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posted by Detlef Randerath on 2007/09/02

U/W-Videoschule #13 :: Makroaufnahmen

Videoschule: Makroaufnahmen
In diesem Artikel geht es um das Thema "Makroaufnahmen". Besonders in den tropischen Meeren gibt es sehr viele kleine Lebewesen zu entdecken, aber auch in heimischen Seen werden wir fündig. Hier tut sich vor uns ein vollkommen neues Universum auf, das von uns bislang unbeachtet sein Dasein fristete. Hier bietet sich eine Fülle von Filmideen im Hosentaschenformat. Wir erklären worauf es ankommt, um auch mit Makrofilmen ganz groß raus zu kommen.
Von Detlef Randerath
Klein aber fein

Makrovorsatz
Das Wort "Makro" stammt aus dem griechischen und bedeutet "groß". Ziel unserer Makroaufnahmen ist es also – kleine Dinge ganz groß darzustellen!
Lassen sie mich hier gleich eingangs dieses Artikels kurz etwas klarstellen, damit es nicht zu Missverständnissen kommen kann. Das was wir hier im Videobereich als Makrobereich besprechen, würde bei den Unterwasserfotografen allenfalls als "Nahbereich" durchgehen. Warum das? Werden Sie jetzt denken, lassen sie mich das kurz erklären.

Im Gegensatz zu den modernen Digitalkameras der Fotografen verfügen unsere Camcorder nicht über die Möglichkeit Wechselobjektive einzusetzen. Die meisten Camcorder verfügen über Objektive, die eher für den Zoombereich ausgelegt sind, als für Makroaufnahmen. Das bedeutet, dass wir immer einen gewissen "Mindestabstand" einhalten müssen, um überhaupt noch fokussieren zu können. Dadurch bekommen wir echte Makroaufnahmen mit "Bordmitteln" nicht hin. Da wir keine echten Makroobjektive verwenden können, müssen wir auf so genannte Makrovorsätze zurückgreifen. Makrovorsätze sind zwar kein vollwertiger Ersatz für ein hochqualitatives Makroobjektiv, aber sie helfen uns näher an unsere Filmobjekte heran zu kommen. So können wir aus dem Nahbereich in den Makrobereich vorstoßen. Dieser Vorsatz hier hat eine Brennweite von 33 Zentimetern. Man spricht übrigens erst dann von Makroaufnahmen, wenn das abgebildete Objekt mindestens 1:1 in seiner Größe abgebildet wird.


Bei Makroaufnahmen können wir uns nicht an unsere Darsteller "heranzoomen". Hier müssen wir uns langsam heranpirschen, um bei den relativ kurzen Brennweiten der Vorsätze zu scharfen Aufnahmen zu kommen.
Bei der Verwendung von Vorsätzen stehen wir dann wieder vor einer neuen Herausforderung. Passt der Vorsatz mit in unser Gehäuse? Es gibt einige Hersteller, die "kurze" Versionen ihrer Gehäuse anbieten. Das kann den Vorteil haben, dass sich diese Gehäuse leichter transportieren lassen, aber ein paar Zentimeter weniger können hier schon entscheidend sein. Zwar nehmen die Makrovorsätze auch nicht so viel Platz in Anspruch, wie zum Beispiel Weitwinkelvorsätze, aber ein paar Zentimeter Platz benötigen sie schon. In jedem Fall muss der Camcorder im Gehäuse etwas nach hinten versetzt werden. Auch hier achten wir darauf, nach der Montage des Vorsatzes am Camcorder, dass dieser wieder so nah wie möglich an die Frontscheibe des Gehäuses montiert wird. Hier zählt jeder Millimeter, denn die Brennweite des Makrovorsatzes entscheidet darüber, wie nah wir an unsere Darsteller ran müssen.


Es müssen nicht immer die Tropen sein! Auch in unseren heimischen Seen finden wir viele Käfer, Schnecken und Kleinfische, die sich für Makroaufnahmen eignen.
Zu den schwierigsten Aufgaben gehört sicher das Filmen kleiner Fische. Kein Fisch mag es, wenn man sich ihm so extrem annähert, wie wir es bei unseren Makroaufnahmen tun. Aus diesem Grund müssen wir uns extrem langsam bewegen können. Hier sind unsere taucherischen Fähigkeiten gefordert. Aber nicht nur unsere, auch unser Buddy sollte Ruhe bewahren, wenn er als Beleuchter bei den Aufnahmen aktiv helfen sollte.

Makroaufnahmen verlangen von uns ein gutes Auge. Wer sich in diesem Bereich betätigen möchte wird feststellen, dass man gar nicht soweit tauchen muss als sonst, um beeindruckende Aufnahmen machen zu können. Wir suchen also Riffblöcke ganz genau ab und lassen uns Zeit dabei. Wer hektisch um ein Riff paddelt vertreibt alles was es zu filmen gibt, schon bei seiner Annäherung. Besonders kleine Fischarten brauchen etwas Gewöhnungszeit, um sich an uns und unsere vielfältigen Geräusche zu gewöhnen, bevor sie sich gut filmen lassen. Bei Schnecken und Muscheln und anderen lokal gebundenen Lebewesen haben wir nicht das Problem, dass unsere Darsteller schnell flüchten können. Dennoch sollten wir auch hier ruhig und langsam vorgehen. Wer eine filtrierende Muschel filmen möchte, darf auch diese nicht verschrecken.


