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posted by Detlef Randerath on 2007/09/25

U/W-Videoschule #15 :: Speichermedien und Camcorder im Vergleich

In diesem Artikel vergleichen wir die modernen Speichermedien und Camcordersystem in Bezug auf die Anwendung bei Unterwasserfilmaufnahmen.
Von Detlef Randerath

Wer unter Wasser Filmaufnahmen machen möchte, steht irgendwann vor der Frage "Was für einen Camcorder soll ich mir anschaffen"? Dabei denkt man dann zunächst über das Aufzeichnungsformat nach und wählt zwischen HDV und AVCHD. Erst mit dem zweiten Gedanken widmet man sich dem Aufzeichnungsmedium. Keine einfache Sache, gibt es doch mittlerweile vier Formate zur Auswahl. Ganz neu sind Festplattencamcorder dicht gefolgt von leichten Minicamcordern, die auf kleinen Speicherchips aufzeichnen. Schon seit einiger Zeit am Markt sind die DVD-Camcorder, die alle Aufnahmen auf eine 8cm MiniDVD aufzeichnen. Seit mehr als zehn Jahren bestimmen die MiniDV-Camcorder das Geschehen auf dem Videomarkt, doch die jungen "wilden" überzeugen durch Leistung und Konzept. Da muss man schon genau hinschauen und abwägen was man den am liebsten haben möchte. Jedes System hat seine Stärken und Schwächen und das schauen wir uns hier einmal wertfrei an und führen die bekannten Vor- und Nachteile der einzelnen Systeme auf.
Festplatten Camcorder

Pro:

  • Sehr großes Datenfassungsvermögen für lange Aufnahmenzeiten
  • Medienwechsel entfällt vollständig, bis auf mögliche Speicherkarten für Foto-/Videoaufzeichnungen
  • Leichte Handhabung wegen fehlendem Medienwechsel
  • Schneller Zugriff auf die echten Videodaten mit dem PC
  • Es geht uns beim Filmen unter Wasser eher der Strom als der Platz auf der Festplatte aus.
  • Ist der Camcorder einsatzbereit (Platte leer, Akkus voll) können sehr lange Aufnahmen am Stück gefertigt werden.
  • Szenen werden bei der Aufnahme schon separat gespeichert

Contra:

  • Wenn die Festplatte voll ist benötigt man einen PC und möglicherweise auch externe Festplatten (auf Reisen) um die vielen Daten vollständig aus dem Camcorder zu bekommen
  • Fällt die Festplatte aus, kann nur noch (wenn vorhanden) auf die Speicherkarte aufgezeichnet werden, falls der Camcorder das zulässt!
  • Im Gegensatz zu den Wechselmedien-Camcordern dauert es relativ lange den "vollen" Camcorder wieder einsatzbereit zu machen, da die Daten kopiert werden müssen!
  • Durch die Festplatte wird die Betriebstemperatur des Camcorder stark angehoben
  • Der Festplattenbetrieb benötigt mehr Energie als MiniDV- oder DVD-Laufwerke
  • Daten müssen zur Archivierung auf jeden Fall einmal kopiert werden
  • Erschütterungsempfindlich bei Aufnahmen
  • AVCHD wird zwar immer mehr aber noch nicht von allen Schnittprogrammen unterstützt. Die Verarbeitung ist "noch" etwas problematisch, das wird sich aber mit der Zeit legen.
  • Festplattenkapazität ist nicht erweiterbar (QuickChange für defekte Platten wünschenswert, aber nicht verfügbar)
  • Geht die Festplatte beim filmen kaputt, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit alle Daten verloren die vorher nicht anders gesichert wurden!

