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posted by Detlef Randerath on 2007/09/24

U/W-Videoschule #14 :: Unterwasserfilmaufnahmen mit Modellen

In diesem Artikel geht es um das Thema „Unterwasserfilmaufnahmen mit Modellen“. Ähnlich wie in der Fotografie erschließen sich neue Möglichkeiten durch den Einsatz von Modellen für uns Filmemacher. Wir geben hier einen Überblick über die Möglichkeiten und Vorgehensweisen bei UW-Filmaufnahmen mit Modellen.
Von Detlef Randerath
Das richtige Modell finden

So kann man sehr gut Spannung in seinen Film einbringen, das Modell taucht am Kameramann vorbei. Ganz wichtig, wenn wie hier bei Wracktauchgängen Lampen eingesetzt werden, dass das Modell nie direkt in die Kamera leuchtet.
Bei unseren bisherigen Filmaufnahmen haben wir uns bei der Kameraführung immer am zu filmenden Objekt orientiert und darauf basierend unsere Kameraführung und Bildgestaltung aufgebaut. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit dem Einsatz von UW-Modellen mit denen wir unseren Filmen Handlung und Führung geben können. Wir kennen diese Vorgehensweise aus der UW-Fotografie, wo Unterwassermodelle gekonnt neben große Korallenstöcke oder zwischen einen großen Fischschwarm positioniert werden, um dem Bild mehr Gestaltung zu geben und das Auge des Betrachters zu führen. Darauf kommen wir gleich noch zu sprechen. Zunächst wollen wir uns aber anschauen, wer denn für uns als Modell in Frage kommt.

Ganz fremde Taucher sollten immer Tabu sein. Wir sollten hier ähnliche Ansprüche beim UW-Modell wie bei unserem Divebuddy anlegen. Das taucherische Können sollte unseren eigenen Ansprüchen entsprechen. Anfänger fallen schon wegen der fehlenden Erfahrung aus. Besonders UW-Modelle sollten erfahrene Taucher-/innen sein, die sich auch schon einmal alleine ein Stück weit von der Gruppe entfernen, um Weitwinkelaufnahmen an einem Panorama oder einem großen Wrack zu ermöglichen. Bei der Auswahl von UW-Modellen sollte man die folgenden Punkte beachten:

1. Guter Ausbildungsstand

Mit erfahrenen Tauchern gelingen die Filmaufnahmen viel schneller als mit Anfängern, wer das berücksichtigt braucht für seine Aufnahmen nur wenige Tauchgänge. Insgesamt sollten Filmtauchgänge mit großen Tauchgruppen von Tauchlehrern oder Divemastern (oder equivalent) geleitet werden, um für sichere Tauchgänge zu sorgen.

2. Auch UW-Modelle brauchen Buddys

UW-Modelle sind keine Einzelgänger bei unseren Filmtauchgängen. Wenn wir mit Modellen filmen beutet das, dass wir in zwei Gruppen Tauchen, Kameramann und Buddy und das/die Modelle als Buddygruppe.

3. Man sollte sich gut kennen

Nicht nur über Wasser, auch als Tauchergruppe sollte man vor den Filmtauchgängen genügend Tauchgänge miteinander gemacht haben, um sichere Filmtauchgänge durchführen zu können.

4. Zeichensprache

Beim Filmen werden oft zusätzliche Handzeichen verwendet, um die Modelle richtig in Position dirigieren zu können. Diese Zeichen sollten allen Tauchern gut bekannt sein, um Missverständnissen bei den Aufnahmen aus dem Weg zu gehen.

5. Modelle erhalten ein Honorar

Auch wenn man im ersten Moment nicht darüber nachdenkt, für die Arbeit „vor der Kamera“ erhalten Modelle ein Honorar. Das sollte man auch schriftlich fixieren, um das Filmmaterial uneingeschränkt nutzen zu können. Wir erklären gleich ausführlich worauf man achten sollte.

6. Modelle sind immer unsere Gäste

Von den richtigen Bewegungen und Posen der Modelle hängt die Qualität unserer Filmaufnahmen ab. Deshalb sorgen wir dafür, dass sich unsere Modelle vor, während und nach den Aufnahmen gut fühlen. Deshalb behandeln wir unsere Modelle immer wie unsere Gäste.

