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posted by Detlef Randerath on 2007/02/01

U/W-Videoschule #1 :: Wenn die Bilder laufen lernen

Wenn Bilder Laufen Lernen
Eine Einführung in die Unterwasservideografie von Detlef Randerath


Prolog
Dieser Artikel ist der erste einer Serie von Artikeln, die euch das Unterwasserfilmen näher bringen wird. Dabei werden wir alle Facetten dieses Themas berühren und anhand von zahlreichen Beispielen zeigen was der Unterwasserfilm für die moderne Menschheit bedeutet und was die Bilder aus der Tiefe zu leisten im Stande sind. Wir wollen keine blauäugige Betrachtung, noch eine technische Lobpreisung dieses Themas, sondern einen Leitfaden, der Anregungen gibt und euch den Einstieg vereinfacht. Ihr werdet hier auch nicht das Drehbuch für einen atemberaubenden Unterwasser-Thriller finden. Wir werden euch die Bausteine, wie sie auch bei Dokumentationen genutzt werden, zeigen und euch die wichtigsten Informationen mit auf den Weg geben, damit ihr den Camcorder in die Hand nehmen könnt und eure Eindrücke aus den Tiefen der Meere für den Rest der Menschheit an die Oberfläche bringt. Und nicht zuletzt zeigen wir euch wie ihr euer aufgenommenes Material Schritt für Schritt bearbeitet, um gute Unterwasserfilme entstehen zu lassen.
Für wen ist dieser Artikel geschrieben?
Der Artikel ist für alle diejenigen, die schon mit dem Gedanken gespielt haben unter Wasser zu filmen. Für diejenigen, die sich nach jedem Tauchgang häufig fragten, was wohl wäre, wenn du die Bilder, die du eben beim Tauchen erlebt hast, mit an die Oberfläche brächten. Für diejenigen, die mit Ihrem Camcorder filmen, die Familie, die Freunde und ihre Umgebung und sich neue Abenteuer wünschen.
Für Unterwasserfotografen – öffnet euch dieser Artikel doch die Augen dann gänzlich und zeigt euch, dass die Unterwasserfotografie nur der Anfang für ein wesentlich größeres Abenteuer ist, das noch mehr Möglichkeiten bietet Geschichten und Zusammenhänge zu zeigen und zu erklären. Geh' diesen Weg – machen dich auf ins Abenteuer.
Rückblende: Probleme & Pioniere
Es ist gerade fünfzig Jahre her, dass Jacques-Yves Cousteau nach vielen Kurzfilmdokumentationen, die in den Jahren 1942 bis 1956 entstanden mit seinem ersten großen Kinofilm „The Silent World“ (1956) einen Oscar in Hollywood und die begehrte Goldene Palme in Cannes für einen Unterwasserfilm erhielt. Natürlich war es im Jahre 1956 auch das dramatische Plakat für den Film, dass die Menschen in die Kinos lockte. Was die Zuschauer zu sehen bekamen, verschlug ihnen den Atem. Nie zuvor gesehene Bilder erklärten einleuchtend und unterhaltsam die „wahren“ Zusammenhänge und führten sie in eine neue noch unentdeckte Welt. Cousteau sollte, Pionier und Vorbild für Generationen von Sporttauchern und Filmemachern werden.

The Silent World So leicht wie diese Geschichte hier klingt, war es nicht für Jacques Cousteau seine Ziele zu erreichen. Als Marineoffizier beschäftigte er sich früh mit dem Tauchen. Dabei galt sein Interesse immer der Verlängerung der Tauchzeiten. Er war fest davon überzeugt, dass eine künstliche Lunge es ihm ermöglichen könnte, frei wie ein Fisch im Wasser zu schwimmen. Inspiriert durch die Tauchexperimente des Österreichers Hans Heinrich Romulus Hass, der mit umgebauten Uboot-Rettungsgeräten experimentierte, begann Cousteau die Entwicklung eines eigenen Tauchgeräts. Zusammen mit seinem Freund Georges Commeinhes und dem Ingenieur Emile Gagnan, entwickelte er schließlich die „Aqualunge“ auf deren Grundprinzipien, noch alle heute verkauften Lungenautomaten basieren. Cousteau schlug mit dieser Erfindung eine neue Seite in den Geschichtsbüchern auf.

