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geschrieben von Detlef Randerath am 27.02.2007

U/W-Videoschule #3 :: Tipps für den Gehäusekauf

Tipps für den Unterwassergehäusekauf
Interessantes und wissenswertes über Unterwassergehäuse und was man bei der Auswahl und dem Kauf beachten sollte.von Detlef Randerath


Einleitung
Wie der Titel des Artikels schon sagt, geben wir hier Tipps zum Gehäusekauf. Dabei halte ich mich mit tatsächlichen "Kaufempfehlungen" jedoch bewusst zurück. Es ist wie beim Autokauf. Fahren tun sie irgendwie alle, aber es ist die Ausstattung, die Farbe und nicht zuletzt die Marke die uns zum Kauf bewegt. Ich werde die wichtigsten Funktionen für Unterwassergehäuse beleuchten und aufzeigen, was uns bei unserem Hobby als sinnvollen Werkzeug dienlich sein kann.

Unterwassergehäusetypen
So könnte der Einsteig aussehen. Kostengünstige Gehäuse aus Folie die auch gegen Staub und Schmutz schützen, oder preiswerte Systemgehäuse vom Camcorderhersteller für geringe Tauchtiefen.
Bevor wir unsere neugierigen Nasen in die modernen Unterwassergehäuse stecken, müssen wir uns noch überlegen, was wir eigentlich mit unseren Filmen erreichen wollen und wer letztlich die Zielgruppe für unsere Filme sein wird. Warum das? Nun es macht schon einen Unterschied, ob ich mit dem bereits vorhandenen MiniDV-Camcorder (von vor fünf Jahren) beim Schnorcheln in der Türkei ein bisschen für den Privatgebrauch filme, oder ob ich als ambitionierter Hobbyfilmer eine Dokumentation über ein Wrack im Roten Meer drehe, die ich anschließend auf DVD vertreiben oder im Internet präsentieren möchte. Entsprechend fällt in der Regel auch das zur Verfügung stehende Budget aus. Als Privattaucher der während des Familienurlaubs filmt, steht mir in der Regel kein so großes Budget zur Verfügung. Arbeite ich gegen Honorar, kann ich die Anschaffung eines guten Gehäuses sicher mit dem einen oder anderen Filmprojekt kompensieren.

Die Frage bleibt, wie viel wird mich der Spaß kosten? Nun wenn ich mit dem "alten" Camcorder Schnorcheln gehen möchte, kann ich schon mit einem flexiblen Kunststoffgehäuse von Ewamarine für 275,- Euro Tiefen von bis zu zehn Metern erreichen. Wenn ich aber ambitionierte Aufnahmen mit einem modernen Camcorder an der Grenze der Sporttauchtiefen drehen möchte, kann mich das unter Umständen auch schnell das Zehnfache kosten. Nach oben hin sind genau wie bei den Camcordern auch bei den Unterwassergehäusen keine Grenzen bei den Anschaffungspreisen gesetzt. Ich möchte in diesem Artikel die Einsteigergehäuse und die Gehäuse im semiprofessionellen Bereich besprechen.

Die wichtigsten Fragen
Zunächst stellen sich uns bei der Anschaffung eines Unterwassergehäuses die folgenden Fragen:

1. Mit welchem Camcorder möchte ich das Gehäuse benutzten?
Wenn wir uns für ein bestimmtes Camcordermodell festlegen möchten, bietet es sich an, ein Systemgehäuse anzuschaffen, welches ganz speziell für den ausgewählten Camcorder entwickelt wurde. Es gibt leider wesentlich weniger Systemgehäuse als Camcorder, deshalb empfiehlt sich die umgekehrte Auswahl. Wir suchen dann also eher nach einem Gehäuse das die modernen Camcorder unterstützt. Wenn wir aber mit ihrem bereits vorhandenen Camcorder filmen möchten, bietet es sich an, einen Blick auf die immer größer werdende Schar der "Universalgehäuse" zu richten. Diese Gehäuse erlauben die Verwendung von vielen unterschiedlichen Camcordern in einem Gehäuse. Bei dieser Auswahl suchen wir ausgehend vom Camcorder ein passendes Gehäuse. Da die Zahl der Hersteller in diesem Segment immer größer wird, stehen die Chancen gut, hier günstig an ein passendes Gehäuse zu gelangen.

