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posted by Detlef Randerath on 2007/06/20

U/W-Videoschule #10 :: Unterwasseraufnahmen richtig planen und vorbereiten

Unterwasseraufnahmen richtig planen
In diesem Artikel geht es um die richtige Vorbereitung und Planung für ein Filmprojekt. Nicht immer kann man auf sein Glück vertrauen, dass der richtige Fisch gleich wie gewünscht an der Kamera vorbeischwimmt. Wer sich nicht nur auf sein Glück verlässt, bereitet sich und seine Ausrüstung entsprechend für die Filmaufnahmen vor.
Von Detlef Randerath
Die Natur kennt keine Regeln
Wer es selber schon einmal versucht hat, der kennt das Problem, obwohl der Fisch, den man jetzt endlich filmen möchte, schon zehn mal an der gewohnten Stelle gesichtet wurde, ist er an dem Tag, an dem wir unsere Filmausrüstung dabei haben, nicht da. Trotz guter Vorbereitung kann es vorkommen, dass wir "nicht" die Bilder oder Filmaufnahmen machen können, für die wir eigentlich gekommen sind. Die Natur kennt keine Regeln und das merkt man ganz besonders bei Unterwasseraufnahmen. Durch solche Rückschläge lassen wir uns aber nicht beeindrucken und gehen aus diesem Grund bei unseren Vorbereitungen und der Planung für die nächsten Filmaufnahmen noch genauer und sorgfältiger vor. Eine gute Vorbereitung verbessert nicht nur die Chancen für gute Aufnahmen, sie minimiert auch die Risiken für Taucher und Equipment.
Planvolle Vorbereitung
Im Bereich der Filmausrüstung haben wir in den letzten Workshops gehört und gesehen, was man alles braucht, um gute Aufnahmen unter Wasser machen zu können. Eine gut gepflegte und einsatzbereite Ausrüstung ist die Grundvoraussetzung für unser Filmvorhaben. Aber haben wir auch an eine Redundanz gedacht? Wer nur mit einem Camcorder unterwegs ist muss sich natürlich nicht wundern, wenn das Filmprojekt sofort sein Ende findet, sollte diesem einen Camcorder etwas unvorhergesehenes zustoßen. Da schafft nur ein Reserve-Camcorder Abhilfe. Das geht dann auch gleich so richtig ins Geld. Wir sind ja schon stolz einen guten Camcorder zu besitzen, da sollen es plötzlich dann zwei sein? Wer nur für den Spaß an der Freude und für sich selber filmt, wird so eine Absicherung sicher nicht treffen, aber wer zum Beispiel einen kleinen Auftragsfilm machen soll, ist gut beraten, wenn die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände doppelt ausgelegt sind.

Nicht erst auf den letzten Drücker fertig machen. Wer sich in Ruhe und ohne Hektik zum Filmen ins Wasser begeben möchte, der bereitet seine Ausrüstung vorzeitig auf den Tauchgang vor. Auf einer rutschfesten Unterlage kann auch auf dem Tauchschiff dann nicht mehr viel schief gehen.
Von manchen Ausrüstungsgegenständen kann man einfach nicht genug haben. So hatten wir bei unserem letzten Filmprojekt im Roten Meer auch gleich zwei komplette Filmsysteme und zwei Gehäuse dabei. Beim Filmlicht ging es noch weiter. Drei komplette Lichtsysteme sorgten dafür, dass nichts im Dunkeln verborgen blieb. Fernab der Heimat können schon die simpelsten Gegenstände das Aus für unser Projekt bedeuten, wenn man diese nicht schnell ersetzen kann. Aus diesem Grund sollte man besonders bei "bezahlbaren" Ausrüstungsgegenständen sorgfältig prüfen, ob sich eine doppelte oder gar dreifache Auslegung bezahlen lässt. Ganz gleich - ob es sich um billige Halogenleuchten für die Lichtanlage oder teure Akkus für den Camcorder handelt - gehen sie kaputt, bedeutet das oft das Ende aller Filmaufnahmen.

Noch ein Tipp zum Thema Vorbereitung des Camcorders. Nicht selten versagen diese in dem Moment, in dem man sie in ein UW-Gehäuse packt. Aus diesem Grund mache ich nachdem der Camcorder im Gehäuse ist, ein paar Probeszenen bevor es losgeht. Dabei verlasse ich mich nicht blind auf das System. Nachdem ich alle Funktionen getestet habe, spule ich den Film zurück und schaue mir an, was ich gefilmt habe. Dabei kann ich auch gleich testen, ob der Camcorder tatsächlich aufzeichnet und ob es dabei eventuell Probleme gibt. Erst nach diesem Test wird das Gehäuse geschlossen.
Der richtige Tauchplatz zur richtigen Zeit
Wer auf eigene Faust ins Wasser springt und glaubt, auf der Basis der vielen Aussagen, die man in Magazinen und Büchern lesen kann, die richtigen Tauchplätze zu kennen, wird enttäuscht werden. Nur mit viel Ortskenntnis und Gespür für besondere Tauchplätze findet man die Stellen im Meer, an denen sich das Filmen (und Fotografieren) wirklich lohnt.


