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posted by Marc Momberg on 2007/06/16

Sony A100 & BlueboxX Testbericht

Sony A100 & BlueboxX
Nachdem ich 2004 mit einer Sony DSC-P12 in die Welt der Unterwasserfotografie eingestiegen bin, folgte gegen Ende 2006 der nächste logische Schritt: Der Einstieg in die digitale DSLR-Klasse. Mit der Sony A100 wagte ich mich an einen Neuling in diesem Markt. Allerdings hat Sony nicht nur die Technik, sondern auch gleich das ganze Team von Konica Minolta übernommen und setzt somit eher eine ausgereifte Reihe fort.
Die Kamera
Die bisherigen ersten Erfahrungen (vorwiegend an Land) mit der 10,2 Megapixel-Kamera sind durchweg positiv. Die Bedienung ist einfach und recht intuitiv. (Allerdings erfordert es noch einiges an Übung meinerseits, um die Einstellmöglichkeiten auch richtig zu nutzen).
Sony bietet gleich eine ganze Palette an Objektiven an und für den großen Geldbeutel gibt es auch mehrere Objektive von Carl Zeiss. Außerdem sind die alten Minolta-Objektive voll kompatibel.
Für den Start habe ich mich für das Standard-Kit-Objektiv (18-70mm F3.5-5.6) entschieden und mir zusätzlich das 100mm F2.8 Makro zugelegt.
Weiterhin bietet die A100 neben den üblichen Funktionen eine CCD Reinigung, bei der dieselbe Automatik genutzt wird wie bei der "Super Steady Shot"-Funktion (automatischer Verwackelungsschutz). Auch die "Dynamic Range Optimization" (DRO) ist ein sinnvolles Feature, erspart Sie doch bei kontrastreichen Bildern das spätere Nachbearbeiten von Licht und Schatten. Allerdings funktioniert dies natürlich nur im JPEG-Modus.
Die Kamera ist gut bedienbar, liefert knackige Bilder mit natürlicher Farbwiedergabe, bietet diverse sinnvolle Extrafunktionen und eine breite Palette an Zubehör. Somit bietet Sony meines Erachtens ein attraktives Angebot mit sehr gutem Preis-/Leistungsverhältnis für den ambitionierten Ein-/Umsteiger, dass sich vor Canon oder Nikon nicht verstecken muss. Aber nun zur BlueboxX
Die BlueboxX

Eine Woche nach dem ersten Test konnte ich im Adolfosee in Hückelhoven dann endlich mein erstes Fischmakro schießen und nach einigen kleineren nachträglichen Korrekturen am Computer und der Wahl eines Bildausschnitts kommen wir einem guten Bild doch schon langsam näher
Mit Spannung erwartet und auf der boot 2007 erstmals der interessierten Öffentlichkeit präsentiert, kam mit der BlueboxX im Januar 2007 erstmals ein vollwertiges DSLR-Gehäuse für unter 1000 Euro auf den deutschen Markt. Da die Gehäuse anderer Hersteller normalerweise nicht unter 1500 Euro zu haben sind, stellt sich natürlich als erstes die Frage: Wie ist das möglich? Möglich wird das Ganze durch ein neuartiges Material (eine Art Kunststoff), das schon seit rund 10 Jahren in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz kommt, aber bisher für zivile Anwendungen nicht zugänglich war. Das Material macht einen robusten Eindruck und angeblich soll es einen Sturz z.B. vom Tisch überstehen, aber es liegt mir fern, dass mit meinem Gehäuse zu testen.