2. Wie oft werde ich mit dem System Filmen (pro Jahr gesehen)?
Wie oft werden wir filmen (aufs Jahr gesehen); hier merken wir dann schnell, ob sich die Anschaffung lohnen wird oder nicht. Wer sich nur drei bis viermal im Jahr im Urlaub auf den Spuren von Cousteau und Hass als Unterwasserkameramann versuchen möchte, sollte sich gut überlegen, ob eine teure Anschaffung sich auszahlen wird. Wer allerdings plant seine UW-Kameraausrüstung eigentlich immer dabei zu haben wenn er zum Tauchen an den See oder in den Urlaub fährt, der sollte sich auch ein gutes Gehäuse zulegen.

3. Was darf das Gehäuse inkl. Beleuchtungsanlage kosten?
Einige Hersteller bieten heute schon ihre Gehäuse inklusive einer geeigneten Beleuchtungsanlage und einem Transportkoffer an. Hier erhalten Einsteiger ein Komplettsystem das für eine Vielzahl von Anwendungen in der Regel eine gute Kombination von Gehäuse und Lichtanlage bietet. Natürlich können solche Systeme nicht alle "Anwendungsbereiche" abdecken, aber wir sparen uns viel Zeit bei der Suche nach einem Beleuchtungssystem das zum Gehäuse passt. Wie gesagt, diese Angebote stellen einen Mix aus System und Funktionalität dar. Für Aufnahmen an Riffen taugen diese Systeme eigentlich immer, schwieriger wird es, wenn man bei Nachttauchgängen in Höhlen oder in Wracks filmen möchte. Aber diese Filmprojekte sollten wir als fortgeschritten einordnen und etwas weiter unten auf unserer Wunschprojektliste aufführen. Die meisten am Markt befindlichen Gehäuse-Beleuchtungsanlagen Bundles bieten im Gegensatz zum Einzelkauf ganz gute Preisvorteile. Die Einstiegspreise für solche Systeme liegen aktuell etwas bei knapp 1900,- Euro.

4. Kann ich das Gehäuse ohne Probleme mit in den Urlaub nehmen?
Wer zum ersten Mal ein Unterwasservideosystem in den Urlaub (oder eben auf die Filmexkursion) mitnimmt, sollte einige wenige Punkte beachten, damit alles heil ankommt und man bei der Abfertigung an den Flughäfen so wenig Ärger wie möglich bekommt. Manche Hersteller verkaufen wie bereits gesagt ihre Gehäuse gleich in Transportkoffern, einige haben dabei auch die Abfertigung an Flughäfen im Auge und erlauben durch die Einhaltung der "Handgepäckmaße" den Transport des Systems als Handgepäck. Wir sind also nicht gezwungen das sperrige Gehäuse und die Lichtanlage irgendwie in den normalen Koffer zu verpacken, sondern nehmen das komplette System mit als Handgepäck in den Flieger. Im Idealfall passiert man die Flughafenabfertigung dann in wenigen Minuten. Für die Filmleuchten gelten übrigens die gleichen Bestimmungen wie bei Tauchlampen. Am besten ist man demontiert das Leuchtmittel (Birne/LED) und transportiert diese in einem separaten Behälter getrennt vom Rest der Leuchte. Bei Flugreisen ist es weniger das benötigte Raumangebot das für die Filmausrüstung zur Verfügung stehen muss, sondern eher das Mehrgewicht, das wir dabei haben. Entweder man meldet dann vor dem Flug das Mehrgewicht entsprechend an, oder man spart das benötigte Gewicht beim Rest der Urlaubsgarderobe wieder ein.