Die Tauchgänge, die er nun mit seiner Crew im Rahmen der Meeresforschung durchführte, förderten Tauchgang für Tauchgang neues Wissen an die Wasseroberfläche. „Die Welt muss erleben, was wir im Meer finden“ sagte Cousteau und begann mit der Entwicklung von wasserdichten Gehäusen für seine Filmkameras. Neben zahlreichen Gehäusen entstanden binnen kurzer Zeit auch kabelversorgte Unterwasserlampen, die Licht ins Dunkel der Meere brachten. Die Filme die Cousteau in den folgenden Jahrzehnten schuf prägten Generationen von Sporttauchern und Schnorchlern. Es war aber nicht nur Cousteau, sondern auch und für den deutschsprachigen Raum besonders Hans Hass, der fast zeitgleich seinen forschenden Blick in die Weltmeere richtete. Hans Hass studierte Zoologie und lernte während seiner Maturareise 1937 seine Liebe für die Meere kennen und schuf ausgehend von seinem Forschungsschiff der Xarifa ebenso erfolgreiche Filme wie Kapitän Cousteau. Neben fünf wichtigen Wissenschaftspreisen erhielt Professor Hass auch einen Oscar für seinen Film „Unternehmen Xarifa“ im Jahr 1959.

In den sechziger und siebziger Jahren liefen die Dokumentarfilme beider Forscher und Erfinder über die Fernsehsender und ermöglichten uns einen bequemen Blick aus dem Fernsehsessel in die Tiefen der Weltmeere. Beide steckten ihr gesamtes Tun, ihre Lebensziele und all ihre Kraft in diese Projekte und gelten zu Recht, als Wegbereiter des Tauchsports und der Unterwasserfotografie und des Unterwasserfilms.
50 Jahre später – 2007
Ja die Unterwasserfotografie ist etabliert! Keine Frage. Woran wir das merken? Man muss doch nur eins der einschlägigen Fachmagazine zum Thema Tauchen aufschlagen um zu bemerken, dass es mittlerweile viele Profifotografen gibt die Monat für Monat wundervolle Fotos in den Magazinen veröffentlichen. Es sind immer wieder diese Fotos, die uns Taucher an die Tauchspots nach Ägypten, nach Südostasien oder in die Karibik ziehen. Wir haben es alle oft genug selber gesehen. Im Urlaub auf den Tauchschiffen. Die Unterwasserfotografen, die während der Oberflächenpause ihre Ausrüstung pflegen und fertig machen für den nächsten Tauchgang. Bei den Tauchgängen bleiben Sie aus oft unverständlichen Gründen immer wieder zurück und blitzen in die Korallengärten. Dank der immer beliebter werdenden digitalen Fotografie entfallen, die sonst kostspieligen und zeitraubenden Filmentwicklungen und wenn man Glück hat, darf man auf einen der winzigen Displays einen Blick auf ein gerade gemachtes Foto erhaschen. Da wirkt die abendliche Präsentation der neuen Fotoausbeute auf einem Laptop in der Tauchbasis fast schon wie eine vorweihnachtliche Bescherung und die Qualität der Fotos überrascht alle Zuschauer mehr und mehr.
Taucher und die Fotografie
Heute im Zeitalter der ditigalen Fotografie geht man zu einem Electronic-Discounter und kauft für wenige hundert Euro eine digitale Kamera, die so klein ist, dass man sie bequem in der Jackentasche immer dabei haben kann. Technologisch bilden diese Geräte alle Möglichkeiten ab, die man sich nur wünschen kann und in der Regel erhält man auch auf Nachfrage gleich ein passendes Kunststoffgehäuse damit die neue Kamera uns bis an die Grenze der Sporttauchtiefen begleiten kann. Günstige Speicherchips erlauben es uns dann noch hunderte von hochauflösenden Fotos auf fingernagelgroße Speicherkarten zu speichern. Leicht zu transportieren und extrem ergiebig in der Auslastung.

Das sind keine Fiktionen sondern Tatsachen! Für unter fünfhundert Euro kann jeder ambitionierte Taucher zum Unterwasserfotografen werden und dank zielgerichteter und fundierter Sonderkurse wird aus einem Sporttaucher ein brevetierter Unterwasserfotograf, der um den Umweltschutz bemüht mit seiner Kamera umgehen kann und die selbstgemachten Fotos, auf dem heimischen PC richtig zu retouchieren, weis. Schon fühlt man den Forscherdrang eines Cousteau durch seine Adern fließen und vom Ehrgeiz gepackt, werden immer anspruchsvollere Fotoexkursionen unternommen, um noch bessere Bilder zu machen. Die Ausrüstung wächst und wächst und längst ist man der digitalen „Knipse“ entwachsen und arbeitet mit Megapixel-Spiegelreflexkameras in Karbongehäusen mit Domeport und externen Blitzsystemen. Dank Photoshop-Software, werden störende Schwebeteilchen entfernt – Farbstiche korrigiert und störende Bildausschnitte einfach entfernt. Das Ergebnis sind professionelle Fotos, die selbst den Ansprüchen der Hochglanzmagazine genüge tun.
Das ist der Weg der Fotografen, deren Werke, wie schon gesagt Hochglanzmagazine zieren und in Rahmen gefasst, die Wände unserer Wohnungen in Korallenriffe verwandeln.