Das Äußerliche - auch wenn es letztlich auf die "inneren Werte" ankommt
Die BlueboxX verfügt über zwei ergonomisch geformte Handgriffe, die ein sicheres Handling ermöglichen. Beide Handgriffe sind mit Int T-Stücken ausgestattet, so dass problemlos zwei Blitzarme am Gehäuse befestigt werden können. Ich verwende daran derzeit ein ULCS Armsystem mit einem Ikelite DS125. Drei gesicherte Schnellspannsverschlüsse sorgen für einen sicheren Zusammenhalt der beiden Gehäusehälften. Allerdings ist etwas unglücklich, dass die beiden seitlichen Verschlüsse um 1-2mm zu breit sind, um problemlos an den Handgriffen vorbei zu passen. So muss man vorher die Bügel entsprechend an den Griffen vorbei führen ohne sie dabei zu verkeilen. Hier könnte der Hersteller (Bruder) sicher leicht eine Lösung finden indem z.B. die Griffschiene unten entsprechend marginal verlängert oder das Gehäuse auf der Schiene etwas vor- oder zurückgesetzt wird. Das Gehäuse wird auf die jeweilige Kamera angepasst und bietet Zugang zu allen wichtigen Kamerafunktionen. Etwas Schade finde ich, dass man zumindest bei der Sony in der BlueboxX nicht die direkte Möglichkeit hat, von Auto- auf manuellen Fokus umzuschalten. (Es geht aber indirekt über einen Menü-Umweg. Allerdings bin ich mir als Umsteiger auch noch nicht im Klaren darüber, ob das wirklich häufig nötig ist). Der nach vorne rechts verlegte Auslöse-Hebel kann selbst mit dicken Handschuhen leicht und präzise mit dem Zeigefinger bedient werden. Im Gehäuse wird die Kamera durch eine Montageplatte gehalten und mittels einer Stativschraube befestigt. Dies erweist sich als problemlos und hält erstaunlich gut, auch wenn die Schraube aus Plastik zunächst nicht sehr vertrauenserweckend wirkt. Ebenfalls zum Lieferumfang gehört ein Standard Planport (passend zum Standard Objektiv) aus hochwertigem Kunststoff mit einer Mineralglasscheibe. Diverse weitere Plan- und Dome-Ports sind verfügbar und für den Anfang habe ich mir neben dem Standard-Port (18-70mm Kit-Objektiv) den entsprechenden Port für mein 100mm Makro mitbestellt. Die Ports werden von vorne eingeschraubt und sind mit einem dicken Dicht-O-Ring versehen.

Der Sucher - "Wo kann man denn hier, dess man ma was sieht?"
Der optische Sucher zeigt zwar das komplette Sucherbild der Kamera, allerdings um 25% verkleinert. Es gibt aber (optional, und ggf. nachrüstbar) einen 45° Winkelsucher, der grundsätzlich um 360°drehbar ist. (Evtl. sind je nach Kameramodell einige Bedienteile im Weg, so dass die vollständige Drehbarkeit etwas eingeschränkt sein kann. Der Winkelsucher vergrößert das Sucherbild der Kamera um das 1,5 fache. Diese zusätzliche Flexibilität erschien mir als Umsteiger aus der Kompaktklasse von vorneherein sinnvoll, wenn ich schon auf die Live-view-Funktionalität einer Kompakten verzichten musste. Der Einblick auf den Kameramonitor bleibt aber trotz Winkelsucher zu 100% erhalten, so dass der Blick auf die Menüs und die Bildkontrolle durch den Winkelsucher nicht beeinträchtigt wird.

Dichtung - und Wahrheit
Die BlueboxX verfügt über einen akustischen Leckwarner für größtmögliche Sicherheit. Damit der möglichst gar nicht erst zum Einsatz kommt, gibt es zwischen beiden Gehäusehälften einen 3,5 mm dicken Silicon-O-Ring. Vor dem ersten Einsetzen sollte der O-Ring für ca. 10 Sekunden durch stetiges (aber nicht zu starkes) Ziehen etwas geweitet werden, um das Einsetzen zu erleichtern. Vom fetten sollte man laut Herstellerangaben absehen, da dass den O-Ring um mehrere Zentimeter dehnen kann, so dass er undicht wird. Ansonsten sind sämtliche Bedienelemente doppelt O-Ring gedichtet und in Seewasser beständigem Edelstahl ausgeführt. Die verfügbaren Ports werden mit einem Gewinde an das Gehäuse geschraubt und sind mittels eines 2,5 mm dicken O-Rings abgedichtet. Nach dem Einsetzen bzw. Zusammenschrauben des Gehäuses bzw. der Ports ist eine Sichtprüfung der O-Ringe nicht mehr möglich, daher sollte man hier entsprechende Sorgfalt walten lassen. Ansonsten sind sämtliche Bedienelemente doppelt O-Ring gedichtet und in Seewasser beständigem Edelstahl oder Kunststoff ausgeführt.