Fazit Festplatten Camcorder


Eines der aktuellen Top-Modelle von Sony unterstützt AVHCD und bietet eine 100GB Festplatte und Memorystick support.
Diese Art der Camcorder wird häufig als "die Zukunft" im Filmbereich gepriesen; hier gehen die Meinungen und Ansichten der Fachwelt allerdings schnell auseinander. Vorteilhaft ist das enorme Fassungsvermögen der verbauten Festplatten. Kein anderes System bietet so lange Nonstop-Aufnahmemöglichkeiten. Das ganze hat allerdings auch seinen Preis. Hoher Energiebedarf und damit auch steigende Temperaturen machen sich bemerkbar. Auf Reisen benötigt man entweder eine mobile Brennstation, um die Daten auf DVD zu kopieren oder gar ein Laptop und externe USB-Festplatten (wenn viel Kapazität benötigt wird), um die Daten wieder vom Camcorder runter zu bekommen. Leider sind Festplatten gegen jegliche Erschütterungen und Stöße extrem empfindlich und so verringert jeder Stoß die Lebensdauer des Systems. Gefährlich wird ein solches System, wenn man mehrere Tauchgänge hintereinander (an mehreren Tagen) gemacht hat ohne die Daten zwischendurch zu sichern und es fällt dann die Festplatte aus. Die Hersteller versuchen solche Szenarien durch Markenfestplatten und andere Schutzmechanismen zu verhindern. Ein Restrisiko bleibt aber bestehen, kennen wir doch die Lebensdauer normaler Festplatten, überlegt man nun wie oft ein Camcorder ein- und ausgeschaltet wird im Gegensatz zu einem normalen PC dann denkt man schon über die verkürzte Lebensdauer einer solchen Festplatte nach.
MiniDV Camcorder

Pro:

  • günstige Aufnahmenmedien
  • Camcorder ist nach Aufnahmen schnell wieder Einsatzbereit
  • Daten befinden sich sofort nach der Aufnahme auf einem Speichermedium das bei richtiger Lagerung mindestens 10 bis 15 Jahre datensicher ist
  • Medien sind rund um den Erdball günstig zu erwerben
  • Das Format bestimmt den DV-Videomarkt seit mehr als 10 Jahren, mit einer schnellen Ablösung ist nicht zu rechnen.
  • Lange Aufnahmezeiten im Vergleich zu DVD & Speicherchip-Aufnahmen
  • Hochwertige MiniDV Bänder bieten 60Minuten Kapazität (ca. 13GB)
  • Professionelle HDV-Bänder kosten ca. 10-15€
  • Längere Aufnahmezeiten als bei DVD/Speicherchip verfügbar

Contra:

  • relativ kurze Aufnahmezeiten im Vergleich zu Festplattencamcordern
  • Bänder können bei unsachgemäßer Behandlung leicht beschädigt werden
  • Übertragung der Filmdaten ist zeitaufwendig
  • Szenen müssen von der Capture-Software erkannt und separat gespeichert werden
  • Bei Fertigungsfehlern kann es in seltenen Fällen zu Bildausfällen und defekten Bändern führen.
  • Extrem häufige Nutzung führt zu Defekten an Bildköpfen etc. Reparaturen sind in der Regel teuer und lohnen sich bei älteren Camcordern nur selten
  • Speichermedien sind empfindlich gegen Umwelteinflüsse wie Hitze, Kälte und Feuchtigkeit.

Fazit MiniDV Camcorder


Oft fälschlich als "hässliches Entlein" bezeichnet besticht dieser Panasonic Camcorder durch sehr gute Bild- und Tonqualitäten.
MiniDV Camcorder sind im DV-Filmbereich seit mehr als 10 Jahren der Standard. Auch wenn einige Hersteller zwischendurch versuchten andere Bandsysteme dem entgegen zu stellen, setzte sich das MiniDV-System als marktführend durch. Günstige Fabrikationsmöglichkeiten für die Bänder sorgten dafür, dass alle Camcorderhersteller für lange Zeit fast ausschließlich MiniDV-Camcorder entwickelten und produzierten. Selbst die Einführung des HDV-Bildformats und der hohen Ansprüche an die Datenspeicherung stellte für die kleinen Tapes kein Problem dar. Das ist auch einer der Gründe warum die ersten HDV-Camcorder als MiniDV-System auf den Markt kamen. Dank der mehr als 10 Jahre Erfahrung die die Hersteller mit solchen Systemen teilweise haben, sind Kinderkrankheiten lange ausgemerzt so das man heute selbst bei günstigen Camcordern von langen Lebenszyklen ausgehen kann. Vorteilhaft ist die weltweite Verbreitung des Systems. Wer nicht genug Tapes dabei hat geht in den nächsten Foto/Video-Shop und kauft sich welche. Kein Problem und die Preise sind verschwindend gering. 2-3 Euro für Standardtapes sind normal. Hochwertige HDV-Bänder werden von einigen Herstellern angeboten. Hier liegen die Preise zwischen 16,- und 29 €. Die Ausfallrate der Bänder liegt statistisch unter 1% weshalb es kaum zu Ausfällen kommt. Selbst wenn wir einen Teil des Bandmaterials manuell beschädigen würden, könnte der Rest des Bandes immer noch genutzt werden. Kein anderes Aufnahmemedium bietet diese Flexibilität. Die letzten Jahre haben gezeigt, das auch billige Bänder ihre Daten länger als 10 Jahre behalten, mehr kann man von einem günstigen Datenspeicher denke ich nicht verlangen.
DVD Camcorder

