Als ich mich im August 2005 für meine erste Tauchsafari in Indonesien entschied, war ich mir anfangs überhaupt nicht sicher, ob ich die Vorraussetzungen für die als anspruchsvoll beschriebenen Tauchgänge auf Indonesien erfüllen sollte. Von starker Strömung war die Rede, Strömungsboje sei erforderlich, 60 Tauchgänge vorausgesetzt.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich in Sachen Strömung noch nicht allzu viele Erfahrungen sammeln dürfen. Mit 60 Tauchgängen, die ich damals vorweisen konnte, auch fast klar.
Hatte ich zuvor erst 1 mal an der Playa del Carmen in Mexico getaucht und zweimal in Sharm el Sheikh in Ägypten am Sinai.
Die Playa, bekannt für leichte Tauchgänge, war dann auch komplett strömungsfrei. Gut so, denn dort habe ich das Tauchen gelernt.
Sharm war da schon ein bisschen anders. Die ersten Tauchgänge waren leicht, irgendwann ging es aber zur Straße von Tiran.
Zu den üblichen Verdächtigen, Woodhouse Reef, Thomas Reef, Gordon Reef und nicht zu vergessen - Jackson Reef.
Dort herrschten leichte bis mittlere Strömungsverhältnisse, die mir zum ersten Mal bewusst machten, was Strömung eigentlich bedeutet, insbesondere, wenn man sich, leichtsinnig wie ich es war, für den Kauf der Tauchflosse Volo von Mares entschieden hatte.
(In einem anderen Beitrag möchte ich auf das Thema noch mal näher eingehen, hier sei kurz angemerkt: Bei Strömung ist die Flosse untragbar.)
Ich hatte ganz schön zu paddeln und konnte mir einen Eindruck verschaffen, was es heißt, unter Wasser ins Schwitzen zu kommen, aber
im Grunde war das noch als “Badewannentauchen” abzutun.
Ras Mohammed, an der Südspitze des Sinai wartete mit Steilwandtauchgängen auf, Strömung gab es nur am Wrack der Jolanda, dafür aber nicht zu schwach.
Nur hat man hier genügend Möglichkeiten, hinter einem Wrackteil in Deckung zu gehen und im Strömungsschatten auszuruhen.
Und damit war das Thema Strömungstauchen auch schon abgehakt, mehr Erfahrung konnte ich damals noch nicht vorweisen…
Als ich die Reisebestätigung bekam, blieb zunächst ein mulmiges Gefühl, aber die TauchbootCrew, mit der ich zuvor via Email Kontakt aufgenommen hatte, versicherte mir, dass die Tauchgänge mit meiner Taucherfahrung machbar seien… “machbar"… schönschön, aber auch für mich?
Ich sollte es sehen.
Insgesamt hatte ich 3,5 Wochen für die Reise veranschlagt.
Der Plan war zunächst die ersten 14 Tage in Bali zu verbringen, mit 5-tägiger Rundreise und allem Pipapo. Bali, ein Traum, die Menschen freundlich, zuvorkommend, die Tempelanlagen schön, die Handwerkskunst filigran usw.
>>Kommen wir doch endlich mal zum Tauchen!<<
Gegen Ende des Baliaufenthaltes konnte ich es nicht mehr erwarten, und so kam er dann Gott sei Dank, der langersehnte Tag…
Einschiffen auf der Adelaar…
Von unserem Guide Richard wurden wir im Hotel abgeholt, nach ca. 1 Stunde Transfer warem wir endlich am Ziel.
Per Schlauchboot ging es dann zum Schiff… auf den ersten Blick wirkte der Schoner nicht so imposant, wie im Katalog, mit der jedoch
Zeit offenbarte die Adelaar jedoch ihren Charme. Insgesamt ein komfortables Boot, die Kabinen entsprechend geräumig.
Großes Lob in diesem Zusammenhang auch an die Crew, die sehr nett und zuvorkommend war. Gerätschaften wurden von den Jungs
aufgerödelt, wir mussten nur duschen und selbst aus dem Tauchanzug wurde einem auf Wunsch geholfen. Das Essen war hervorragend und abwechslungsreich (Wer es nicht scharf mag sollte dies eventuell vor der Reise anmerken).
Nachdem obligatorischen Checkdive, den wir an einem unspektakulären Tauchplatz vornahmen, ging die große Fahrt auch schon los.
Richtungsvorgabe: Komodo.
Alle weiteren Tauchgänge wurden immer besser und besser, bis wir alle nicht mehr aus dem Staunen herauskamen.
Und je weiter es Richtung Komodo ging, desto schöner auch die Tauchgänge.
Die Tauchplätze variierten, waren ebenso verschieden wie die Lageplätze selbst.
Völlig unspektakuläre Sandbuchten, die bei näherem Hinsehen doch viel Spektakuläres boten - nämlich “merwürdiges Kleinzeug”, das bei der gesamten Tauchgruppe einen
nie gesehenen Jagdtrieb zum Vorschein brachte… jeder wollte den nächsten Grasfetzenfisch oder den nächsten Krötenfisch, die nächste Prachtsternschnecke usw. entdecken.
Wunderschöne Hart- und Weichkorallenformationen waren fast immer an der Tagesordnung ebenso wie die Bouillabaisse, in der wir schwammen.
Mit Anemonen übersehte Korallenformationen, die erst bei Nacht ihre strahlende orangefarbene Pracht zur Geltung brachten bis hin zu dem “Ritt auf dem Stier”,
dem Tauchplatz El Torro, wo ich meinen ersten Manta gesehen habe sowie die Büffelpapageienschule, die nicht minder beeindruckend war.
Das Beste an diesem Tauchgang zum Schluß, der Ritt auf dem Stier selbst. Das Riff vor dem Torro lässt sich wie ein Kessel beschreiben, über Jahrmillionen muss hier wohl die Riffformation ausgewaschen worden sein, so dass die bereits beschriebene Kesselform entstanden ist.
Was von dem schönen Riff noch immer da war, wurde auch von reichlich Strömung eingedeckt. So hieß es, nachdem alle markanten Stellen abgetaucht waren, hinter eine Koralle im Strömungsschatten Platz nehmen und warten, bis sich der Rest der Truppe gesammelt hatte. An der Riffwand wurden wir dann langsam von der Strömung Richtung Riffdach getragen.
Und bevor wir die Schneise, die die Meeresbewegung in das Riffdach gefräst hatte, überhaupt sehen konnten, erfasste uns ein unglaublicher Sog, der uns geradezu über das Riffdach schoß.




