Einleitung
Das Top Dawg II Unterwassergehäuse stammt aus den USA wo es von der Firma Light & Motion mit
Sitz in Monterey Kalifornien hergestellt wird. Ganz unbekannt ist uns das Gehäuse nicht,
einige unter uns kennen es bereits unter dem Namen „Stingray“ unter dem es in den
USA vertrieben wird.
Das Top Dawg Gehäuse wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz von der Firma Hydronalin
e.K. mit Sitz in Berlin vertrieben. Hier wird auch der sehr weit
reichende Service direkt geleistet.
Gehäuse und Technik
Das Gehäuse ist aus massivem Aluminium gefräst und Rohrförmig ausgelegt, wobei gleich mehrere
Profilfräsungen dem Gehäuse ausreichend Stabilität verleihen. Sehr gut ist die Camcordermontage
gelöst. Die lange Montageschiene bietet durch ihre vielen Bohrungen schnell den passenden Sitz
für eine Vielzahl von Camcordern. Die Montageschiene läuft im Gehäuse in einem Profil und
arretiert sobald der Schlitten die vordere Feder berührt. Der Camcorder bekommt so einen
sicheren Sitz. Das Top Dawg Gehäuse kann man als echtes „Universalgehäuse“ bezeichnen,
denn es kann mit mehr als einhundert verschiedenen Camcordern genutzt werden. Wir werden
also bei der Anschaffung des Top Dawg nicht gleich gezwungen, uns einen neuen Camcorder
anzuschaffen. Auf der Website von Hydronalin kann man im Internet unter
http://www.topdawgvideo.de
eine ausführliche Liste downloaden, die alle zurzeit unterstützten Camcorder auflistet.
Schnörkellos und funktionell – genau richtig für Taucher
Der integrierte, oben angebrachte Doppelgriff sorgt durch seine beiden ergonomischen Handgriffe
für ein leichtes Handling und lässt das Gehäuse „gut in der Hand liegen“.
Die vier Steuertasten sind jeweils in Zweiergruppen links und rechts seitlich am Gehäusekörper
angeordnet und können bequem mit Finger und/oder Daumen erreicht werden. Hier liegt eine Besonderheit
des Top Dawg Gehäuses versteckt. Die Bedientasten liegen nur in einer Führung außen am Gehäuse auf
und kommunizieren jeweils mit einer kleinen Elektronikplatine im inneren des Gehäuses via Magnetschalter.
Es gibt also keine Bohrungen für die Tasten, durch die Wasser eindringen könnte. Zudem lassen sich die
beiden kleinen Platinen im inneren leicht demontieren, weil diese auch nur „lose“ in einer
Führungsschiene laufen. Eine wirklich geniale Idee, die zum einen ein hohes Maß an Sicherheit bietet
und zum anderen leichten Zugriff auf die verwendeten Elektronikplatinen zulässt. Das Top Dawg II
Gehäuse ist mit seiner Steuerelektronik für LANC-kompatible Camcorder von Sony und Canon ausgelegt.
Die flache Frontscheibe aus Acryl sitzt in einer massiven Aluminiumeinfassung, die fest am Gehäusekörper
befestigt ist. An der Gehäusefront befindet sich auch die Taste zum Einschalten des Camcorders. Die
abnehmbare Gehäuserückwand verfügt über ein Sichtfenster, mit
dem der Einblick in den Sucher des Camcorders möglich ist. Wer es professionell haben möchte, gönnt
seinem Top Dawg gleich dass optional erhältliche Monitor-Back. Diese Rückwand wird einfach anstelle der
normalen Gehäuse-Rückwand verwendet und bietet einen batteriebetriebenen 2,5 Zoll Farbbildschirm zur
direkten Kontrolle der Videoaufnahmen. Das Top Dawg II Gehäuse wird zusätzlich mit einer
vollständigen Beleuchtungsanlage - auf die wir gleich zu sprechen kommen - und einem Peli Reise-Schutzkoffer
ausgeliefert und hebt sich durch diese „Vollausstattung“ merklich von den Angeboten anderer
Hersteller ab.
Handling und Pflege
Bedienfreundliche Anordnung der Schalter
Der Umgang mit dem Top Dawg gestaltet sich einfach und
unkompliziert und bietet auch Einsteigern die Möglichkeit, schnell
zu guten Filmergebnissen zu kommen.
Die leicht zu bedienenden Funktionstasten für die Funktionen
(Umschalten Foto/Video, Start-/Stop, Zoom, manuell/autofocus, sowie
Focus Lock) können beiderseits bedient werden, ohne die laufende
Aufnahme zu verwackeln, was für uns beim Unterwasserfilmen ja ganz
besonders wichtig ist.