Die richtige Ausrüstung für UW-Modelle
Mindestens genauso wichtig wie das richtige Modell zu finden, ist die Zusammenstellung der Ausrüstung für das Modell. In der Fotografie werden gerne farbenfrohe Tauchanzüge in leuchtenden Farben verwendet. Für Filmaufnahmen sollten wir aber auf die normalen, eher funktionell gestalteten dunklen Tauchanzüge zurückgreifen, um die Aufmerksamkeit des Betrachters nur am Rande auf unser Modell zu lenken.

Im Gegensatz zur Fotografie, bei der die Ausrüstung oft auf das wirklich allernötigste Equipment reduziert wird, um sich unter Wasser bewegen zu können, rate ich dazu nicht von den Vorgaben abzuweichen, die wir während der Tauchausbildung gelernt haben. Es dürfte unverantwortlich sein, ein Modell ohne einen Oktopus ins Wasser zu schicken, ganz gleich wo und wie tief man taucht. Die Sicherheit des Modells geht immer vor. Zudem wirken unsere Filmszenen im Anschluss auch nicht so gekünstelt und gestellt. Unsere Aufnahmen sollen ja authentisch und realistisch wirken, auch wenn wir das Modell ganz bewusst an einem Riff oder einem Wrack vorbeischwimmen lassen. Die Natürlichkeit der Szene ist unser Bestreben. Je mehr wir gestaltend eingreifen, desto unrealistischer wirken unsere Aufnahmen. Wir achten also darauf, dass unsere Modelle mit normaler und vor allem sicherer Ausrüstungen tauchen.
Modelle richtig instruieren

Die richtige Wirkung hängt oft vom richtigen Abstand ab. Bei Szenen wie dieser sollte man zwei bis drei Variationen filmen, bei denen das Modell immer näher herankommt. Später beim Filmschnitt haben wir dann die Möglichkeit, die passenden Szenen für unseren Film auszuwählen.
Wer schon einmal Filmaufnahmen über Wasser gemacht hat, bei denen Modelle instruiert werden mussten, um eine gewisse Bewegungsabfolge umzusetzen, der vermag sich vorzustellen, wieviel aufwendiger Unterwasseraufnahmen sind. Wir können bei unseren Aufnahmen unter Wasser nicht mitten in einer zuvor besprochenen Szene, die aus verschiedenen Bewegungsabfolgen besteht „Aus“ rufen und hoffen, dass alle wieder an den Ausgangspunkt für die Szene zurücklaufen/schwimmen. Eine einmal unter Wasser in Gang gesetzte Szene wird bis zu ihrem Ende abgedreht, es fehlt an praktischen Möglichkeiten mitten drin zu unterbrechen. Probleme müssen unter Wasser gelöst werden und mittels Zeichensprache an das Modell kommuniziert werden.

Sehr nützlich sind in diesen Fällen UW-Schreibtafeln, auf denen man Probleme und deren Lösungen aufschreiben kann. Das macht die Kommunikation unter Wasser viel einfacher. Bei komplexeren Szenen ist es ratsam, die Abfolge der Szenen und deren Variationen als laminierte Seiten mit ins Wasser zu nehmen. Dann braucht man den Modellen nur noch die richtige Seite (die zuvor über Wasser ausführlich besprochen wurde) zu zeigen und jeder kann sich kurz für seine Aufgaben vorbereiten.
Honorare und Verwendungsrechte

Zu den schwierigeren Aufnahmen gehören die, bei denen das Modell sich einem Fischschwarm nähern muss. Hier braucht nicht nur das Modell sondern auch der Kameramann das richtige Timing, um zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Solche Aufnahmen gelingen häufig erst nach einigen Versuchen.
Ein Thema mit dem sich viele Hobbyfilmer nicht oder nur am Rande beschäftigen ist die Entlohnung der Modelle. Das Filmen und Fotografieren von fremden Personen berührt deren Persönlichkeitsrechte und das kann zur Folge haben, dass wir diese Aufnahmen niemanden (also keinem Dritten) zeigen oder vorführen dürfen. Bevor wir überhaupt mit einem fremden Modell Aufnahmen machen, klären wir also die Art und Höhe der Entlohnung für die Aufnahmen ab. Dabei kann es unterschiedliche Vorgehensweisen geben. Viele Modelle (und Hobbytaucher) sind schon froh, wenn ihr Name im Vor- oder Abspann des Films genannt wird. Einige andere verlangen indes tatsächlich ein Honorar für ihre Arbeit. In jedem Fall sollte man einen kurzen Vertrag aufsetzen, der uns die uneingeschränkte Nutzung der Aufnahmen einräumt. Aus juristischer Sicht könnte man hier an dieser Stelle nun sicher seitenweise Vorschläge für Formulierungen benennen, aber das würde den Rahmen dieses Artikels sicher sprengen. Ich nutze bei meinen Aufnahmen entweder einen etwas umformulierten Vertrag, der aus der Hobbyfotografie stammt und sich TFP (Time for Pictures) nennt. Dabei erklären sich Kameramann und Modell dazu bereit, ihre Zeit/Arbeit kostenlos füreinander zur Verfügung zu stellen. Das Modell erhält den Film/die Rohszenen zur eigenen Verwendung und der Kameramann kann das Filmmaterial für seine Zwecke nutzen. Sollte es zu einer Vermarktung kommen, sieht dieser Vertrag dann eine Beteiligung des Modells vor. Wer mit solchen Vertragsmodellen arbeiten möchte, findet beim googlen sicher schnell einige kostenlose Vertragsmodelle, die sich leicht auf die Anforderungen unserer Filmaufnahmen anpassen lassen.