Pro:

  • Der Camcorder ist dank Wechselmedien zwischen den Tauchgängen schnell wieder einsatzbereit
  • DVD kann in handelsüblichen DVD-Playern und teilweise sogar in Spielekonsolen abgespielt werden
  • Hohe Bildqualität, Verwendung von "Standard-Codecs"
  • Szenen werden bei der Aufnahme schon separat gespeichert
  • Daten müssen zur Lagerung nicht erst auf einen anderen Datenträger übertragen werden, das spart gegenüber den anderen System an Lagerkosten
  • Aufnahmezeiten lassen sich durch die Verwendung von Dual-Layer Medien verdoppeln
  • Speichermedien sind leicht zu handhaben

Contra:

  • Aufnahmekapazität ca. 18-30 Minuten bei 1,4 GB 8cm DVD-Rohlingen
  • Erschütterungsempfindlich bei Aufnahmen
  • Filmformate (Codecs) nicht immer sofort nutzbar, bei einigen Camcorder muss der Film nach dem Kopieren erst noch in ein anders Format umgewandelt werden.
  • Aufnahmemedien sind aktuell noch teuer (zwischen 4,95 und 15,95€)
  • Aufnahmemedien bieten als Single-LayerDVD nur geringe Aufnahmekapazitäten
  • Die benötigten DVD-Medien sind noch nicht weltweit verfügbar, man muss also bei Fernreisen genügend Rohlinge mitnehmen
  • Bei Fertigungsfehlern kann es in seltenen Fällen zu Bildausfällen und defekten DVD´s führen.
  • Speichermedien sind empfindlich gegen Umwelteinflüsse wie Hitze, Kälte und Feuchtigkeit.

Fazit DVD Camcorder


Die eierlegende Wollmilchsau unter den aktuellen High-Definition Camcordern. Der brandneue Hitachi Camcorder BZBD7HA bietet neben dem ersten Blu-Ray Laufwerk auch noch die Möglichkeit auf die interne Festplatte aufzuzeichnen. Kein Camcorder bietet mehr Platz für Aufnahmen.
Rein konzeptionell gesehen ist die Idee des DVD-Camcorders die Beste seit der Erfindung des DV-Camcorders. Ein wieder verwendbarer High-End Datenträger mit großem Fassungsvermögen und einer langen Lebensdauer (fachgerechte Lagerung vorausgesetzt). Dazu kommen technische Features wie direkte Szenentrennung, Indexierung und anderes machen die MiniDVD zu einem zukunftsweisenden Datenträger. Leider stößt aber auch dieses System schnell an seine konzeptionell-technischen Probleme. Das Fassungsvermögen von 8cm DVD-Rohlingen ist begrenzt, so dass auf Duallayer Rohlinge zurückgegriffen werden muss, um zumindest vergleichbare Aufnahmezeiten wie das MiniDV-Bandsystem zu erreichen. Dann ist das Camcordersystem während der Aufzeichnung gegen Erschütterungen empfindlich, wer das weis, wird darauf achten, dass der Camcorder ruhig steht, dann kann nicht mehr viel schief gehen. Dank der Globalisierung sind die 8cm DVD-Rohlinge mittlerweile rund um den Globus (zumindest in den großen Städten) verfügbar. Wer eine Fernreise mit seinem DVD-Camcorder macht, dem kann ich aber nur empfehlen genügend Rohlinge mit einzupacken. Die hervorragende Langlebigkeit der Datenträger in Verbindung mit den Wiedergabe/Nutzungsmöglichkeiten sprechen klar für die DVD-Camcorder. Allerdings trüben hohe Stromaufnahme (wegen des Laufwerks) und relativ laute Betriebsgeräusche beim einen oder anderen Gerät ein wenig die Aufnahmefreuden. Spätestens mit der Einführung des Blu-ray Disc (BD) Systems in diesen Camcordern, wird der große Durchbruch kommen.
Hybride mit Speicherkartenunterstützung

Pro:

  • Kleine und leichte Camcorder, optimal für die Reise und "immer dabei"
  • Camcorder im DV-Format in der Regel sehr günstig im Vergleich zu anderen Formaten (ab 180 €)
  • HDV-Versionen bereits verfügbar (auch Full-HDV)
  • Camcorder sind nicht gegen Stöße empfindlich weil es keine "beweglichen" Teile gibt.
  • Camcorder teilweise spritzwassergeschützt oder sogar für geringe Tauchtiefen ohne zusätzliches Gehäuse verwendbar
  • Speicherkarten nehmen so gut wie keinen Platz ein und sind leicht zu transportieren.
  • Lange Akkulaufzeiten weil keine Motoren betrieben werden müssen
  • Speichermedien sind leicht zu handhaben
  • Teuere 8 GB Speicherkarten erlauben bis zu 2 Stunden Aufnahmen in HD-Qualität

Contra:

  • Speicherkarten relativ teuer
  • Aufnahmekapazität von kleinen Speicherkarten liegt zwischen 30 – 50 Minuten
  • Filmaufnahmen sind stark komprimiert (extreme Codecs)
  • Speichermedien sind noch relativ teuer im Vergleich zur Aufnahmekapazität zu anderen Medien
  • HDV-Versionen benötigen viel Speicherplatz was wiederum die Aufnahmezeiten einschränkt.
  • Viele Camcorder arbeiten noch mit 640x480 Pixel Bildformaten um lange Laufzeiten zu bieten – leider auf Kosten der Bildgröße
  • Speicherchips fallen bei hoher Belastung schon einmal aus
  • Fertigungsfehler führen während des Betriebs zum Verlust von Speicherstellen, die die Aufnahmen unbrauchbar machen können.
  • Speichermedien sind empfindlich gegen Umwelteinflüsse wie Hitze, Kälte und Feuchtigkeit und elektrischen Feldern.

Fazit Hybride Camcorder


Kompakte Kleincamcorder werden nicht nur immer leistungsfähiger sondern auch immer günstiger. Sanyo bietet in seiner Xacti Serie eine breite Palette handlicher Camcorder. Neben bestechenden Leistungsmerkmalen sind manche Geräte Outdoorfähig und sogar bis in geringe Tiefen auch ohne zusätzliches Gehäuse als UW-Camcorder verwendbar.
Klein sind sie und günstig, ideal für "immer dabei" für Leute die viel unterwegs sind und keinen "großen" und "schweren" Camcorder dabei haben möchten. Weil sie in der Regel "nur" auf einen Speicherchip speichern, benötigen sie keine technisch aufwendigen Laufwerke wie bei den MiniDV-Bandsystemen oder den MiniDVD-Rekordern. Daraus resultiert auch ein wesentlich geringerer Stromverbrauch und damit einhergehend eine längere Betriebsdauer. Insgesamt können solche Camcorder günstiger hergestellt werden und bieten ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältniss. Dazu werden diese kleinen Camcorder immer leistungsfähiger und bieten heute schon HDV-Filmqualitäten wenn auch nur mit kurzen Aufnahmezeiten. Für die schnelle Verarbeitung bieten sich diese Systeme immer an, ganz gleich ob es sich dabei um eine Xacti oder um die neue Sony Net-Sharing-Cam handelt. Schnell sind die Daten auf den Rechner übertragen und verarbeitet. Die Sony Net-Sharing-Cam erlaubt es sogar Filme direkt ins Web zu senden. Im Moment werden diese Camcorder nur durch die Speicherkapazitäten der verwendeten Speicherchips ausgebremst. Es wird aber nicht mehr lange dauern bis man sechzig Minuten Full-HD mit einem dieser Camcorder aufzeichnen kann. Wer auf kleine leichte Camcorder steht findet hier ganz interessante Geräte am Markt. Manche Systeme sind sogar richtig Outdoor fähig und einige von ihnen sogar ohne zusätzliches Gehäuse in geringen Tauchtiefen verwendbar, was will man mehr!
Vorschau Artikel #16
In unserem nächsten Artikel geht es um das Thema "Tipps & Tricks im Umgang mit der Unterwasserfilmausrüstung". Dabei widmen wir uns zum einem dem reinen Handling der Ausrüstung und dem richtigen Umgang über und unter Wasser sowie der Pflege. Nur gut gepflegtes Equipment hilft uns gut Aufnahmen zu machen. Wir geben Handhabungs- und Pflegetipps


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Erschienen in: Fotoschule | Videoschule
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