5. Suchen wir ein elektronisches oder ein manuelles Gehäuse?
Es sind grundsätzlich zwei Gehäusetypen am Markt. Zum Einen gibt es manuelle Gehäuse, bei denen alle Bedienelemente am Camcorder über bewegliche Elemente im Gehäuse bedient werden können. Meistens werden dazu Wellendurchführungen genutzt, die an der Außenseite des Gehäuses über mehr oder weniger große "Knöpfe" bedient werden können. Diese Gehäuse sind in der Regel für einen bestimmten Camcorder entwickelt und extrem genau gebaut. Nur durch die hohe Passgenauigkeit von Gehäuse und Camcorder erreicht man es, dass ein solches System fehlerfrei funktioniert. Manuelle Gehäuse bieten dazu noch den Vorteil, das oft über Spiegel anstelle eines Monitors gearbeitet wird. So enthalten diese Gehäuse oft keine elektronischen Bauteile, was das Gehäuse selber unempfindlicher gegen Feuchtigkeit macht. Zum Anderen gibt es elektronische Gehäuse, die hingegen die Möglichkeit bieten über elektronische Schnittstellen wie L-ANC und Infrarot auch während des Tauchgangs auf viel mehr Funktionen des Camcorders zuzugreifen, als es manuelle Gehäuse je tun könnten. Mit solchen Gehäusen haben wir wesentlich mehr Möglichkeiten unseren Film schon während der Aufnahme zu gestalten. Diese Gehäuse verfügen grundsätzlich auch über Kontrollmonitore, über die wir das aktuelle Aufnahmebild des Camcorders einsehen können. Bedingt durch die Verwendung von soviel Elektronik sind diese Gehäuse auch empfindlicher gegenüber Feuchtigkeitseinbrüche. Ganz gleich ob manuell oder digital, es gibt Gehäuse beider Klassen in allen Preisklassen, ob für den semiprofessionellen- oder den Einsteigerbereich.
Wichtige Faktoren
Nachdem wir uns Gedanken dazu gemacht haben, ob sich die Anschaffung eines Gehäusesystems für uns lohnt, schauen wir jetzt auf die Funktionen eines Gehäuses. Wir sollten aber unbedingt im Hinterkopf behalten, dass wir niemals alle für uns optimalen Funktionen in einem derzeit am Markt befindlichen Gehäuse finden werden. Wir werden immer den einen oder anderen Kompromiss eingehen müssen. Aus diesem Grund ist es wichtig, das jeder "seine" wichtigen Funktionen und Features erkennt und diese bei der Auswahl des richtigen Gehäuses berücksichtigt.

Gutes Raumangebot für Camcorder, Objektivvorsatz und große Akkus
Das Gehäuse sollte natürlich genügend Platz für den Camcorder bieten, darüber hinaus möchten wir aber Weitwinkel oder Makrovorsätze und Farbkorrekturfilter verwenden, die entsprechend viel Raum vor dem Camcorder einnehmen werden. Zusätzlich sollte man berücksichtigen, das leistungsfähige Akkus auch nicht gerade klein sind und zusätzlichen Platz "hinter" dem Camcorder benötigen. Wenn man die Möglichkeit bekommt, ein Gehäuse zu begutachten, dann sollte man seinen Camcorder entsprechend ausgebaut mit Vorsätzen und großen Akkus dabei haben und gleich prüfen, ob alles ins Gehäuse passt.

Leichte Bedienbarkeit der Kamerafunktionen beim Tauchen
Beleuchtungsysteme
Immer häufiger "bundeln" die Gehäusehersteller ihre Gehäuse mit passenden Beleuchtungssystemen. Solche Komplettsysteme sind gut aufeinander abgestimmt und bieten Preisvorteile.
Sobald der Wunschcamcorder nun ins Wunschgehäuse passt, richten wir unseren Blick auf die Bedienbarkeit der wichtigsten Camcorderfunktionen. Dazu gehören die Grundfunktionen Ein-/Ausschalten, Start/Stop, Zoom sowie Photo, Focus, Weißabgleich und Backlight die uns meistens nur dann zur Verfügung stehen, wenn das Gehäuse über eine LANC oder Infrarotsteuerung verfügt. Die meisten manuell zu bedienenden Gehäuse bieten nur die Grundfunktionen Ein-/Ausschalten, Start/Stop und Zoom an.

