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geschrieben von Jürgen Scheffler am 13.02.2007

Testbericht 45°-Winkelsucher am Hugyfot Gehäuse

Hugyfot 45 Grad Sucher

Inhalt
  1. Einführung
  2. Äußere Erscheinung und Einbau
  3. Trockengebrauch
  4. Überlegungen zur Praxis
  5. Fazit
A) Einführung
Als Fotograf, der seit über 10 Jahren mit Nikon F50 und F60 in Hugy-Gehäusen in den warmen Gewässern dieser Erde Jagd auf alles unter Wasser macht, was sicht bewegt und nicht bewegt, kam mit dem Erscheinen der Nikon D80 die Stunde der Wahrheit. Womit gemeint ist, dass ich gerade dabei bin von den „Analogen“ in das Lager der „Digitalen“ zu wechseln. Kamera und passende Objektive für die Besonderheiten der Digitalfotografie waren schnell gekauft. Beim Gehäuse sollte es natürlich wieder ein Hugy sein, einmal aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus und einfach auch weil es „so schön“ ist. So kam ich mit Andi Voeltz, deutscher Distributor für Hugyfot, in Kontakt. Gehäuseausstattung, Kauf der Zwischenringe zur Verlängerung für den vorhandenen Domport usw. waren bereits geklärt, als Andi mir dann zum Schluss netterweise das Angebot machte, den neuen Winkelsucher von Hugyfot für eine Zeit zur Ansicht zu überlassen. Das habe ich gerne angenommen, denn als Brillenträger (unter Wasser also mit in die Maske eingeklebten Gläsern) träume ich schon lange davon, endlich einmal den vollen Durchblick, wollte sagen ordentlichen Suchereinblick, zu erhalten. Aus dieser Vorgeschichte ist der folgende Testbericht entstanden, der zunächst nur erste Eindrücke und Erfahrungen vermittelt. Unter Wasser war ich mit dem Sucher noch nicht. Dies wird erst im März 2007 in philippinischen Gewässern geschehen. Anschließend werde ich ausführlich mit dem zweiten Teil des Berichtes meine Meinung zur Handhabung und zum Nutzen des 45°-Winkelsuchers an meinem Hugyfot-Gehäuse abgeben.
B) Äußere Erscheinung und Einbau
demontierter_winkelsucher So auf dem nächsten Foto zu sehen, kam der Sucher auf dem Postweg zu mir. Zuerst habe ich das typisch „Hugy-Runde“ vermisst, dann aber schnell gesehen, wie gut der Sucher sich am D80-Gehäuse macht. Überdies sollte trotz aller Betrachtungen zu Form und Schönheit die Funktionalität im Vordergrund stehen. Die Montage / Demontage der Sucheroptik, die bereits die zweite Generation bei Hugyfot darstellt, kann der Benutzer selber vornehmen und muss nicht wie bisher zu diesem Zweck sein Gehäuse zum Umrüsten in eines der Hugyfot Service-Center schicken. Dazu greift er aber in die äußere Hülle desselben ein, was der ein oder andere vielleicht als Nachteil betrachtet. Aber auch Ports und Gehäuserückwand montiert der Anwender von Unterwassergehäusen ja in der Regel selber! Der Ausbau des vorhandenen Standardsuchers und Einbau des Winkelsuchers ist eine Sache von wenigen Minuten. Hat man den Dreh erst einmal raus, ist eine Montage sogar innerhalb einer Minute vollbracht. montage_innnenansichtEin Werkzeug ist nicht zwingend erforderlich, zieht man den Gewindering, mit dem der mit einem großen O-Ring gedichtete Sucher im Inneren fixiert wird, handfest an. Die künftige Verwendung eines gerändelten Ringes wäre allerdings zu empfehlen oder alternativ die Beilage eines speziellen Werkzeuges durch den Hersteller. Wie ich von Andi hörte, wird wohl die Lösung mit dem Werkzeug von Hugyfot verfolgt. Man kann sich mit einer kleinen Spitzzange aber auch gut behelfen, falls der Ring einmal zu fest angezogen wurde (aber Vorsicht: Verkratzungsgefahr!). Zwei Metallstifte am Sucher, die in kleine vorhandene Vertiefungen der Sichtscheibe eingreifen, fixieren die Konstruktion gegen ein Verdrehen. Ansonsten geht, wie gesagt, das Ganze sehr einfach vonstatten und ist auch vom Zeitaufwand her betrachtet sehr gut geeignet, so dass man es für gelegentliche Reisetransporte schnell durchführen kann.
C) Trockengebrauch
Auffällig ist zunächst einmal, dass der Sucher deutlich in den unteren Teil der Sichtscheibe des Gehäuses ragt, die der Beurteilung der Bilder und der Menü-Bedienung dient. Was erst einmal wie ein Manko aussieht, stellt sich im Gebrauch später als wenig hinderlich heraus. Wie die nachfolgenden Fotos zeigen, ist alles eine Frage der Perspektive. Dabei bewirken wenige Grad Neigung oder eine etwas höhere Position des Gehäuses, dass das Display gut einsehbar wird. In jedem Fall hilft aber ein um 90 Grad gekipptes Gehäuse oder eine Drehung des Suchers. Damit wären wir bei einem Feature. Der Sucher lässt sich in 4 Schritten, jeweils um 90 Grad arretierend drehen. Das erspart dem Fotografen akrobatische Übungen unter Wasser, will er einmal ein hochformatiges Foto schießen oder aus Platzgründen die Kamera drehen. Die Bedienelemente des Gehäuses bleiben uneingeschränkt zugänglich. Diese Aussage trifft vielleicht nicht mit dickeren Handschuhen zu, die aber generell bei der Bedienung einer Kamera ein Handicap darstellen dürften. Zum Schluss dieses Kapitels ein paar Worte zu der für mich wichtigsten Eigenschaft des 45 Grad Suchers. Er gestattet dem Fotografen einen vollen Einblick in den Kamerasucher mit Vergrößerung, ohne mit der Maske die hintere Linse zu berühren oder mit dem Atemregler an das Gehäuse anzuschlagen. Gerade Taucher mit Sehhilfen werden diesen Vorteil zu schätzen wissen, sind sie doch sowieso schon „gehandicapt“. Nach einiger Gewöhnung wird man sicher auch den 45 Grad Winkel schätzen lernen, speziell bei Aufnahmen in Grundnähe oder gegen die Wasseroberfläche. displaysicht displaysicht ansicht_mit_gedrehtem_sucher ansicht_von_rechts ansicht_von_links
D) Überlegungen zur Praxis
Weiter will ich mich zum Thema 45 Grad an dieser Stelle aber nicht äußern, denn über Vor- und Nachteile von 45 Grad- oder 90 Grad-Einblick in den Sucher einer Kamera ist schon viel und kontrovers diskutiert worden. Meine eigenen Erfahrungen muss ich erst noch machen! Wie eingangs erwähnt, werde ich über den praktischen Gebrauch unter Wasser erst später berichten können. Ich erwarte, dass es wohl einige Übung erfordern wird, sich an den neuen Winkel bei der Bedienung der Kamera zu gewöhnen. Auf Reisen, speziell wenn der Transport im Tauchrucksack erfolgen sollte, ist die vorherige Demontage des Suchers zu empfehlen.
E) Fazit
Mit diesem Sucher bietet Hugyfot ambitionierten UW-Fotografen einen echten Mehrwert. Damit gehört die Gehäuseschmiede aus Belgien zu den wenigen Anbietern, die einen 45 Grad Sucher in ihrem Sortiment haben. Er erlaubt eine wesentlich bessere Beurteilung der Aufnahmesituation, was von Haus aus baubedingt bei DSLR mit optischem Sucher ansonsten schwierig ist. Die 45 Grad-Neigung wird in vielen, wenn nicht den meisten Aufnahme-Situationen, vom Fotografen als angenehm empfunden werden. Dass die Montage / Demontage einen Eingriff in die Gehäuse-Außenhaut erfordert, mag unter Umständen als Nachteil gesehen werden. Durch sorgfältiges Vorgehen bei der (De)Montage wird dieser Punkt aber eher nebensächlich. Die etwas kantige Erscheinung ist ein rein ästhetischer Punkt. Solche geschmacklichen Fragen werden von Haus aus unterschiedlich beurteilt. Und streiten lässt sich über Geschmack ja ohnehin trefflich! Die nach unten ragende Bauform stellt bei genauerer Betrachtung keinen spürbaren Nachteil dar. Nach meiner Reise und damit verbundenen ausgiebigen praktischen Tests werde ich an dieser Stelle weiter berichten.