Blitzbuchse
Die BlueboxX kann mit der NikV oder S6 Blitzbuchse ausgeliefert werden. Mit der Sony A100 wird die NikV Buchse verwendet. Die Blitzabfeuerung erfolgt darüber auch zuverlässig. (Mit TTL werden die Bilder aber gnadenlos überbelichtet, weil Sony ein eigenes Protokoll verwendet, dass der Ikelite-Blitz wohl nicht versteht. Nach einigen Versuchen habe ich jedoch Einstellungen gefunden, die zu brauchbaren Ergebnissen bei manuellem Betrieb führen).

Und wie tief geht´s?
Die BlueboxX ist bis 60 Meter Tauchtiefe zugelassen und wird vor der Auslieferung einer Druckprüfung mit einem Prüfdruck von 100m unterzogen.
Ab in die Praxis – Sprich: "In den Baggersee"
Um gleich mal die Alpinisten mit Ihren geradezu unverschämten Sichtweiten zu desillusionieren, anbei ein Foto vom ersten Testtauchgang (aufgenommen mit einer Sony DSC-P12). (Sichtweite ca. 3m an guten Stellen). Hier ging es offensichtlich weniger um tolle Bilder, als vielmehr um einen Gehäusetest. Aus Gründen des gesunden Misstrauens erfolgte der erste Tauchgang mit leerem Gehäuse, Ikelite DS125 und dem Port für das 100mm Makro. In diesem Zustand hatte das Gehäuse leichten Auftrieb. Mit eingebauter Kamera (2.Test-TG) hat das Gehäuse in dieser Konstellation ganz leichten Abtrieb.

Wie der letzte Satz bereits impliziert, erwies sich die BlueboxX beim ersten Testtauchgang als dicht. Auch durch drehen, wenden, schütteln und wildes Knöpfe drücken ließ sich kein Wassereinbruch erzeugen. Mit diesem frisch gewonnenen Vertrauen wagte ich also einen zweiten Test-Tauchgang, diesmal mit eingebauter Kamera inkl. 100mm Makro und der ambitionierten Zielsetzung, die Grundzüge der Bedienung zu testen und zumindest ein scharfes und halbwegs korrekt belichtetes Foto zu erzeugen.


Mein erstes halbwegs brauchbares Testbild. Der Abstand vom Port bis zur ca. 3-5cm langen Larve betrug ungefähr noch 30 cm.
Im zweiten Tauchgang mit der BlueboxX musste sie nun beweisen, dass zumindest die grundlegende Bedienung der Kamera unter Wasser funktioniert. Da man die Kamera nach dem Verschließen des Gehäuses nicht mehr ein- bzw. ausschalten kann, vergewisserte ich mich lieber 2x, dass ich den kleinen Schiebeschalter auch tatsächlich auf "on" gestellt hatte, bevor ich den Gehäusedeckel auflegte und die drei Verschlüsse zu klickte. Nach dem Abtauchen ein kurzer Kontrollblick in den Port; kein Wasser – gut. Ein erstes Auslösen der Kamera um zu sehen, ob der Blitz auch ausgelöst wird – klappt. Erstes Zielobjekt: eine Muschel an der Ecke der Plattform. Blick in den Winkelsucher – "Wo ist sie nur?" Ein kurzes Surren und der Autofokus stellt das Gitter der Plattform scharf. Jetzt gilt es nur noch die Muschel zu finden. Gar nicht so einfach. Aber der Winkelsucher wird sofort zur sinnvollen Anschaffung erklärt, denn sonst hätte ich den Kopf ins Gitter pressen und auf der Plattform den Plattfisch machen müssen, um in den Sucher zu schauen. Irgendwie will die Muschel dann aber doch nicht so recht, weil ein paar Algen und Schwebeteilchen die Sicht trüben. Also erstmal weiter. Nach wenigen Metern stellt ein Blumentopf mein nächstes Opfer dar. Da ich mich bei den Einstellungen zunächst mal an den an Land gefundenen passablen Werten orientiere, gilt es nun heraus zu finden, ob damit auch unter Wasser ein halbwegs korrekt belichtetes Bild heraus kommt. Klick – klick – klick. Der Auslöser lässt sich trotz dicker 7mm Handschuhe präzise bedienen. Der Ikelite DS 125 erweist sich das schon als etwas hartnäckiger, aber auch die Umstellung der Blitzintensität klappt. Die Bildkontrolle ist von der Bedienung und vom Einblick her problemlos möglich, aber die LCD-Intensität könnte etwas hochgestellt werden. Auch die Bedienung der Menüfunktionen klappt. Jetzt kann man auch was erkennen. Mittlerweile hat meine Freundin an einem Ast eine Köcherfliegenlarve entdeckt. Zielwechsel. Feuer frei. Klick.

