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posted by Serge Abourjeily on 2009/05/13

Pulau Weh: Reisebericht aus Indonesien

Pulau Weh: Reisebericht aus Indonesien

Tsunami, Bürgerkrieg, strenger Islam und schwierige Anreise: Das sind die Faktoren, die Pulau Weh über Jahre hinweg vor dem Massen-Tauchtourismus bewahrt haben. Die kleine Insel im Norden Sumatras, bietet zwar wenig Luxus, darum aber auch erstklassiges Tauchen an noch nicht übertauchten Plätzen. Anbei ein kleiner Reisebericht über die Insel, die mir in den letzten 6 Monaten ans Herz gewachsen ist.





Die Basis
LumbaLumba Diving wurde vor über 10 Jahren von Ton und Marjan – einem Niederländischen Paar – gegründet. Und die beiden machen einen richtig guten Job: Eigentlich ist es ja schon eine Meisterleistung dem Bürgerkrieg und dem Tsunami zu trotzen. Aber dann auch noch so schöne und liebevolle Bungalows zu bauen, einen so familiären Dive-Shop herzurichten und in einer Gegend, wo Strom und fließend Wasser Luxus sind auch noch Wireless Internet anzubieten ist schon fast Magie! In dieser Basis arbeiten neben 2-3 Europäischen Tauchlehrern (für die Kurse) circa 6-7 indonesische Guides, welche die Tauchplätze richtig gut kennen. Gefahren wird 2 mal pro Tag mit kleinen offenen Holzbooten mit Außenbordern ... und zwar richtig relaxed: Vormittagstauchgang erst um 9.30 und dann nachmittags um 14.00. Die Gruppen werden grundsätzlich klein gehalten. Maximal vier Taucher pro Guide. Aber meistens weniger.






Die Tauchplätze
Rund um Pulau Weh werden circa 15 Tauchplätze angefahren, die zwischen 10 und 35 Bootsminuten von der Basis entfernt sind – einfachere und anspruchsvollere. Auf Pulau Weh besteht grundsätzlich immer die Möglichkeit relativ starker Strömung, was die Tauchplätze um einiges fischreicher macht. Generell gibt es rund um Pulau Weh extrem viele Orange Fächerkorallen (Seafans), ebenso viele Muränen verschiedenster Arten und extrem viel "Fischsuppe" – also Fahnenbarsche, Fusiliere, Drücker, Nasendoktor- und Doktorfische und Millionen anderer Rifffische.
Die Highlights sind:

Battee Tokong

Wohl mit der schönste Tauchplatz auf Pulau Weh besticht durch seine Vielfältigkeit. Ob nun Seafan-Wälder, Rifffische oder Haie man kann den Platz auf sehr unterschiedliche und immer neue Art betauchen. Wohl am auffälligsten ist hier die Muränen Population am Haupt-Pinnacle – über 10 Arten und mehr als 50 Muränen pro Tauchgang sind keine Ausnahme. Am Sharkplateau (einer ca. 28m tiefen Riffverlängerund) finden sich Schulen von Barrakudas und Jacks, sowie Schwarzspitzen Riffhaie und Gelegentlich Weißspitzenriffhaie und Adlerrochen. Am tiefen Ende der Westseite beginnen auf circa 25 Meter Tiefe die Seafans, die sich bis weit über 50m hinaus als eindrucksvoller "Oranger Wald" ausgebreitet haben.

