Portfolio #5: UW-Fotograf Eckhard Krumpholz
Das Antibes Festival 2003: Ein Mensch mit Bärtchen und Brille zieht umher und verteilt ausgesuchten Gesprächspartnern des Festivals eine CD-Rom mit digital gescannten Fotos. Der Titel „Das gekachelte Meer“. So lernten wir damals Eckhard Krumpholz kennen. Heute ist dieser Name nicht mehr unbekannt in der Szene der Unterwasserfotografen. Eckhard Krumpholz gehört zu den erlesenen Profis die sich diverse photo-journalistische Expeditionen, Werbeaufträge und Fotostrecken in den gängigen Tauchmagazinen auf die Referenzliste schreiben dürfen. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift unterwasser (9/07) findet man unter anderem von "Ecki": Die fünf Todsünden der Wettbewerbsfotografie mit diversen Tipps zur Bildgestaltung und wie man es besser macht. Wir schätzen Eckhard inzwischen als aktives Mitglied und Teilzeit-Wettbewerbsjuror in unserem Forum und meinen, dass es nun einmal an der Zeit wäre, ihn und seine Fotos der Gemeinde etwas näher vorzustellen.
DIGIDEEP: Lieber Eckhard, bitte Stelle Dich kurz
vor (Alter, Wohnort, Familienstand und Beruf)..
Eckhard Krumpholz: Zu erst die einfachen Dinge: 41 (Jahre), 65549 (Limburg) und glücklich verheiratet. Meine Berufsbezeichnung ist nicht so eindeutig. Ich bin kein reiner UW-Fotograf, obwohl das meine größte Leidenschaft und vielleicht sogar etwas wie meine Mission ist. Ich fotografiere auch über Wasser: Architektur, Künstlerportraits und Möbel zum Beispiel. Außerdem biete ich leidenschaftlich gerne UW-Fotokurse an und mache Öffentlichkeitsarbeit für „Wasser“ im weitesten Sinne.
DIGIDEEP: In welchem Alter hast Du mit dem Tauchen begonnen?
Eckhard Krumpholz: Es muss wohl mit 5 Jahren gewesen sein. Denn ab diesem Zeitpunkt bin ich mit meinem Vater jede Woche ins Schwimmbad gegangen. Und da ich auf Schwimmen nicht so stand, bin ich von der ersten Stunde an mehr mit meiner Chlorbrille abgetaucht als geschwommen. Den „richtigen“ Tauchschein machte ich dann 1994. Aber erst nachdem ich auf Gozo naiv in einen Tauchladen spaziert bin, ein Tauchgerät leihen wollte und die mir keins gaben, weil ich kein Brevet hatte.
DIGIDEEP: Wie bist Du zur Unterwasserfotografie gekommen und
was erfüllt Dich an der Aufgabe Fotos unter Wasser zu machen?
Eckhard Krumpholz: Seit ich 12 Jahre war, fotografiere ich wie wild. Und durch meine frühe Liebe zum Wasser lag der Sprung mit Kamera ins selbe nicht weit. Die vielleicht größte Erfüllung liegt für mich darin, unter den besonderen Bedingungen möglichst gelungene Bilder mit nach oben zu nehmen.
DIGIDEEP: Welches war Deine allererste Unterwasserkamera
und was war auf Deinen ersten U/W-Fotos zu sehen?
Eckhard Krumpholz: Meine erste UW-Kamera war eine Nikonos IV mit 35mm und YS-50, die ich mir – noch ohne Tauchschein - 1993 gebraucht über das damalige Kultmagazin UWF besorgt habe. Zu sehen war auf den Bildern aus heutiger Sicht eigentlich nichts – alle Dias der ersten 2 Jahre sind komplett in den Müll gewandert, weil sie so schlecht waren. Erst ein Fotokurs beim VDST und Leihequipment von René Aumann brachte die lang ersehnte Besserung und mich auf den richtigen Weg.
DIGIDEEP: Welche Ausrüstung benutzt Du heute und bist du der Meinung,
das gute Ausrüstung auch Pflicht für gute Bildergebnisse ist?
Eckhard Krumpholz: Was gute Bilder sind, ist (nur) aus Sicht des Fotografen eine Sache des Standpunkts: Wer (lediglich) Erinnerungsschnappschüsse machen will, der braucht keine 5.000 EURO ausgeben. Wer aber seine Ergebnisse gedruckt sehen will oder sie in Übergröße an die Wand hängen möchte, der kommt um eine SLR mit vernünftigen Objektiven und Amphibienblitzen nicht herum. Ich nutze derzeit meist meine Nikon D2-x und Fuji S2pro in Seacam-Gehäusen. Für manche Projekte setze ich aber auch noch meine Analogkameras ein: Nikonos RS, Nikonos V und Nikon F100 – jeweils mit Blitzlicht von Subtronic. Aus Sicht des Betrachters gilt im Unterwasserbereich immer: je besser die Kameraausrüstung, um so besser das Ergebnis.