Bei der "Anprobe" sollten wir auch darauf Achten, das alle Anschlüße und Kabel auch zu unserem Camcorder passen. Wir sollten uns dabei nicht nur auf die Angaben für die Anschlüße der Hersteller verlassen sondern selber mal probieren ob die Kabel auch passen. Besonders gerne verbauen die Hersteller Winkelstecker die in die eine oder andere Richtung weisen und nach "Murphys Law" immer in die falsche Richtung zeigen. Entweder wir nehmen unseren Camcorder zur Anprobe einfach mal mit, oder wir senden unserem Händler ein paar Fotos unseres Camcorders. Das ist besonders bei ganz neuen Camcordern zu empfehlen, da hier gerne einmal solche Probleme auftreten. Der Händler oder Hersteller sollte in der Lage sein passende Anschlußkabel für das Gehäuse zur Verfügung zu stellen.

Besonders beim Tauchen muss uns das Gehäuse einen unkomplizierten Zugriff zu diesen Funktionen bieten. Wichtig hierbei ist in erster Linie, dass wir für keine der genannten Funktionen umgreifen müssen. Da wir unter Wasser ein besonderes Augenmerk auf eine möglichst ruhige Kameraführung haben, dürfen sich keine Wackler in unseren Film einschleichen, nur weil wir einen bestimmten Knopf betätigen wollten. Knöpfe an Unterwassergehäusen sind sowieso ein Thema für sich. In tropischen Meeren, wo wir nie auf die Idee kämen mit Handschuhen zu filmen ergeben sich meistens keine Probleme mit den gängigen Bedienelementen. Tauchen wir aber im Winter in heimischen Gewässern, müssen die Bedienelemente notfalls auch mit dicken Neporen- oder gefütterten Trockentauchhandschuhen bedienbar sein. Auch hier kann man nur dazu raten, die Handschuhe bei der Gehäusevisite einmal anzuziehen – nur so erhält man einen direkten Einblick in die Bedienbarkeit aller Elemente.

Vorschwenkbare Filterhalterung(en)
Immer mehr Gehäusehersteller bieten vorschwenkbare Filterhalterungen in ihren Gehäusen an. Dabei wird in der Regel über eine mechanische Welle eine kleine Halterung innen im Gehäuse mit einem auswechselbaren Filter vor das Objektiv des Camcorders geschwenkt. Dieses Feature bietet uns die vorteilhafte Möglichkeit Korrekturfilter individuell nutzen zu können. Leider bieten die meisten am Markt befindlichen Gehäuse solchen Funktionen gar nicht und nur einige Hersteller bieten solche Features als Erweiterungen an. Ich würde mir diese Funktion immer einbauen lassen, sobald der Hersteller diese anbietet.

Die sichere Befestigung des Camcorders im Gehäuse
Die Sicherheit des Camcorders im Gehäuse hängt vollständig von seiner Befestigung ab. Neben einer Systemschiene auf der der Camcorder auf einer rutschfesten Matte mit einer Stativschaube befestigt wird, gehört auch eine entsprechende Arretierung dieser Schiene, damit diese nicht verrutschen kann. Der Camcorder oder das Objektiv könnten gegen die Rückwand oder die Frontscheibe schlagen und beschädigt werden. Prüfen Sie ob ein sicherer Sitz im Gehäuse gegeben ist. An dieser Stelle nochmal der Hinweis darauf, dass wir besonders über Wasser mit dem fertig vorbereiteten Gehäuse vor dem Tauchgang ganz besonders vorsichtig umgehen müssen. Schnell ist das System vom Tisch gestoßen und Stürze aus Tischhöhe haben schon viele System vollständig zerstört. Im Wasser hilft uns das Wasser selber schon durch seinen Widerstand stets langsame Bewegungen auszuführen. Aber Vorsicht, auch hier stößt man schon mal an, Sie sollten immer versuchen genügend Abstand einzuhalten.

Schneller und unkomplizierter Zugriff auf den Camcorder
Der schnelle und unkomplizierte Zugriff auf den Camcorder sorgt dafür, dass wir das System schnell wieder einsatzbereit machen können und wir so keine spannenden Szenen verpassen können. Das hängt allerdings auch etwas vom Camcorder ab. Die Sony HDR HC1 zum Beispiel muss für den Wechsel der Aufnahmekassette von der Systemschiene demontiert werden, was wesentlich aufwendiger ist, als zum Beispiel bei der Sony HDR HC7 die über ein seitliches Kassettenfach verfügt und auf der Systemschiene montiert bleiben kann. Allerdings befindet sich bei der HC7 die Taste für die Akkuhalterung am Boden des Camcorders, weshalb dieser für den Akkuwechsel von der Systemschiene demontiert werden muss. Bedeutet, hier muss man mit sehr großen Akkus arbeiten um einen häufigen Akkuwechsel zu vermeiden.