Führungssystem im Gehäusedeckel und der Montageplatte
Dank des benutzerfreundlichen Schnellverschlusses und der im
Kameraschlitten enthaltenen Führung für den rückwärtigen
Gehäusedeckel, ist das Öffnen und Schließen des Gehäuses sehr
einfach. Der Gehäusedeckel verfügt zudem gleich über zwei O-Ringe,
die mit ihrer doppelten Auslegung natürlich für mehr Sicherheit bei
der Dichtigkeit des Gehäuses sorgen. Abgesehen von der
obligatorischen „peniblen“ O-Ringpflege, die uns Unterwasserfilmern
ja schnell in Fleisch und Blut übergeht, verlangt uns das Top Dawg
Gehäuse nicht viel Mühe ab. Die verarbeiteten Materialien sind
allesamt seewasserfest. Gutes Nachspülen in Süßwasser und eine
ausgiebige Lufttrocknung bei Zimmertemperatur sorgen für ein langes
Gehäuseleben.
Zu empfehlen ist hier die optional erhältliche Frontport-
Schutzkappe, die dafür sorgt, dass der Frontscheibe nichts passieren
kann. Das Top Dawg II wird mit einem Pflege-Kit für die Dichtungen
am Gehäuse und einem zusätzlichen Pflege-Kit für die Dichtungen an
der Beleuchtungsanlage ausgeliefert. Jeweils bestehend aus
Ersatz-O-Ringen und Siliconfett. Dank des geräumigen und gut
angepassten Peli-Reisekoffers findet alles einen sicheren Platz für
die Reise. Besser kann man sich kaum vorbereiten. Insgesamt bringt
der Reisekoffer mit allen Top Dawg II Komponenten dann 9,8 Kg auf
die Waage.
Das Beleuchtungssystem
Wie schon angesprochen, wird das Top Dawg II zusammen mit dem Mini
Classic-Scheinwerfersystem aus dem Hause Light & Motion
ausgeliefert. Die beiden Strahler sind jeweils mit einem 20 Watt
7,2 V Halogenstrahler ausgestattet.
Der von uns selbst bestimmte 120 Grad umfassende Wirkungswinkel
der Strahler ist leider durch den Hersteller angegeben, wobei man sich
dafür wirklich nicht schämen muss. Die beiden Strahler bieten einen
angenehm weichen Lichtkegel, der sich sehr gut übergangslos
überlappen lässt. Mit einer Brennzeit von 50 bis 90 Minuten bietet das
Beleuchtungssystem eine sehr gute Ausleuchtung der direkten
Umgebung. Besonders im Nah- und Makrobereich erweisen sich die
Leuchten als sehr effektiv. Montiert werden die Leuchten auf zwei
mitgelieferten Flexiarmen, die jeweils links und rechts direkt über den
Handgriffen angebracht werden. Die
leichte Verstellbarkeit erlaubt auch ein schnelles nach justieren
unter Wasser. Jede Lampe verfügt über ihren eigenen Akku, der unter
dem Top Dawg II in einer Führungsschiene sicheren Halt findet und
dabei hilft, das Gehäuse zu tarieren. Das mitgelieferte Ladegerät
benötigt ca. 4.5 Stunden, um einen ganz leeren Akku wieder aufzuladen.
Für beide Akkus werden so knapp neun Stunden benötigt, sicher ein
Grund dafür, warum dieses Ladegerät vom Hersteller auch als
„Overnight Charger“ bezeichnet wird. Das Schnellladegerät benötigt
ca. 75 Minuten für einen Akku. Leider kann immer nur ein Akku
aufgeladen werden, wodurch die Ladezeit für beide Akkus sich dann
bei 2,5 Stunden einpendelt. Man kann also in einer ausgedehnten
Oberflächen-Mittagspause beide Akkus wieder vollständig aufladen.
Die verwendeten Akkus sind laut Hersteller zudem auch frei von
Memory-Effekten. Das Beleuchtungssystem zeichnet sich durch seine
Kompaktheit und sein Leistungspotential aus. Für Nah- und
Makroaufnahmen ist das Licht sogar ausgezeichnet, größere Bereiche
werden wegen der insgesamt 40 Watt Lichtleistung nicht voll
ausgeleuchtet, aber das wäre für dieses Lichtsystem auch etwas
zuviel verlangt.
Unterwasser
Je nach verwendetem Camcorder und Batterie ist das Top Dawg II
Gehäuse neutral tariert bzw. entwickelt ganz leichten Auftrieb. Die
Sicherung des Gehäuses erfolgt durch die Anbringung einer kleinen
Sicherungsschlaufe an einem der beiden Handgriffe. In Verbindung
mit einem Spiralkabel ist das Gehäuse so optimal am Taucher
gesichert. Durch die Röhrenform nimmt das Gehäuse gleich eine
angenehme Lage im Wasser ein und ist durch die beiden zentralen
Handgriffe gut zu kontrollieren.
Die beiden Leuchtenarme fallen unter Wasser gar nicht ins Gewicht.