Fazit
Es gibt zwar einige Kleinigkeiten (seitliche Verschlüsse am Handgriff vorbeiführbar; volle Drehbarkeit des Winkelsuchers) die noch verbesserungsfähig wären, aber im Großen und Ganzen bin ich mit dem Kauf sehr zufrieden.

Der unschlagbare Preis im Segment der (D)SLR-Gehäuse macht die BlueboxX insbesondere für Ein- und Umsteiger interessant, da gerade am Anfang ohnehin schon viel Geld für die Ausrüstung anfällt. Die BlueboxX erweist sich auf jeden Fall im Kaltwasser schon mal als Praxistauglich. Jetzt bin ich natürlich schon gespannt, wie sich der Einsatz bei "lohnenden Zielen" gestaltet und freue mich schon drauf, die Potenziale des neuen Systems weiter zu ergründen um noch mehr Eindrücke aus der Unterwasserwelt festhalten zu können.


Weitere Meldungen von Herstellern, die hier genannt wurden
Erschienen in: Testberichte
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comments

Hallo Marc,
ich habe deinen Bericht mit viel Interesse gelesen, da ich im Moment unmittelbar die Anschaffung einer DSLR mit Unterwassergehäuse für meinen nächsten Urlaub im April 2008 (Philippinen) plane.
Bislang habe ich erst einen Unterwassertest gemacht; im letzten Urlaub auf Curacao mit einer geliehenen Ixus 60 ohne Zusatzblitz - war meistenteils nicht so sehr prickelnd.

SLR-Erfahrung habe ich nur analog, mit meiner Nikon F801.

Hast du nach dem obigen Testbericht weitere positive oder negative Erlebnisse mit der Sony gemacht?
Die Sache mit dem Blitz habe ich nicht komplett verstanden - fotografierst du unter Wasser nur manuell, weil die Systeme Ikelight und Sony nicht harmonieren??
Grüße aus Hamburg
Bernd Friedrich

posted by .(JavaScript must be enabled to view this email address) on 2007/10/08 Germany

Hallo,

meinerseits zu diesem Thema noch ein letztes kurzes Statement, u.a. auch, weil ich bereits P.M.s mit Nachfragen zu den Langzeiterfahrungen mit der BlueboxX erhalten habe.

Auf Anraten meines Anwalts kann / werde ich zu diesem Produkt keinerlei Stellungnahme / Bericht etc. mehr abgeben, da dies ggf. auch rechtliche Folgen haben könnte.

Wenn einem ein Hersteller in dieser Form einen positiven Testbericht dankt, kann sich ja jeder selbst überlegen, ob er dort Kunde sein möchte.

Gruß, Marc

posted by Marc Momberg on 2007/11/25 Germany

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