Sicheres Verschlusssystem des Gehäuses
Transport
Wer mit seiner Filmausrüstung gerne auf Reisen geht, sollte auf eine passende Verpackung achten. Einige Gehäuse werden heute direkt reisefertig im passenden Transportkoffer verkauft.
Das Verschlusssystem des Gehäuses sollte einfach zu bedienen sein, über eine Sicherung verfügen und nicht zu nahe an Bedienelementen angebracht sein. Das Verschlusssystem stellt in Zusammenarbeit mit den verwendeten O-Ringen die Dichtigkeit des Systems her. Aus diesem Grund sollten wir, wann immer wir das Gehäuse öffnen und schließen, mit besonderer Sorgfalt vorgehen. Ein Verkanten oder Verhaken, Anstoßen oder Quetschen führ hier schnell zu Beschädigungen. Die Techniken der Hersteller gehen hier auch teilweise von der Bedienung her weit auseinander. Die Funktion ist aber immer die gleiche. Die Gehäuserückwand wird mit hohem Druck gegen die O-Ringe gepresst und dichtet so das Gehäuse ab. Wir sollten uns beim Kauf auf jeden Fall die Funktion und die Handhabung des Verschlusssystems ausführlich erklären lassen. Dazu gehört auch die Pflege der O-Ringe. Wer seine O-Ringe nicht richtig pflegt, riskiert einen Wassereinbruch.

Nicht zu viel Luft im Gehäuse
Es ist für den Kameramann im Wasser schon schwierig genug sicher zu tauchen und dabei einen schönen und vor allem ruhigen Film zu drehen. Wenn man dann noch ein schlecht tariertes Gehäuse in den Händen hält hört der Spaß meistens schnell auf. Beim Kauf eines Gehäuses sollten wir darauf achten, dass nicht zuviel Luft unseren Camcorder umgibt. Je größer der ungenutzte Raum ist, desto mehr müssen wir an der Tarierung arbeiten. Das führt über Wasser dazu, dass wir schwere große Gehäuse mit uns herumschleppen und unter Wasser wegen der schieren Größe des Gehäuses viel Platz brauchen (den es in Wracks zum Beispiel nur selten gibt) oder gegen Strömungen zu kämpfen haben. Wenn wir uns für ein Universalgehäuse entscheiden, schleppen wir in der Regel immer etwas mehr Luft im Gehäuse mit uns herum als eigentlich notwenig. Spezialgehäuse passen da schon eher wie ein Maßanzug, kosten aber auch entsprechend mehr. Es gibt mittlerweile eine gute Auswahl von universell verwendbaren Gehäusen, die recht wenig ungenutzten Luftraum einschließen. Wir wählen also lieber das Gehäuse etwas kleiner um über wie unter Wasser nicht gegen das Gehäuse kämpfen zu müssen.

Gute Gewichtsverteilung / Griffposition/ Tarierungsmöglichkeiten
Die Gewichtsverteilung und die Griffposition sind ausschlaggebend dafür, ob uns das Filmen unter Wasser leicht fällt, oder ob nach zehn Minuten die Handgelenke schmerzen und nur noch wackelige Aufnahmen entstehen. Das Problem dabei ist, dass manche Gehäuse über Wasser teilweise einen katastrophalen Eindruck hinterlassen und unter Wasser sehr gut austariert fast schwerelos wirken. Hier spielt uns die Physik leicht einen Streich. Wünschenswert wäre es natürlich einen Testtauchgang mit dem Gehäuse machen zu können, um sich ein besseres Bild machen zu können. Das bietet aber so direkt kein Hersteller an. Hier empfehle ich gerne die Teilnahme an Workshops und Seminaren mit Leihsystemen. Hier bekommt man einen "echten" Eindruck. Wenn wir einen Fachhändler für unser Wunschgehäuse gefunden haben, sollten wir uns aber nicht gleich geschlagen geben, wir fragen ob ein Testtauchgang möglich ist – beim Neuwagenkauf gibt es auch eine Probefahrt und wer soviel Geld ausgeben möchte sollte nichts unversucht lassen. Griffe und deren Positionen sind übrigens von Hersteller zu Hersteller ganz unterschiedlich, auch hier der Tipp: Mit und ohne Handschuhe ausprobieren – nur so bekommt man einen Eindruck.