Diejenigen Sporttaucher, die immer schon in bewegten Bildern dachten – die bereits einen Camcorder besitzen, um Familie und Freunde im Film festzuhalten, haben einen anderen Weg vor sich. Wie war das im letzten Tauchurlaub?! Fotografen gab es irgendwie doch auf jeder Ausfahrt mit den Tauchschiffen. Mit mehr oder weniger großen Gehäusen machten sie sich auf den Weg und einige von ihnen hatten es voll drauf und zeigten schon während der abendlichen Rückfahrt tolle Fotos auf den Displays der Kameras. Sie erinnern sich, das auf einer Tauchausfahrt auch einmal ein Filmer dabei war. Schwer bepackt mit einem großen Unterwassergehäuse und riesigen Akkus für die Lichtanlage. Auf dem Schiff wurde er noch belächelt wegen der Schlepperei, doch als seine Filmlichtanlage das nächtliche Riff aufhellte, um das Treiben im Riff bei Nacht auf Film zu verewigen, waren einige Taucher doch beeindruckt und fragten sich, warum ihre teure Tauchlampe da nicht mithalten konnte. Zu gucken gab es aber auf der Rückfahrt leider nichts. Der Kameramann lud dann alle zu einem Screening in der Tauchbasis ein, wo er seinen Camcorder mit Kabeln an den Fernseher anklemmte und seine „Rohaufnahmen“ zeigte.

Bingo das war es – beeindruckt guckten alle auf den Rotfeuerfisch, der majestätisch langsam auf die Kamera zuschwamm und die große Muräne, die sich von einem Putzerfisch die Zähne putzen ließ. Es war dann wohl irgendwo zwischen Feuerfisch und Muräne, als man erkannte, Fotografie ist grandios, aber Filme erzählen Geschichten und Abläufe, ohne dass man sich dafür abmühen musste. Alles war authentisch – die reine Natur. Hier fängt ihre Geschichte an, hier stehen Sie nun und fragen sich „auf was lasse ich mich bei der Unterwasservideografie ein?“ Auf ein Abenteuer aus der Sicht des Sportauchers, auf einen Lehrgang durch die moderne Technologie und direkt in die Schule der Filmemacher. Fortan wird jeder Unterwasserfilmbericht im Fernsehen, ein Workshop und zur kostenlosen Schulungsstunde für werdende Kameramänner und Filmcutter sein.

Da wo der Unterwasserfotograf seine Arbeit nach der Retouche in Photoshop beendet und einen großformatigen Hochglanzabzug über das Internet bestellt, fängt für Sie die Arbeit erst an. Lass mich dazu einen einfachen Vergleich anstellen, um zu zeigen, wie viel mehr Arbeit es für dich sein wird, bis ihr fertiger Film präsentiert werden kann.

Gute Hobbyfotografen, kopieren ihre Fotos gleich Abends im Hotelzimmer auf das mitgebrachte Laptop. Von 120 Aufnahmen bleiben ca. fünfzig übrig, die als Kandidat für ein gutes Bild durchgehen könnten. Von diesen fünfzig kommen vielleicht zehn in den Retoucheprozess, um das letzte Quäntchen Qualität herauszukitzeln. Bei guten Fotos dauert die Retouche eine bis zwei Stunden, in der Regel weniger. Von einem zweiwöchigen Urlaub bleiben ca. fünfzig tolle Aufnahmen zurück die Überarbeitet werden. Das schaffen Sie in ihrer Freizeit locker binnen 14 Tagen – dann steht die neue „Fotomappe“ und ihre Tauchfreunde werden beim nächsten Treffen reichlich neidische Blicke auf ihre Fotos werfen können. Beim Film ist das anders.