Tauchguides kennen ihre Reviere wie ihre Westentasche. Wer ihr Vertrauen erwirbt, wird mit dem Besuch guter Tauchplätzen belohnt. Für unsere Filmprojekte ist es wichtig, dass wir auch die Fische finden, die wir filmen möchte. Der Guide ist der Schlüssel zum Erfolg.
Tauchguides verbringen oft mehrere Jahre an einem Standort, bevor es sie in andere Gefilde zieht. Dabei haben die Guides eine extrem gute Ortskenntnis und wissen, wo man welchen Fisch leicht finden kann. Aus diesem Grund sollte man versuchen, das Vertrauen der Guides zu erlangen. Das spart viel Zeit und aufwendige Tauchgänge. Wer sich als guter und umweltbewusster Taucher auszeichnet, wird sicher schnell zu den lohnenden Tauchspots eingeladen.
br /> Der Richtige Platz zur richtigen Zeit ist schon einmal die halbe Miete für unseren Film. Jetzt heißt es, den Tauchplatz kennen lernen. Es gibt für einen Taucher sicher nichts schöneres, als ein bis zwei vorbereitende Tauchgänge an einem schönen Tauchplatz zu machen. Das sollten wir auch unbedingt machen. Wer mag, kann natürlich auch gleich beim ersten Tauchgang die Filmausrüstung mitnehmen und eine kleine Dokumentation machen, die man dann anschließend zur Vorbereitung der eigentlichen Filmtauchgänge verwenden kann. So lassen sich Standorte und mögliche Bildausschnitte schon vorab festlegen. Man kann auch einen Guide bitten, eine kleine Karte zum Tauchplatz zu zeichnen. Das gehört bei den Guides zur täglichen Arbeit und wir erhalten eine ausgezeichnete Basis für unsere Vorbereitungen.
Was man nicht planen kann…
Bei unseren Filmtauchgängen begeben wir uns in eine Umgebung, die wir Menschen nicht steuern oder lenken können. Die Weltmeere lassen sich nicht in dem Masse steuern, wie wir es von Filmaufnahmen an Land gewohnt sind. Schon eine simple Temperaturschwankung von wenigen Grad, kann ein ganzes Filmprojekt lahm legen, weil die Fische die wir filmen wollen aus diesem Grund ihren Standort gewechselt haben. Auch der Wind kann uns in die Quere kommen. Oft ist starker Wind mit kräftigem Seegang verbunden, der unsere Seetauglichkeit auf die Probe stellt. Der Seegang wiederum kann das Wasser trüben und tief hängende Wolkendecken nehmen uns das Licht, das wir so dringend benötigen. Also kommt es auch darauf an, die richtige Jahreszeit zu erwischen. Besonders für gezielte Tieraufnahmen kommt man nicht umhin, die Lebensgewohnheiten der Tiere zu studieren und daraus den richtigen Zeitraum für die Filmaufnahmen abzuleiten. Das kann dann schnell ein paar Wochen Vorbereitungszeit in Anspruch nehmen, denn auch die Reise und der Urlaub für unser Filmprojekt will beizeiten gebucht bzw. eingereicht werden.

Nur wer sich mit den Individuen - die er filmen möchte - auseinander setzt, wird beeindruckende Filmaufnahmen machen. Wer zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle ist, wird für seine Mühen belohnt. Das ist der Lohn für eine gute Planung und Vorbereitung.
Im Gegensatz zu Filmaufnahmen an Land können wir das Wort "Drehbuch" bei unter Wasser Filmaufnahmen getrost vergessen. Diejenigen, die soweit kommen, um ein Drehbuch unter Wasser um zu setzen, kommen aus Hollywood und verfügen über mehr Budget und Zeit als wir es je tun werden. Davon lassen wir uns aber nicht entmutigen. Auch wir planen unsere Szenen, denn unser Film soll ja im besten Fall auch eine Geschichte erzählen können. Dafür machen wir uns eine Szenenübersicht. Hier halten wir tabellarisch fest, was in jeder einzelnen Szene zusehen sein soll. Hier sollten wir uns auf unsere Erfahrung verlassen und keine allzu hohen Ansprüche stellen, denn das was unter Wasser passiert, lässt sich von uns bekanntlich nicht steuern. Es kommt bei unseren Aufnahmen später beim Schnitt darauf an, das unsere Szenen lang genug sind, zu kurze Szenen kann man eigentlich nie verwenden. Ausnahmen sind da eigentlich nur schnell geschnittene Trailer-Filme, die als Eyecandy verwendet werden, um die Zuschauer zu locken. Wir filmen also lange Szenen – immer nach dem Motto – abschneiden geht gut – dran kleben gar nicht.

