U/W-Videoschule #13 :: Makroaufnahmen
In diesem Artikel geht es um das Thema "Makroaufnahmen". Besonders in den tropischen Meeren gibt es sehr viele kleine Lebewesen zu entdecken, aber auch in heimischen Seen werden wir fündig. Hier tut sich vor uns ein vollkommen neues Universum auf, das von uns bislang unbeachtet sein Dasein fristete. Hier bietet sich eine Fülle von Filmideen im Hosentaschenformat. Wir erklären worauf es ankommt, um auch mit Makrofilmen ganz groß raus zu kommen.
Von Detlef Randerath
Von Detlef Randerath
Klein aber fein
Makrovorsatz
Lassen sie mich hier gleich eingangs dieses Artikels kurz etwas klarstellen, damit es nicht zu Missverständnissen kommen kann. Das was wir hier im Videobereich als Makrobereich besprechen, würde bei den Unterwasserfotografen allenfalls als "Nahbereich" durchgehen. Warum das? Werden Sie jetzt denken, lassen sie mich das kurz erklären.
Im Gegensatz zu den modernen Digitalkameras der Fotografen verfügen unsere Camcorder nicht über die Möglichkeit Wechselobjektive einzusetzen. Die meisten Camcorder verfügen über Objektive, die eher für den Zoombereich ausgelegt sind, als für Makroaufnahmen. Das bedeutet, dass wir immer einen gewissen "Mindestabstand" einhalten müssen, um überhaupt noch fokussieren zu können. Dadurch bekommen wir echte Makroaufnahmen mit "Bordmitteln" nicht hin. Da wir keine echten Makroobjektive verwenden können, müssen wir auf so genannte Makrovorsätze zurückgreifen. Makrovorsätze sind zwar kein vollwertiger Ersatz für ein hochqualitatives Makroobjektiv, aber sie helfen uns näher an unsere Filmobjekte heran zu kommen. So können wir aus dem Nahbereich in den Makrobereich vorstoßen. Dieser Vorsatz hier hat eine Brennweite von 33 Zentimetern. Man spricht übrigens erst dann von Makroaufnahmen, wenn das abgebildete Objekt mindestens 1:1 in seiner Größe abgebildet wird.
Bei Makroaufnahmen können wir uns nicht an unsere Darsteller "heranzoomen". Hier müssen wir uns langsam heranpirschen, um bei den relativ kurzen Brennweiten der Vorsätze zu scharfen Aufnahmen zu kommen.
Es müssen nicht immer die Tropen sein! Auch in unseren heimischen Seen finden wir viele Käfer, Schnecken und Kleinfische, die sich für Makroaufnahmen eignen.
Makroaufnahmen verlangen von uns ein gutes Auge. Wer sich in diesem Bereich betätigen möchte wird feststellen, dass man gar nicht soweit tauchen muss als sonst, um beeindruckende Aufnahmen machen zu können. Wir suchen also Riffblöcke ganz genau ab und lassen uns Zeit dabei. Wer hektisch um ein Riff paddelt vertreibt alles was es zu filmen gibt, schon bei seiner Annäherung. Besonders kleine Fischarten brauchen etwas Gewöhnungszeit, um sich an uns und unsere vielfältigen Geräusche zu gewöhnen, bevor sie sich gut filmen lassen. Bei Schnecken und Muscheln und anderen lokal gebundenen Lebewesen haben wir nicht das Problem, dass unsere Darsteller schnell flüchten können. Dennoch sollten wir auch hier ruhig und langsam vorgehen. Wer eine filtrierende Muschel filmen möchte, darf auch diese nicht verschrecken.
Gorillapod
Besonders nach dem Tauchgang müssen wir uns aber um unser Stativ kümmern. Das Gorillapod-Stativ mag keine Salzablagerungen, deshalb sollten wir es ausgiebig in Süßwasser spülen und im Schatten trocknen lassen. Nur so behält es seine Flexibilität und lässt sich auch unter Wasser wieder leicht handhaben.
Das Light & Motion Lichtsystem, wie es zum Beispiel auch mit dem Top Dawg Gehäuse ausgeliefert wird, reicht für Makroaufnahmen vollständig aus. Im extremen Makrobereich kann man dank der dimbaren Leuchtenköpfe das Licht sogar optimal anpassen.
Oder wie hier gezeigt, das Videolight 100 für das JVC Marine Case von Werner light power. Für Makroaufnahmen schon fast zuviel Licht. So bleibt die Filmausrüstung leicht zu handhaben und dennoch effektiv.
Es gibt aber noch einen zusätzlichen Pluspunkt beim Filmen im Makrobereich. Es kommen keine Korrekturfilter zum Einsatz. Dank der extremen Nähe bei den Filmaufnahmen erstrahlen alle natürlichen Farben im Licht unserer Unterwasserleuchten. Der geringe Abstand hält die Wege für das Licht zwischen den Leuchten – den gefilmten Objekten und unserem Objektiv extrem kurz und bei so kurzen Wegen greifen die Gesetze der Lichtabsorption nur in so geringem Umfang, dass es für unsere Aufnahmen unerheblich ist. Wir erhalten also den vollen Farbumfang der Natur bei unseren Filmaufnahmen.
Unsere heimischen Seen eignen sich sehr gut für den Einstieg in den Bereich Makrofilm. Besonders lichtdurchflutete Flachwasserbereiche bieten sich hier an. Je mehr Vegetation ein See zu bieten hat, desto mehr Mikroorganismen leben in ihm und desto größer sind unsere Chancen für gute Makroaufnahmen.
Noch ein Hinweis zur Sicherheit sei hier angebracht. Bei Makroaufnahmen müssen wir den Tieren sehr nahe kommen, für uns Menschen währe es schon sehr erschreckend, würde sich ein Riese plötzlich bis auf wenige Zentimeter an uns heranpirschen (sie bemerken die Ironie) und wie leicht kann dann ein Ausrutscher dem Meeres- oder Seebewohner das Leben kosten.
Aus diesem Grund sollten wir besonders bei Makroaufnahmen Wert auf den Schutz der Umwelt und deren Bewohner legen. Hier gilt einmal mehr das Motto "Tauche wie dein Schatten und hinterlasse keine Spuren".
Vorschau Artikel #14
In unserem nächsten Artikel geht es um das Thema "Unterwasserfilmaufnahmen mit Modellen". Bei vielen Gelegenheiten macht es Sinn einen Taucher zu Filmen, um zum Beispiel Größenvergleiche zu ermöglichen oder die Wunder der Natur besser zur Geltung zu bringen. Dann wird der Buddy zum Modell – oder noch besser ein zusätzliches Modell wird in die Filmgestaltung mit einbezogen. Wir erklären, worauf es ankommt und was ein Modell unter Wasser können sollte.
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