Hier haben die Entwickler durch die Anordnung von Griffen und
Leuchtenhalterung ein wirklich gut zu hand habendes Gehäuse
geschaffen.
Leicht zu handhaben Top Dawg II
Durch die Montage der Leuchtenakkus an der Unterseite des Gehäuses
verlagert sich der Schwerpunkt weiter nach unten, wodurch das
Gehäuse eine ruhige Lage im Wasser erhält. Insgesamt macht das
Gehäuse einen sehr ausgeglichenen Eindruck. Gehäusegröße und die
beiden Flexiarme für die Beleuchtung passen sehr gut zusammen und
wirken dabei nicht so bullig oder weit ausholend, wie andere
Gehäuse. Wer über den Sucher seines Camcorders filmt, wird das
Fenster an der Rückwand des Gehäuses relativ nahe an seine
Tauchmaske führen müssen, um alles im Blick zu behalten. Durch das
Fenster in der Rückwand kann je nach Sonnenstand und Blickwinkel
allerdings Streulicht ins Gehäuse einfallen, was unter Umständen zu
Reflektionen an der Frontscheibe führt.
Ohne Streulicht funktioniert das Filmen mit der optional
erhältlichen Monitorrückwand. Der 2,5 Zoll große TFT-Monitor
bietet eine gute Übersicht. Dank des Blendschutzes entfallen
störende Reflektionen auf dem Display. Gespeist wird der Monitor
über vier Mignon 1,5 V Batterien, die Betriebszeit liegt zwischen
50 und 70 Minuten. Verwendet man hochwertige Mignon Akkus, können
die Laufzeiten in warmen Wasser auch einmal länger ausfallen. Die
in der Rückwand bereits eingebaute LED-Anzeige dient bei anderen
Gehäusen der Marke Stingray für den Leckwarner, den das Top Dawg II
Gehäuse leider nicht in der Grundausstattung bietet. Nach Angaben
des Distributors in Berlin, ist eine Nachrüstung aber möglich.
Aufnahmen
Alles im Blick
Das Top Dawg II ist für Anfänger/Einsteiger und Profis
gleichermaßen geeignet. Das Handling ist ausgesprochen einfach und
die Bedienelemente bieten den direkten Zugriff auf eine Vielzahl
von Camcorderfunktionen. Bei meinem Test habe ich das Gehäuse mit
der SONY HC7E getestet. Es gab bei keinem der gemachten Tauchgänge
irgendwelche Störungen oder Ausfälle. Selbst das Umgreifen an den
Handgriffen viel relativ leise aus, berücksichtigt man, das hier
schnell Geräusche durch das Umgreifen entstehen, die der Camcorder
gerne aufzeichnet.
Verarbeitung
Die Verarbeitung aller Bauteile ist durchgehend erstklassig. Ich
habe den Top Dawg II selber soweit wie möglich demontiert und mich
von der sauberen Verarbeitung und der einwandfreien Funktion der
Teile untereinander überzeugt. Anders als bei einigen anderen
Herstellern wird das Gehäuse nicht durch Spanverschlüsse gesichert,
sondern durch einen Drehverschluss und auch die doppelten O-Ringe
an der Rückwand erhöhen die Dichtigkeit des Systems. Durch die
gewählten Werkstoffe macht das Gehäuse einen sehr robusten und
trotzdem leichten Eindruck.
Wer sein Top Dawg II vor großen/wichtigen Filmprojekten (oder vor
dem Urlaub) so richtig einsatzbereit machen möchte, kann das auch
durch die Firma Hydronalin in Berlin machen lassen. Der
Checkup-Service bietet eine Art „Inspektion“ für das Gehäuse, bei
dem die wichtigsten Funktionen geprüft werden. So vorbereitet kann
das nächste Filmprojekt kommen.
Zusammenfassung
Das Top Dawg II Gehäuse ist eines der besten kompakten
Unterwassergehäuse, die es zurzeit auf dem Markt gibt. Verarbeitung
und Funktion sind erstklassig und lassen keinerlei Wünsche
offen. Das Preisleistungsverhältnis ist ausgehend vom geringen
Grundpreis von derzeit 899,- Euro sehr gut. Die Ausstattung des
hier beschriebenen
Komplettsystems ist inklusive Beleuchtungsanlage
und Schutzkoffer für knappe 1825,- Euro ein echter Preistipp. Bei
manch anderem Hersteller erhält man für dieses Geld gerade einmal
das nackte Gehäuse. Da lohnt sich die Überlegung, gleich 599,-
Euro mehr für die Videorückwand auszugeben und das System so
richtig zu vervollständigen. Das Komplettsystem beinhaltet nicht
nur alle Komponenten, die wir zum Filmen unter Wasser benötigen, es
macht auch den Transport einfach und bequem, was für uns
weitgereisten Taucher ja sehr wichtig ist. Ich kann Einsteigern und
Profis gleichermaßen das Top Dawg II Gehäuse mit bestem Gewissen
empfehlen.
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