Da wir unter Wasser mehr als zwei Hände voll zu tun haben, sollten wir uns bei der Szenenübersicht nicht auf unsere grauen Zellen verlassen. Schnell sind ein zwei wichtige Szenen vergessen worden und unserem Film fehlt es an Substanz. Also drucken wir unsere Szenenliste in schön großen Lettern aus und laminieren diesen Ausdruck wasserfest im nächsten Kopieshop. Das machen wir natürlich alles noch vor der Abreise während unserer Vorbereitungen, denn wasserfest laminieren kann man im Ausland noch lange nicht in jedem Kopieshop!
Der Supergau
Zum Abschluss dieses Artikels möchte ich noch ein leidiges Thema ansprechen, das niemand gerne hören/lesen möchte. Das ist genau der Fall, der für uns Unterwasserfilmer der Alptraum schlecht hin ist – der Wassereinbruch. Die hochmodernen Camcorder von heute erbringen atemberaubende Leistungen, aber wehe ein Schluck Salzwasser kommt an die Geräte. Wenn es denn dann nur ein Schluck gewesen ist, hätten wir ja noch eine Chance, aber wird das Filmgehäuse voll geflutet, dann ist die Not groß. Zu 99,9% ist der betroffene Camcorder dann nur noch ein Fall für den Schrott. Wohl dem, der früh auch an diesen bösen Vorbereitungspunkt gedacht hat und seine Ausrüstung versichert hat.

Ja es gibt Sie, die Geräteversicherung – aber nur ganz wenige Versicherungsgesellschaften lassen sich auf eine Unterwasser oder Campingnutzung ein, ohne dass es uns gleich ein Vermögen für die Versicherungsprämie kostet. Meine Ausrüstung ist versichert. Die Prämie ist dabei für ein Jahr so gering, dass ich mir dafür nicht einmal einen neuen Makrovorsatz kaufen könnte. Ich gehe trotzdem nach wie vor mit äußerster Sorgfalt an die Vorbereitungen für jeden Tauchgang, denn auch wenn ich sicher bin, dass meine Ausrüstung versichert ist, passiert im Urlaub etwas, ist es mit den Filmaufnahmen gleich vorbei. Das bedeutet, dass auch die mühevollen Vorbereitungen und Planungen, in die ich Wochen und Monate investiert habe, umsonst waren. Also kein unnötiges Risiko eingehen.

Ich kann es wirklich jedem nur dringend ans Herz legen, seine Ausrüstung zu versichern. Nicht nur für den Fall das unter Wasser etwas passiert. So gutes und teueres Equipment wird auch einmal schnell die Beute von Dieben, auch dieser Fall ist durch eine Versicherung in der Regel abgedeckt.
Fazit
Wer unvorbereitet einen Film drehen möchte, verlässt sich auf sein Glück. Das kann gut gehen, muss es aber nicht. Aus diesem Grund empfiehlt es sich ein Filmprojekt vorzubereiten. Die Planung des Filminhaltes mündet in unserer Szenenliste, die der Bauplan für unseren Film ist. Eine gut gepflegte und vollständige Tauchausrüstung ermöglicht es uns, sichere Tauchgänge zu absolvieren und eine umfangreiche Filmausrüstung erlaubt es uns, unseren Film wie gewünscht aufzunehmen. Damit das alles zu einem guten Ergebnis führt, studieren wir die Tiere und Orte, die wir filmen möchten und planen unseren UW-Film-Urlaub entsprechend weitläufig voraus. So wie wir uns durch Fitnesstraining und möglicherweise durch Impfungen auf den Auslandsaufenthalt vorbereiten, gehen wir auch mit unserer Filmausrüstung um und versichern das, was uns lieb und teuer ist. So vorbereitet stehen die Chancen gut, dass wir die gewünschten Filmaufnahmen mit nach Hause bringen.
Vorschau Artikel #11
In unserem nächsten Artikel geht es um den "Transport der Filmausrüstung". Soll die Kamera ins Handgepäck? Das Gehäuse in den normalen Koffer oder braucht man separate Transportboxen für die Ausrüstung? Was kann mit ins Flugzeug und was könnte bei der Abfertigung problematisch werden. Wir erklären, wie sie ihre Filmausrüstung richtig vorbereiten.


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