Montagemöglichkeiten für Beleuchtungsanlagen
Zu einer Filmausrüstung gehört auch eine Beleuchtungsanlage und die will auch sicher am Gehäuse montiert werden. Wer seine Gehäuse gleich mit einer Lichtanlage zusammen kauft hat, dem stellen sich diese Fragen nicht. Aber wer Gehäuse und Lichtanlage separat kauft, steht irgendwann vor dem Problem beides miteinander verbinden zu müssen; da ist es sehr nützlich wenn das Gehäuse die Anbringung von Beleuchtungsarmen und Akkuhaltern zulässt. Leider glänzen hier nicht alle Hersteller durch vorbildlich vorbereitete Gehäuse. Einige Hersteller haben das Problem vorbildlich gelöst und bieten gleich eine passende Lichtanlage mit an. Wer Interesse an einem solchen Komplettsystem hat, sollte sich beim Kauf ganz genau erklären lassen was die Beleuchtungsanlage kann und was nicht. Wer lieber Gehäuse und Beleuchtungsanlage separat einkauft, sollte prüfen, wie leicht beide Systeme zusammen montiert werden können. Je einfacher desto besser. Schließlich werden wir uns zur Hauptsache im Urlaub mit diesen Dingen beschäftigen und wer mag da schon den lieben langen Tag mit dem Werkzeugkasten und seinem Unterwassergehäuse rumbasteln. "Keep it simple" sollte unser Einkaufsmotto lauten!

Domeport Unterstützung
Transport
Domeports sind im Videobereich leider noch nicht so verbreitet wie wir uns das wünschen würden. Korrekturfilter erleben dafür zurzeit einen richtigen Boom! Neben Filtern für das Objektivgewinde sind auch einige Vorsatzfilter im Handel die während des Tauchgangs noch vor das Objektiv montiert werden können.
Was bei den Gehäusen aus der Unterwasserfotografie schon sehr lange etabliert ist, findet nur schwer den richtigen Weg ins Videolager. Die Rede ist von Domeports. Nur wenige Gehäusehersteller beschäftigen sich mit diesem Thema. Das kann aber auch daran liegen, dass die wenigsten Camcorder über Wechselobjektive verfügen. Je professioneller der verwendete Camcorder desto mehr Möglichkeiten bieten sich. Allerdings gehen dann auch schnell die Kosten in den professionellen Bereich.

Spiegel oder Monitor zur Aufnahmekontrolle
Günstige Gehäuse bieten in der Regel entweder eine direkte Einsicht in den Kamerasucher, was nicht unbedingt schlecht sein muss, aber wer filmt mit seinem Camcorder über den Sucher? Versuchen wir das einmal "trocken" und setzen uns die Tauchmaske dabei auf – schon schwieriger – jetzt kommen noch ein paar Zentimeter Abstand durch das Gehäuse dazu und schon sieht man nichts mehr. Eine gezielte Bildgestaltung wird dann schwierig. Eine Nummer besser sind da schon die Gehäuse die uns über einen Spiegel auf den Camcorder-Display blicken lassen. Hier haben wir schon eine sehr gute Übersicht über das was sich vor unserem Objektiv abspielt. Aber Vorsicht! Nicht jeder Camcorder kann das angezeigte Bild auf dem Display spiegelverkehrt darstellen, wodurch uns im Spiegel natürlich ein seitenverkehrtes Bild angezeigt wird – das macht es nicht gerade einfacher den kleinen bunten Fischen in die richtige Richtung zu folgen.

