnten Fisheye-Effekt aus alter Zeit haben möchten, müssen sie schon auf das neuere Nikon 10.5 DX Fisheye (wird zu 15.5mm) setzen oder die Alternative von Tokina mit 10-17mm Zoom (auf Kleinbild equivalent zu 15-25.5mm). Letztere beiden funktionieren an einer Filmkamera dann aber gar nicht oder nur mit der Einschränkung, dass massive schwarzen Ecken im Bild zu sehen sind.

Beim nächsten mal…
Im nächsten Teil „Brennweite #2“ stelle ich aktuelle Weitwinkelzooms für die Unterwasserfotografie vor und gehe dabei auf die jeweils besten Angebote für Canon, Nikon und Olympus ein. Wobei wir bei Canon die Varianten für Vollformat (derzeit nur zwei Modelle: EOS 5D und 1Ds Mk II) und den Crop Bereich getrennt besprechen werden.


Weitere Meldungen von Herstellern, die hier genannt wurden
Erschienen in: Kaufberatung | UW-Fotografie


Kommentare

... sehr gut, wann geht es weiter?

Ich möchte meine Canon 5D für die UW Foto ausrüsten und bin auf die Tipps als "Beginner"
sehr angewiesen. Der Fotokurs bei Christoph in Brüggentinsee war schon hilfreich, aber
mehr ist nie genug...
Danke Christiane

geschrieben von am 03.07.2007 Germany

Einerseits weiss ich noch nicht ob mich Makrofotografie interessieren wird, ebenso möchte ich sowenige Objektive wie möglich in den Urlaub mitschleppen. Desswegen intressiert mich die Frage, ob ein Sigma 17-70mm Universalzoom als Einstiegsmakro geeignet wäre. Das Objektiv ist nicht schlecht und es kommt auf 70mm gezoom bis auf 20cm ran, was einen Abbildungsmastab von 1:2.3 (gemäss Sigma) ergibt.
Ich denke zum Beispiel dieses in einem Planport fix auf 70mm gezoomt im Nahbereich einzusetzen. Wäre schön wenn ich mehr zu dieser Idee in einem Deiner Beträge lesen könnte. - Danke - Rene

geschrieben von am 05.07.2007 United States

Hallo ihr beiden,

herzlichen Dank erstmal für das Feedback. Den nächsten Teil wird es vorraussichtlich mitte August geben. Ich schlage allen Rat-suchenden für gezieltere Fragen und Antworten einen Besuch in unserem Forum vor. Bei Artikeln kann ich leider keine individuellen Antworten geben, da sie für ein breites Publikum ausgelegt sein müssen.

geschrieben von Andreas Voeltz am 08.07.2007 Germany

Hallo Andreas,

wo bleibt Dein versprochener #2?
Bin schon gespannt grin

Gruß

Axel

geschrieben von am 31.08.2007 Europe

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