Canyon

Spektakulärer Pinnacle Dive. Am Canyon gibt es mit Abstand die schönsten Korallen auf Pulau Weh. Zu den Fächerkorallen gesellen sich hier zahlreiche Weichkorallen und Peitschenkorallen ... der Pinnacle beginnt auf circa 15 Metern und die große Wand im Süden senkt sich auf circa 45 Meter hinab, von wo sie langsam bis 65-70 Meter ausläuft – und alles voller Korallen. Neben Fischschulen gibt es hier noch Napoleons, Schildkröten, Barrakudas, Tunas – und alle Jubeljahre ne Mola Mola! Pflichttauchgang.
Pantee Peunatung
Pantee Peunateung steht für "Strand der Reisterrassen". Das kommt daher, dass der Tauchplatz aus einer Riffzunge besteht, die von der Küste senkrecht ins Meer hinausreicht und Terassenförmig abfällt. Das sorgt erstens für viel Strömung und zweitens für viel Korallen und Fisch. Besonders erwähnenswert ist das Plateau zwischen 25-30 Metern, wo man Barrakudas (verschiedene Schulen), Jacks (eine sehr große Schule) und ab und an Napoleons sehen kann. Eine Weitere Attraktion ist die "Tiefe Wand" ... am Ende der Terrassen (35-40 Meter) fällt eine Wand bis auf circa 55-65 Meter ab: Hier ist zum einen ein wunderbarer Korallenwachstum zu beobachten und zum anderen meistens richtig gute Sicht. Problem ist dann meistens der Dekostop bei starker Strömung auf dem Riffdach – also Vorsicht und nicht zu lange bleiben!

Sophie Rickmers
Sophie Rickmers ist ein deutsches Handelsschiff aus der Rickmers Werft in Hamburg, welches zum Ausbruch des zweiten Weltkriegs vom Kapitän vor der Insel versenkt wurde, um das Schiff nicht in die Hände der niederländischen Besatzung fallen zu lassen. Es ist heute sehr schön bewachsen und neben Fledermausfischen, Schnappern, Skorpionfischen, Schnecken etc. trifft man auch recht regelmäßig einige sehr große Goliath Grouper an. Das Schiff ist über 130 Meter lang, das #### liegt auf 72 Metern und der Bug auf 57 Metern. Der Tauchgang beginnt am kollabierten Steuerhaus auf circa 40 Metern. Es ist also ein Dekompressionstauchgang. Getaucht wird nach einer kanadischen Navy-Tabelle: Grundzeit 18 Minuten (verkürzt von den 20 Minuten der Navy), Maximaltiefe 51 Meter. Der Guide geht mit Doppeltank und redundanten Atemreglern und ab 12 Metern gibt es am Seil Stageflaschen für den Dekostop. Ein sensationeller Tauchgang, den Lumba Lumba ab Rescue Diver und 100+ Tauchgängen anbietet. Jeder muss vorher einen Deep-Check Tauchgang absolvieren, wo auf 45 Metern Reaktion, Narkose und Atemvolumen gecheckt werden.
Das Hausriff
Gapang Beach, das Lumba Lumba Hausriff, liegt direkt vor der Basis und kann jederzeit betaucht werden: Mit Guide, als Buddy Team oder – bei entsprechender Erfahrung – auch alleine. Gapang Beach ist eine kleine Bucht und das Riff geht bis auf ca. 5 Meter Tiefe und fällt dann langsam, als Slope, bis auf circa 20 Meter ab. Es gibt einen kleinen Jetty, mehrere Korallenfelder, Bommies, Sandflächen und 2 kleine künstliche Riffe. Für Critterjäger, Makrofans und vor allem Fotografen ist das Hausriff ein echtes Paradies: Unzählige Röhrenaale, Schlangenaale, Muränen, Feuerfische, Skorpionfische, Octopoden, Sepia, Waspfish, Mantis, Catfish, Schnecken Kofferfische, Gobies und vielerlei andere Rifffische fallen dem Hausrifftaucher sofort ins Auge und auch Taucher, die ohne Guide ins Wasser gehen, kommen stehts mit einem Grinsen zur Basis zurück. Beim genauen Hinsehen kann man auch Baby Frogfish, Ghostpipefisch, Pegasus, Long Arm Octopus, Mimic Octopus, Bobtail Squid, Seepferdchen, Pipehorse, Flying Gurnard und andrere Raritäten entdecken.

Die Unterkunft
Am Gapang Beach kann man direkt in den Luxuriösen Bungalows bei Lumba Lumba wohnen – die neu gebauten Bungalows sind nicht nur modern, sondern auch schön! Neben einem europäischen Badezimmer gibt es auch einen Kühlschrank, Wasserkocher, Schränkchen, Tisch, Sofas und eine eingerichtete Veranda. Die Bundalows kosten circa 25 Euro pro Nacht. Die Bungalows sind begehrt und Reservierung per Email lohnt sich. Wer günstiger wohnen möchte, kann sich am Strand umschauen und zwischen 5-10 Euro günstigere, einfachere Alternativen finden.