Einige Camcorder können das Bild auf dem Display spiegelverkehrt anzeigen, wodurch auch Gehäuse mit Spiegeleinblick sehr gut zu handhaben sind. Am besten ist aber ein zusätzliches Display auf der Gehäuserückseite. Diese in der Regel in der Mitte des Gehäuses angebrachten kleinen LCD-Monitore zeigen das Kamerabild und erlauben eine optimale Kameraführung und Bildgestaltung. Immer mehr Hersteller bieten ihre Gehäuse gleich mit einem solchen Monitor an, dabei sind diese Gehäuse nur unwesentlich teuerer als die Spiegelvarianten. Ich würde in jedem Fall zu einem "Monitorback" raten - die Vorteile in der Handhabung und in der Filmgestaltung überwiegen klar. Wer diesen Aufpreis nicht gleich bei der Anschaffung aufbringen möchte, kann bei einigen Gehäusen auch mit einer Spiegel- oder Suchervariante starten und dann zu einem späteren Zeitpunkt die Monitorrückwand nachrüsten.

Der Leckwarner
Der Alptraum jedes Unterwasserfilmers (und Fotografen natürlich auch) ist ein Wassereinbruch. Wenn das Gehäuse nicht gerade aus klarem Acryl gearbeitet ist bekommt man davon während des Tauchgangs höchstens dann etwas mit, wenn der Camcorder plötzlich seinen Geist aufgibt. Um das zu vermeiden, sollte das Gehäuse über einen elektronischen Leckwarner verfügen. Spürt der Sensor im Gehäuse Feuchtigkeit auf schlägt er Alarm. Meistens gibt es einen optischen Alarm der irgendwo am Gehäuse eine LED aufleuchten lässt. Wer diese LED im Blickfeld hat, kann entsprechend schnell reagieren. Wünschenswert wäre aus meiner Sicht auch ein akustischer Alarm. Wir kennen das alle von unsere piependen Tauchcomputern, die uns mahnen Tiefen und Tauchzeiten einzuhalten. Hier haben leider noch nicht viele Hersteller ihre Hausaufgaben gemacht. Nachrüstsets werden auch noch nicht angeboten, also muss man direkt beim Gehäusekauf darauf achten, dass ein solches System im Lieferumfang enthalten ist.

Kauf & Service
Wo kauf man denn nun sein Gehäuse am besten? Es gibt eine Menge Händler (meistens gut sortierte Tauchshops) die Unterwassergehäuse verkaufen. Einige bieten sogar Testtauchgänge vor dem Kauf an, aber das ist eher die große Ausnahme. Die meisten von uns schauen sich ihr Wunschgehäuse im Internet oder auf Messen an und bestellen dann auch dort. Ich kann an dieser Stelle nur den Rat geben, sich das gewünschte Gehäuse in Ruhe einmal anzusehen – Fragen zu stellen und sich ein Bild von dem zu machen, was man da kauft. Trotzdem, man sollte seinen Händler kennen, besser ist besser. Bei einen Gespräch kann man dann auch gleich die Servicemöglichkeiten besprechen und klären wie man schnell an notwendiges Zubehör und Ersatzteile kommt. Besonders bei O-Ringen empfiehlt es sich immer "noch einen" Satz in der Werkzeugbox zu haben. Serviceintervalle sollten auch besprochen werden. Die Hersteller bieten hier ganz unterschiedliche Dienstleistungen an. Einige lassen sich wirklich jede Kleinigkeit gut bezahlen, andere bieten kostenlose System-Tests und wieder andere haben auch für Kundenwünsche und Modifikationen ein offenes Ohr und passen gerne einmal Sonderzubehör an. Wie gesagt, die Serviceleistungen sind ganz unterschiedlich, da ist es gut, wenn der Hersteller/Verkäufer auch etwas über Wartungsintervalle und Reparaturlaufzeiten sagt. Wer sein Gehäuse im Ausland kauft, hat meistens lange Wartezeiten und mögliche Kommunikationsschwierigkeiten vor sich. Da macht die Suche nach einem regionalen Distributor schon Sinn.

