Dear all,
nach diversen bilateralen Konversationen mit nun schon einer Menge Leuten und ein paar Selbstversuchen möchte ich ein paar Erkenntnisse zum Thema Weitwinkel weitergeben, die dem einen oder anderen schlimme Erfahrungen ersparen dürfen. Vorweg, es gibt hier ein paar threads dazu, also ruhig mal weiter suchen, wer tiefer einsteigen will.
1. HD ist anders
Die Optiken der HD Cams sind, sagen wir mal, sensibel. Nicht auf gute Tests aus anderen Anwendungsbereichen vertrauen. Ein tolles Weitwinkel auf der alten Videocam liefert auf der neuen HD wahrscheinlich murks (Beleg: Ansonsten gutes Inon UWL-100 auf einem Ikelite und HV10 schlicht nicht zu gebrauchen). Wenn nicht bereits “HD” drauf steht, mindestens Vorsicht, besser sogar gleich Finger weg.
2. Jede Kamera ist anders
Was bei dem einen passt, passt beim nächsten nicht. (Beleg: Ich habe eine zuverlässige Aussage eines Filmers, der ein Raynox HD5050 in einem Ikelite mit Planport und einer Canon HV10 verwendet - sehr gut. Ich habe eine zuverlässige Aussage eines Filmers, der das gleiche Raynox in ebenfalls einem Ikelite mit Planport mit einer Sony HC1 verwendet, die reine Katastrophe, da ist der Planport dann zu lang. Auch schön: Auf einer Canon HV10 schreiben viele Filmer, dass das Raynox HD5050 dem Raynox HD6600 überlegen sei; auf einer HV20 getestet (siehe unten) ist jedoch das HD6600 die bessere Wahl).
3. Andere Ports sind nicht sicher
Wenn sein Weitwinkel für “innen” gefunden ist (einfacher, weil größere community und deshalb mehr Erfahrungsberichte), so muss man mit Sicherheit den Port wechseln um Platz zu schaffen. Wenn das dann nicht haargenau zu Objektiv und Cam passt, endet es in Abschattungen. So mehrfach geschehen.
4. Nur auf Erfahrungen vertrauen
Die meisten Herstellerangaben zur Passigkeit stimmen leider nicht. Dort werden Kombinationen angepriesen, die in der Realität nicht gehen. Unbedingt persönliche Erfahrungen anderer einholen. Unbedingt selbst testen.
5. Nicht erst auf der Safari…
Unbedingt testen bevor es ernst wird. Und zwar den kompletten workflow. Es ist schon vielen passiert, dass auf dem Monitor der Kamera alles gut aussah und erst Wochen später in der Postproduction die Vignettierung, die Randabschattung und furchtbare Unschärfen sichtbar wurden. Die Monitore der Cams zeigen in der Regel nicht alles an.
6. Rückgeben können
Ich breche in dem Fall eine Lanze für kompetente Fachhändler in der Nähe. Das ist die Sicherheit, umtauschen zu können, wenn es nicht zusammen passt.
7. Nur das beste nehmen
Wir alle sparen gern, aber die HD Cams sind so gut, dass ein schlechtes WW Objektiv enorm auffällt. Ich muss leider sagen, nur die besten und teuersten lohnen überhaupt den Versuch, alles andere kommt schwammig daher oder schlimmer.
8. Try out
Wer sich für Lösungen im Gehäuse entscheidet, der sollte einmal in Erwägung ziehen die in die enge Wahl gezogenenen Objektive bei Amazon oder einem anderen großen Händler online zu bestellen, zu testen und dann ggf. die falschen zurück zu geben und das beste zu behalten. Das ist ein verbrieftes Recht und funktioniert bei großen Händlern und Fotoshops seriös.
Bei Naß-WW für spezielle Gehäuse außen hingegen sind die Gehäusehandler Spezialisten und werden immer Rücknahme bei Nichtgefallen ermöglichen. Das ist m.E. ein Muss und sollte auch vereinbart werden, denn Vorsicht, ein Händer nimmt ohne Vereinbarung nicht zurück, wenn das Objektiv im Wasser war. Also lieber Test im Schwimmbad explizit vereinbaren.
9. Herstellerangaben sind oft falsch
So ist es leider. Oft testen die Hersteller in einer bestimmten Kombination und hoffen dann, es passt so auch in einer ähnlichen. Oft sind Angaben einfach falsch (Beleg: Raynox schreibt, das HD5050 WW sollte mit einem kleinen Adapterring auf einer Canon HV10 verwendet werden, es würde sonst an der Linsenabdeckung klemmen. Das ist leider völlig falsch. Es bleibt nicht an der Abdeckung hängen, und verwendet man den Abstandsadapter, so bekommt man zum Dank eine kleine Abschattung rechts - die man erst in der Postproduction sieht!).
10. Portwechsel oder Objektiv aufschrauen?
Da kann man auch noch hübsche Überraschungen erleben. Denn nicht immer ist ein Naß-WW ein aufschraubbares Wechselobjektiv. Wer sich z.B. für das oft hoch gelobte Fathom WP-80 für Ikelite Objektiv entscheidet, der verbaut es fest in seinem Gehäuse und tauscht es gegen seinen vorhandenen Port. Dafür sprechen optische Gründe, weil ein Bild nicht dadurch besser wird, dass es durch zwei Optiken muss und einen zwangsäufig längeren Weg durch zwei Optiken geht. Deshalb genau prüfen, wofür man sich entscheidet.
Bei manchen Gehäusebauern ist das Wechseln der Optik vorgesehen. Bei manchen ist die Optik fest verbaut und das Wechseln ist zwar technisch möglich, aber wer garantiert die Dichtigkeit? Was ist mit der Garantie? Zudem ist das sicher nicht auf einem Safariboot anzuraten. Wer die Optik des Gehäuses durch eine WW-Optik austauscht statt ein WW vorn aufzuschrauben oder innen aufzuschrauben, darf zwar in der Regel gute Ergebnisse erwarten, ist aber auf diese Optik dann festgelegt. Und dann macht man nicht einmal schnell eine Makroliste drauf…
Gruß Greg