Das Essen
Gapang Beach ist klein und abgelegen – dementsprechend wenig Auswahl darf man beim Essen erwarten. Es gibt 5 Restaurants am Strand – aber diese bieten alle – mehr oder weniger – das selbe an. Gebratenen Reis, gebratene Nudeln, Hähnchen, Fisch, Squid, Pommes, Kombinationen von allem oben genannten ... aber zum Beispiel auch Pasta. gerne bereiten die Leute einem auch ein Fisch-Barbeque mit mehreren beilagen zu ... das ist dann richtig gut. Für ein paar Monate ist das Essen nicht vielfältig genug, aber für einen Urlaub ist es schon OK – dafür gibt's ja dann auch unberührte Tauchgebiete.
Die Anreise
So. Den unangenehmeren teil hab ich mir bis zum Schluss aufgehoben wink Die Anreise ist nicht ganz so einfach, wie zum Beispiel ans Rote meer oder die Malediven. Aber auch nicht unmöglich. Von Europa aus kann man Entweder Kuala Lumpur oder Singapore anfliegen und von dort aus weiter Nach Medan / Sumatra und von dort aus dann mit einem Domestic Flight nach Banda Aceh ... also zweimal umsteigen. Wer sich bereits in Europa oder Kuala Lumpur ein Visum für Indonesien besorgt, der kann auch von Kuala Lumpur direkt nach banda Aceh fliegen und sich einen Flug sparen. Das ist so, weil man in Banda Aceh kein "Visa on Arrival" (also Visum direkt am Flughafen) bekommen kann. Dies soll sich aber auch evtl. bis zum Ende des Jahres ändern. Von Banda Aceh gehts dann mit dem taxi zum Hafen und mit der Fähre nach Pulau Weh (30 Min + 70 Min).


Erschienen in: Reportagen | Ankündigungen | Reise


comments

Hallo Serge,

vielen Dank für den interessanten Reisebericht. Glaube nicht das ich jemals so eine Reise unternehmen kann, aber das Träumen macht mit so einem Bericht mehr Spass.

Gruß Bernd

posted by .(JavaScript must be enabled to view this email address) on 2009/05/13 Germany

Hey Serge,

hat ja leider in diesem Jahr nicht mit einer Fotosafari (Digideep) geklappt. Hatte mich schon auf dich und die anderen gefreut....
Ich fahre in wenige Wochen nach Sahaung (Sulawesi). Dein Bericht ist sehr gut zu lesen und deine Fotos sind ja sowieso über jeden Zweifel erhaben.
Wenn man nun konkret Geschmack an dem von dir beschriebenen Reiseziel gefunden hat, an wen sollte man sich wegen Buchung und Organisation wenden?

Alles Gute aus den hessischen Wäldern

Christoph Goebel

posted by .(JavaScript must be enabled to view this email address) on 2009/05/18 Germany

Hi Christoph!

Hoffe alles klar bei dir!! Wünsche dir auf jeden Fall viel Spass in Sulawesi ... war im April auch kurz dort.

Wegen Pulau Weh: Entweder einfach nen Flugbuchen und hinfliegen (Zimmer bei LumbaLumba per Email über LumbaLumba.com reservieren) oder man kann das ganze auch als komplettpaket über Aquaventure-Tauchreisen buchen ... da sind dann Flüge und Transfers und alles dabei.

Also nochmals viel Spass im Urlaub Herr Forstmeister

serge

posted by Serge Abourjeily on 2009/05/18 France

Ja, alles klar - was soll auch schon in meinem Alter noch passieren???

Über Aquaventure haben wir schon mehrfach gebucht und halten den Vermittler (Maik Solf) für schlichtweg genial. Meine Frage hatte aber einen anderen Hintergrund: wolltest Du nicht dort selbst etwas organisieren? Da wäre ich dann mal vorbei gekommen.

Also , Waidmannsheil in allen Lebenslagen
Christoph

posted by .(JavaScript must be enabled to view this email address) on 2009/05/27 Germany

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