DIGIDEEP: Welche Bedeutung hat(te) der Einzug der Digitalfotografie im Bezug auf Deine
Ausrüstung im Bereich der Unterwasserfotografie? Bzw. was bedeutet die aktuelle Ankündigung
der Nikon D3 (endlich Vollformatchip bei Nikon) für Dich?
Eckhard Krumpholz: Ich brauche bei gleichem Gewicht etwas weniger Platz im Fluggepäck. Zu analogen Zeiten bin ich mit einem Seacam-Gehäuse für die F100, den üblichen Objektiven und einem kompletten RS-Back-Up System gereist. Mit der neuen D3 kann ich endlich wieder vernünftige Shiftaufnahmen im Weitwinkelbereich machen - was unter Wasser keine Rolle spielt, aber bei Hotels sehr hilfreich ist.
DIGIDEEP: Glaubst Du, dass der ideale Zeitpunkt für einen Wechsel von der analogen zur
digitalen Fotografie "noch kommen", "schon erreicht wurde" oder "niemals kommen wird"?
Eckhard Krumpholz: Ich denke, der beste Zeitpunkt kommt nie, weil die dSLR jedes Jahr immer günstiger und besser werden. Also sollte man dann kaufen, wenn man die Digitaltechnik auch braucht oder sie den Preis erreicht hat, den man bereit ist, zu zahlen.
DIGIDEEP: Alle Welt spricht vom "digitalen Vorteil", hast Du eventuell auch schon einen digitalen Nachteil
entdeckt; wenn ja - was ist das größte Manko im Vergleich zur analogen Unterwasserfotografie für Dich?
Eckhard Krumpholz: Es gibt zwei Dinge, die ich bei digitalen Fotos hasse: Der leicht ausfransende Sonnenball und das ewige „Nachsitzen“ am Computer, das selbst dann erforderlich ist, wenn die Bildarbeitung nur rudimentär erfolgt.
DIGIDEEP: Was fotografierst Du am Liebsten unter Wasser und warum?
Eckhard Krumpholz: Mein Lieblingsmotiv unter Wasser ist der Mensch - von humorvoll und farbschwanger inszeniert bis dokumentarisch in schwarzweiß. Hier kann ich gestalten und ein vielfach ungewöhnlicheres Bild entwickeln. Das geht bei den meist unkooperativen Fischen nicht so gut.
DIGIDEEP: Gibt es einen Wettbewerb, den Du gerne noch gewinnen würdest oder einen, der
in Deinen Augen ein besonders hohes Niveau hat und der als sehr schwer zu gewinnen gilt?
Eckhard Krumpholz: Ja klar. Ich würde gerne mal beim World Press Award in der Kategorie „Sport Features“ mit einem UW-Bild einen der vorderen Plätze erreichen. Zu den schwierigsten und prestigeträchtigsten Wettbewerben gehört meines Erachtens der Wettbewerb in Antibes. Bei beiden habe ich aber noch nie eingereicht.
DIGIDEEP: Was würdest Du Dir für die Zukunft der Unterwasserfotografie wünschen, wenn Du
einen Wunsch frei hättest, um dieser Disziplin in der Fotografie neue Impulse geben zu können?
Eckhard Krumpholz: Ich würde mir die Meere zurück wünschen, wie sie vor 100 Jahren waren.
DIGIDEEP: Was ist Deiner Meinung nach die höchste Auszeichnung, die ein gutes Bild erfahren kann?
Eckhard Krumpholz: Die höchste Anerkennung für eine Aufnahme ist die, nicht übersehen oder -blättert zu werden, sondern bestaunt. Wenn ein Bild seinen Betrachter in den Bann zieht und immer wieder angesehen wird, dann ist es gut.
DIGIDEEP: Hast Du fotografische und taucherische Vorbilder und Idole?
Eckhard Krumpholz: Taucherisch nein. Fotografisch ziehe ich vor Howard Schatz, Zena Holloway, Norbert Wu, Jürgen Freund, Laurent Ballesta und natürlich Christoph Gerigk meinen Hut.
DIGIDEEP: Welchen Tipp würdest Du einem Neueinsteiger geben?