Gorillapod
Bei extrem statischen Aufnahmen empfiehlt sich die Verwendung eines Stativs. Obwohl die Nutzung von Stativen immer wieder kontrovers diskutiert wird, ist die Nutzung doch sinnvoll. Die Aufnahmen erhalten mehr Ruhe und es fällt dem Betrachter leichter, Feinheiten in den Aufnahmen besser zu erkennen. Wer ein Stativ einsetzen möchte, sollte nur darauf achten, dass bei der Nutzung keine Beschädigungen an den Riffen entstehen. Die Auswahl des richtigen Stativs setzt einiges an Ortskenntnis voraus. Nur selten benötigen wir für Makroaufnahmen langbeinige Stative mit ausfahrbaren Beinsegmenten. In den meisten Fällen reicht ein kleines Stativ vollkommen aus, um dem Gehäuse sichern Halt zu geben. Das "Gorillapod" Stativ hat sich bei Unterwassereinsätzen bewährt. Die flexiblen Beine lassen eine individuelle Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten zu. Die hier gezeigte Variante kann bis zu 3 kg Gewicht tragen. Wenn wir unser Gehäuse richtig tariert haben, sollte nicht mehr als 1 kg Gewicht auf dem Stativ ruhen.
Besonders nach dem Tauchgang müssen wir uns aber um unser Stativ kümmern. Das Gorillapod-Stativ mag keine Salzablagerungen, deshalb sollten wir es ausgiebig in Süßwasser spülen und im Schatten trocknen lassen. Nur so behält es seine Flexibilität und lässt sich auch unter Wasser wieder leicht handhaben.


Das Light & Motion Lichtsystem, wie es zum Beispiel auch mit dem Top Dawg Gehäuse ausgeliefert wird, reicht für Makroaufnahmen vollständig aus. Im extremen Makrobereich kann man dank der dimbaren Leuchtenköpfe das Licht sogar optimal anpassen.

Oder wie hier gezeigt, das Videolight 100 für das JVC Marine Case von Werner light power. Für Makroaufnahmen schon fast zuviel Licht. So bleibt die Filmausrüstung leicht zu handhaben und dennoch effektiv.
Ein Vorteil der Makroaufnahmen liegt in den Anforderungen an unsere Ausrüstung. Zwar ist ein leichtes Stativ dazu gekommen, aber dafür gehen die Anforderungen an die Beleuchtungsanlage zurück. Da wir nur einen sehr eingeschränkten räumlichen Bereich filmen, reichen die meisten Kameralichtsysteme völlig aus, um für genügend Licht zu sorgen.

Es gibt aber noch einen zusätzlichen Pluspunkt beim Filmen im Makrobereich. Es kommen keine Korrekturfilter zum Einsatz. Dank der extremen Nähe bei den Filmaufnahmen erstrahlen alle natürlichen Farben im Licht unserer Unterwasserleuchten. Der geringe Abstand hält die Wege für das Licht zwischen den Leuchten – den gefilmten Objekten und unserem Objektiv extrem kurz und bei so kurzen Wegen greifen die Gesetze der Lichtabsorption nur in so geringem Umfang, dass es für unsere Aufnahmen unerheblich ist. Wir erhalten also den vollen Farbumfang der Natur bei unseren Filmaufnahmen.

Unsere heimischen Seen eignen sich sehr gut für den Einstieg in den Bereich Makrofilm. Besonders lichtdurchflutete Flachwasserbereiche bieten sich hier an. Je mehr Vegetation ein See zu bieten hat, desto mehr Mikroorganismen leben in ihm und desto größer sind unsere Chancen für gute Makroaufnahmen.

Noch ein Hinweis zur Sicherheit sei hier angebracht. Bei Makroaufnahmen müssen wir den Tieren sehr nahe kommen, für uns Menschen währe es schon sehr erschreckend, würde sich ein Riese plötzlich bis auf wenige Zentimeter an uns heranpirschen (sie bemerken die Ironie) und wie leicht kann dann ein Ausrutscher dem Meeres- oder Seebewohner das Leben kosten.

Aus diesem Grund sollten wir besonders bei Makroaufnahmen Wert auf den Schutz der Umwelt und deren Bewohner legen. Hier gilt einmal mehr das Motto "Tauche wie dein Schatten und hinterlasse keine Spuren".

Vorschau Artikel #14
In unserem nächsten Artikel geht es um das Thema "Unterwasserfilmaufnahmen mit Modellen". Bei vielen Gelegenheiten macht es Sinn einen Taucher zu Filmen, um zum Beispiel Größenvergleiche zu ermöglichen oder die Wunder der Natur besser zur Geltung zu bringen. Dann wird der Buddy zum Modell – oder noch besser ein zusätzliches Modell wird in die Filmgestaltung mit einbezogen. Wir erklären, worauf es ankommt und was ein Modell unter Wasser können sollte.


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