Anmerkung der Redaktion: Bei allen von Hugyfot ausgelieferten 45 Grad Suchern wird dieses Montagewerkzeug inzwischen beigelegt, bedankt euch bei Jürgen für diesen Verbesserungsvorschlag.


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Erschienen in: Testberichte | UW-Fotografie


Kommentare

Hi,
soviel ich weiß wird dieser Sucher von der Firma INON gebaut, die Bezeichnung Hugy Winkelsucher daher irreführend. Mich würde der Durchmesser des Gewindes interessieren und ob dieser Sucher auch auf andere Gehäuse wie z.B. Olympus passt.

geschrieben von Wolfgang Assl am 13.02.2007 Sweden

Ja, es ist richtig, dass der Sucher im Kern von INON gebaut wird. Er wurde meines Wissens aber von Hugyfot an die eigenen Gehäuse (auch für Olympus) angepasst und ist insofern ein Hugyfot-Produkt (Branding).
Ob der Sucher zufällig an Gehäuse anderer Hersteller passt, kann ich nicht sagen. Zumindestens ließen sie sich anpassen. Der notwendige Durchmesser der Öffnung müsste etwa 3,5 cm betragen. Das genaue Maß und Details möchte ich aber nicht weitergeben; sie wären direkt mit Hugyfot zu besprechen.

geschrieben von Jürgen Scheffler am 15.02.2007 Germany

Also ich habe den Titel vom Artikel mal auf "am Hugyfot Gehäuse" geändert um es ein wenig zu relativieren.

Hugyfot und andere Hersteller nehmen war, dass viele User nach dieser Lösung auch für ihr (nicht Hugyfot-) Gehäuse suchen. Die aktuelle Information, die mir dazu vorliegt lautet allerdings das der Sucher nicht einzeln zu beziehen ist und der OEM-Hersteller jeweils bei INON einen Vertrag unterschreiben muss, das Sie den Sucher nur jeweils an ihre eigenen Gehäuse verbauen und die Teile nicht lose im Markt rumfliegen.

Dein Vorhaben Wolfgang wird also schwer und das Ergebnis bleibt abzuwarten. Die Hersteller anders herum möchten natürlich auch mit dem potentiellem Mehrwert "Sucher" neue Kunden an ihre Gehäusemarke binden und haben in der Regel kein Interesse daran dieses Feature bei Fremdgehäusen nachzurüsten.

PS: Diskutiert dazu doch mal in unserem Forum weiter

geschrieben von Andreas Voeltz am 15.02.2007 Germany

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