Der Transport
Solange wir unsere Filmausrüstung mit dem eigenen PKW zu unserem Lieblingssee transportieren müssen stellen sich keine großen Probleme ein. Erst wenn der nächste Tauchurlaub nach Südostasien oder in die Karibik gebucht wurde fragt man sich – wie bekomme ich diese Ausrüstung heil zum Zielort. Je leichter die Ausrüstung desto besser kommen wir mit den vorgegebenen Gewichten hin – und das wird schwierig, haben wir doch auch noch unsere "norma"le Tauchausrüstung zu transportieren. Das spricht also für kleinere Camcorder und raumsparende Gehäuse, vorzugsweise gleich in einem dafür vorgesehenen Transportkoffer der auch Platz für die Lichtanlage bietet. Da wird sich die Freundin/Frau bedanken, wenn Sie anstelle ihrer sonst handlichen Schultertasche einen fünf bis zehn Kilo schweren Kunststoffkoffer mit ins Flugzeug schleppen darf. Entweder das oder sie nimmt die nicht unbedingt leichtere Laptoptasche die auch den Camcorder beinhaltet. Wir sehen, auf eine gute Verteilung kommt es an. Manche Metallgehäuse lassen sich in ihre Grundbestandteile zerlegen und können so auch im normalen Koffer zwischen Shorts und Bikini transportiert werden. Glücklich ist derjenige, der nur einen kleinen Koffer als Handgepäck mitnehmen muss. Auch hier gilt je professioneller, desto schwieriger ist der Transport.

Wir sehen, es gibt einiges zu beachten und zumindest zu überdenken bevor man sein Geld in ein Gehäuse investiert.
Gebraucht kaufen?
Noch ein Wort zum Kauf von gebrauchten Gehäusen. Grundsätzlich sollte hier die Vorsicht überwiegen. Warum wird das System verkauft? Wenn der Verkäufer stolz das Nachfolgemodell aus dem Schrank zaubert ist das Argument "wegen Systemwechsel" die richtige Antwort. Auf jeden Fall interessieren uns die harten Fakten. Wie alt ist das Gehäuse? Wann war der letzte Tauchgang? Wann war die letzte Serviceinspektion? Gab es jemals Wassereinbrüche? Funktioniert alles? Systeme die lange nicht getaucht haben, sollten zuerst zum Hersteller zurück und dort für den zweiten Frühling fit gemacht werden. Das kostet zwar eine Kleinigkeit, aber sicher ist sicher. Bei eBay wird grundsätzlich gelogen, dass sich die Browser-Balken biegen. Ich habe selber einiges an Erfahrungen hier sammeln können. Da werden Gehäuse verkauft, die angeblich problemlos gleich ins Wasser können. Bei der ersten Sichtkontrolle dann aber eher die Entscheidung für die Schrottpresse als für das Tauchschiff gefällt wird. Wir haben alle kein Geld zu verschenken, deshalb sollte man sich gut überlegen, ob man ein gebrauchtes Gehäuse kauft und sich damit eine Menge Ärger einhandelt oder für etwas mehr Geld bei einem Fachhändler kauft, der uns gut bedient und berät und bei Serviceanfragen auch schon mal einen Freundschaftspreis macht.
Fazit
Bevor wir uns nun für ein Gehäuse entscheiden, sollten wir uns ein Bild von den am Markt befindlichen Gehäusen machen. Auch wenn die Händler nicht unbedingt gleich um die Ecke zu finden sind, hilft uns das Internet doch recht gut uns ein Bild von dem zu machen, was die modernen Gehäuse uns zu bieten haben. Messe- und Listenpreise weichen oft merklich von einander ab, so das wir uns schon überlegen sollten, unser Wunschgehäuse vielleicht doch auf einer Messe zu kaufen. Fakt ist, wir werden bei all den Funktionen und Möglichkeiten immer einen Kompromiss eingehen müssen. Kein Hersteller hat "das" Gehäuse im Angebot das alle unsere Anforderungen hundertprozentig erfüllt. Manchmal ist es aber auch nur der hohe Anschaffungspreis, der uns die eine oder andere Funktion am Gehäuse verwehrt. Hier liegt die Entscheidung schlussendlich bei jedem einzelnen von uns wie weit wir gehen und was uns unser Hobby an dieser Stelle wert ist.
Vorschau Artikel #4
Im nächsten Artikel wird es um Licht und Schatten gehen, denn das Thema lautet dann "Beleuchtungssysteme für Unterwasserfilmer". Wir werden wir uns einige Beleuchtungssysteme und deren Wirkungsweise anschauen und dabei die wichtigsten Leistungsmerkmale ansprechen. Wenn Ihnen auch ein Licht aufgehen soll, klicken Sie uns in 14 Tagen wieder an. Bis dahin...


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