Ein ambitionierter Filmer erzeugt in einem vierzehntägigen Tauchurlaub leicht mehr, als zehn Stunden Filmmaterial. Ein Laptop hilft ihnen im Urlaub nicht weiter, deshalb bleibt es auch zuhause, da findet nach dem Urlaub dann auch das Schneiden und Montieren statt. Nach einem ersten Screening (Anschauen), bei dem Sie das ganze Material noch einmal in voller Länge ansehen, haben Sie eine Liste der Filmkassetten mit Timecodes, um die gewünschten Szenen auf den PC zu übertragen. Je schneller der von ihnen zum Schneiden verwendete PC ist, umso schneller haben Sie ihren Film fertig. Grob geschätzt benötigen Sie jetzt beim Schneiden, Nachvertonen mit Kommentaren und Hintergrundmusik ca. 3-5 Stunden Arbeit für jede laufende Minute Film. Wenn Sie also einen dreißig Minuten Film auf DVD erstellen möchten, sollten Sie mit einem Arbeitsaufwand zwischen neunzig und hundertfünfzig Stunden Aufwand rechnen. Wenn Sie natürlich nur die Szenen aneinander schneiden, geht das natürlich viel schneller. Aber es ist genau dieser Arbeitsprozess, der aus ihren Filmaufnahmen einen richtigen Film, macht. Vorspann, Hintergrundmusik, Kommentare, Text und Grafikeinblendungen und ein gekonnter Schnitt machen aus ihren Aufnahmen erst einen „Film“ den andere gerne ansehen. Natürlich ist das mehr Arbeit wie bei der Fotografie, aber dafür erzählen Sie eine Geschichte, erzeugen einen Spannungsbogen und vermitteln Stimmungen, die die Fotografie nicht transportieren kann (und soll). Während des Tauchurlaubs werden sie nicht mehr und nicht weniger Arbeit mit ihrem Film und der dazu notwendigen Ausrüstung haben als die Fotografen auf den Tauchschiff. Zuhause nehmen Sie sich Zeit und wenn die Fotos der Fotografen schon kein Thema mehr sind präsentieren Sie, ihren Tauchfreunden ihren Film auf DVD oder sogar im Internet. Sie müssen nicht erklären das Foto war am Riff XY und dieser Fisch lag in einer Tila vor Medhu Irgendwo. Ihr Film spricht für Sie, erzählt ihre Geschichte und erklärt sich von selbst. Das ist der Unterschied!

Die kommenden Artikel werden ihnen anhand der aktuellen Möglichkeiten den Einstieg in die Unterwasservideografie erklären. Dabei kommen Tauchfähigkeiten, technisches Know-how und ein gutes Gefühl für Gestaltung genauso auf den Plan, wie der Umwelt- und Naturschutz. Verlieren Sie jetzt keine Zeit, schnappen Sie sich die Anleitung für ihren Camcorder und lernen Sie das Gerät richtig verstehen, um für den nächsten Artikel gut vorbereitet zu sein, wenn dann die Bilder für Sie laufen lernen.
U/W-Videoschule #2 :: Grundlagen der Camcorder-Technologien ››


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Erschienen in: Videoschule | UW-Videografie
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comments

Sehr schön geschrieben Detlef!
Wann komen die nächsten Teile?

VG

Christian

posted by Christian F. on 2007/02/05 Germany

Hallo zusammen,

der nächste Teil "Kamerakunde" kommt am 15. Februar heraus. Ich werden dann alle 14 Tage einen neuen Artikel für euch bereitstellen. Die Artikelserie soll über das ganze Jahr 2007 laufen.

Viele Grüße
Detlef Randerath

posted by Detlef Randerath on 2007/02/05 Germany

Hallo Detlef,
der Bericht ist wirklich klasse. Bin schon gespannt auf die nächsten Teile. Wenn das so weitergeht muß ich mir ja doch noch überlegen, ob ich nicht von der UW-Fotografie zu den bewegten Bildern wechsel.

LG
Heiko

posted by .(JavaScript must be enabled to view this email address) on 2007/02/13 Europe

Detlef,

da hast Du Dir aber was vorgenommen.
Ich freue mcih auf jeden Fall!

Evtl. sollte man bei deisem geplanten Umfang was
an der Darstellung ändern. Z.B. eine eigene
Ausgangsseite (http://www.digideep.com/videoschule)
von welcher auf die jeweiligen Artikel verlinkt wird.
Auf diese Art gehen ältere Artikel nicht unter und
können von "Neueinsteigern" immer wieder schnell
aufgefunden werden.

VG

Christian

posted by Christian F. on 2007/02/13 Hungary

Hi Christian,

vielen Dank für die Anmerkung. Übrigens kannst du die Artikel jetzt schon unter:

http://www.digideep.com/deutsch/artikel/category/Videoschule

finden. wink.

Ausserdem werden alle Titel untereinander verlinkt sein smile.

/lars

posted by Lars Kirchhoff on 2007/02/13 Europe

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