Ich möchte an dieser Stelle nochmals auf die Wichtigkeit der vertraglichen Regelung vor den Aufnahmen hinweisen. Nur so sind wir sicher, dass unsere Aufnahmen anschließend auch genutzt und gezeigt werden dürfen. Sollte ein Modell es sich im Anschluss an die Aufnahmen noch einmal anders überlegen, ohne dass wir vorher einen Vertrag abgeschlossen haben, kann schnell die Arbeit eines ganzen Tages verloren gehen.

Wichtig ist, dass auch die Modelle ein gutes Gefühl bei den Verträgen haben und nicht schon mit Bedenken ins Wasser gehen. Jeder sollte seinen persönlichen Nutzen aus dem Projekt ziehen können. Es gibt für einen Filmemacher nichts Schlimmeres als rechtliche Probleme mit schönen Aufnahmen, die man niemandem zeigen darf.
Filmgestaltung durch Modelle

Bei Schwenks ruht das Auge des Betrachters auf dem ruhig dahin tauchenden Modell während der Hintergrund im eigentlichen Schwenk sich verändert. Hier führt das Modell durch die Szene.
Modelle können in unseren Filmen schmückendes Beiwerk sein oder aber auch aktiv an der Gestaltung unserer Szenen teilhaben. Wichtig ist, dass man den Tauchplatz gut kennt und die Szenen, die man drehen möchte, ausführlich mit dem Modell vor dem Tauchgang bespricht. Wir sollten bei dem Filmbriefing darauf achten, dass wir nicht zu viele Szenen in Angriff nehmen. Oft muss man eine Szene wiederholen und dann ist der Tauchgang schnell vorbei. Sie werden merken wie schnell die Zeit fliegen kann, wenn man unter Wasser eine bestimmte Szene filmen möchte.

Wir können Modelle aber auch gezielt einsetzen, um das Auge des Betrachters zu führen. Zum Beispiel, wenn wir ein Modell aus dem Blauwasser kommend auf ein Wrack zu schwimmen lassen und dann an einem ausgesuchten interessanten Platz innehalten lassen.

Modelle erlauben auch weit reichende Schwenks, da das Auge des Betrachters am Modell immer einen relativ ruhigen Punkt zum Verweilen hat, während sich der Hintergrund (also der eigentliche Schwenk) verändert. Bei solchen Aufnahmen führt das Modell aktiv durch die Szene. Besonders bei Panoramariffen und Wracks sind solche Schwenks mit Modellen sehr effektiv und dazu noch nicht einmal sehr schwer aufzunehmen. Bei Wrackaufnahmen empfiehlt es sich mit versierten Wracktauchern als Modell zu arbeiten. Alles andere währe zu gefährlich. Das gleiche gilt bei Aufnahmen mit gefährlichen Tieren. Hier bedienen wir uns der Hilfe erfahrener Taucher und bringen niemanden in Gefahr. Keine Filmaufnahme ist es Wert, dass jemand verletzt oder gar zu Schaden kommt!
Vorschau Artikel #15
In unserem nächsten Artikel vergleichen wir die aktuellen Speichermedien und Camcordertypen in Bezug auf die Verwendung bei Unterwasseraufnahmen. Die Technik befindet sich in einem ständigen Wandel und die Entwicklungen lösen sich immer schneller ab. Wir schauen uns die aktuellen Systeme an und zeigen Vor- und Nachteile auf.


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Erschienen in: Videoschule


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