Eckhard Krumpholz: Erst Tauchen lernen, dann mit der Kamera ins Wasser gehen. Und am besten im Schwimmbad und mit Plastikfischen beginnen. Hier kann man hemmungslos üben. Die echten Fische und ihr Lebensraum werden es uns danken.
DIGIDEEP: Wenn Du plötzlich nur noch einen Tauchgang für den Rest
Deines Lebens machen würdest, welchen Tauchplatz würdest Du dafür wählen?
Eckhard Krumpholz: Entweder die Arktis. Hier würde ich gerne mal unter dem ewigen Eis tauchen. Oder Tauchen mit Robben und Garibaldis in den Kelpwäldern Südafrikas oder Kaliforniens.
DIGIDEEP: Dein Bild "Carolin" viel uns besonders auf. Im Vergleich
zu den anderen von Dir hier gezeigten Fotos fällt es irgendwie aus dem
Rahmen. Was ist die Geschichte zu diesem Bild ?
Eckhard Krumpholz: Ich wollte auch mal unter Wasser Portraits machen, die trotz Unschärfe einen gewissen Charme haben. Dazu habe ich einen Scala-Diafilm ohne Blitz verwendet und ihn dann wie einen Negativfilm entwickelt. Herausgekommen ist – wie erwartet - dieses farbverschobene Bild einer Freundin von mir.
DIGIDEEP: Gibt es noch ein anderes Bild aus Deinem Portfolio
zu dem Du uns eine Geschichte erzählen kannst/möchtest?
Eckhard Krumpholz: „Der Hund im Kanu“ ist Teil der Serie „Die Lahn – von der Quelle bis zur Mündung“. Den trüben Mittelgebirgsfluss habe ich in mehreren Wochen auf 242km Länge portraitiert. Vor einer Schleuse kam jenes Kanu mit der tierischen Fracht auf mich zu, die mir unter Wasser die Zunge rausstreckte. 3 Aufnahmen hat´s gedauert, bis ich auf den Hund gekommen bin.
DIGIDEEP: Was war für Dich persönlich der größte Erfolg der letzten Jahre?
Eckhard Krumpholz: Die am meisten beachtete Serie in den letzten Jahren waren die Fotos, die ich von Menschen mit geistiger Behinderung und Kinder mit Entwicklungsverzögerungen unter Wasser gemacht habe. Wie vielleicht nirgendwo sonst genießen diese Menschen in der Schwerelosigkeit des Schwimmbeckens die Möglichkeit, die oft angeborenen und mehrfachen Handicaps nicht mehr zu erfahren. Die Arbeit hat mir und den Kindern und Jugendlichen einen Riesenspaß gemacht – und ich glaube, das sieht man auch auf den Fotos. Denn die sollten vor allem dazu dienen, einen ungezwungenen Zugang zu den Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu erleichtern. Die Bilder kann man übrigens auch als großformatige Ausstellung ausleihen.
DIGIDEEP: Was sind Deine nächsten Projekte / Ziele von denen wir wissen sollten?
Eckhard Krumpholz: Lass Dich überraschen....
DIGIDEEP: Junge oder Mädchen ?
Na, endlich mal was Neues in dieser Rubrik.
Besonders gefällt mir Eckhards -ehrliches- Statement, dem ich voll und ganz zustimme: "... Wer aber seine Ergebnisse gedruckt sehen will oder sie in Übergröße an die Wand hängen möchte, der kommt um eine SLR mit vernünftigen Objektiven und Amphibienblitzen nicht herum ..." - Schön, dass jemand mal nicht behauptet, man könne mit beliebigen Equipment, jedes Bild machen.
Dem Wunsch nach einem Zustand der Meere kann ich mich auch -unabhängig von der Fotografie- vorbehaltslos anschließen. Zum Schluss sei der Tipp an Neulinge erwähnt, der hoffentlich auf fruchtbaren Boden fällt.
Dass das Portfolio ungewöhnlich und vielfältig ist, weiß ich schon lange
Gruß Frank
Ein tolles Portfolio und ich kann mich Frank nur anschließen.
Die letzten Veröffentlichungen, die ich gelesen habe, haben mich wirklich vom Stuhl gehauen, denn sie waren sehr informativ und gut geschrieben.
Besonders das Hunde Foto finde ich sehr gut und die Story dazu war aus meiner Sicht eine der besten Arbeiten.
Beste Grüße,
Adrian
In vielen Dingen kann ich Eckhard nur zustimmen.
Sein Stil unterscheidet sich zwar gänzlich von meinem, aber ist sehr interessant.
























