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posted by .(JavaScript must be enabled to view this email address) on 2008/03/11

Sea&Sea YS-110 Unterwasserblitz Erfahrungsbericht

Sea & Sea YS-110 Testbericht

Einleitung
Sonne, Meer, große Sichtweiten: Ideale Bedingungen für meine Canon 400D mit einem Sigma-15mm-Objektiv im Hugyfot-Gehäuse - auch ohne Blitz. Doch im bewölkten Deutschland, in meist trüben Gewässern, sind einem ohne zusätzliche Lichtquelle enge Grenzen gesteckt. Ein Blitz wäre die Lösung. Aber wie findet man als Unterwasser-Blitz-Anfänger ein geeignetes Gerät? Internet-Recherche brachte mir nur theoretische Erkenntnisse, Versuche, sich von befreundeten UW-Fotografen ein Blitzgerät auszuleihen, scheiterten an der Kompatibilität. Abhilfe brachte mir das Digideep-Foto-Seminar 2007 in Hemmoor. Unter Anleitung von Seminarleiter Andi Voeltz testete ich den Sea&Sea YS-110 an meiner Kamera - und sammelte erste Eindrücke von der Blitzfotografie unter Wasser.
Inhalt
  1. Technik
  2. Vorbereitung des Blitzes für den Einsatz
  3. Der YS-110 im Wasser
  4. Persönliches Fazit
  5. Vor- und Nachteile im Überblick
1. Technik
Der YS-110 (Leitzahl 21/an Land bei vollem Blitz, ISO 100/m) wiegt in seinem Polycarbonat-Gehäuse mit samt der vier zum Betrieb notwendigen Batterien (AA-Mignonzellen oder Akkus) rund 700 Gramm. In meiner Konfiguration - zusammen mit zwei 8-Inch-ULCS-Armen, drei Klemmschellen und dem Anschlussstück - bringt er (flug)reisefreundliche 600 Gramm auf die Waage. Zur Ausstattung gehört neben dem integrierten Pilotlicht eine Diffusorscheibe.




Die Einstellmöglichkeiten sind mit vier Schaltern anfängerfreundlich simpel gehalten:
  • Der Betriebsmodusregler
    bietet drei Optionen für den Blitz-Ausgang. Einstellung 1 ermöglicht die Benutzung einer Digitalkamera mit Vorblitz oder eines SLR-Gehäuses mit Sync-Cord-Verbindung (Glasfaserkabel). Einstellung 2 ist für Digi-Cams ohne Vorblitz oder SLR-Gehäuse mit Synchronisationskabel-Verbindung vorgesehen. Einstellung 3 aktiviert den TTL-Blitzausgang (bei digitalen Kompaktkameras den DS-TTL-Ausgang).
  • Per Ein-/Ausschalter
    lässt sich der Sklaven-Modus aktivieren.
    Damit kann Blitz auch ohne Synchronisierungskabel verwendet werden.
  • Ein Drehregler
    ermöglicht in den beiden manuellen Modi die Einstellung der Lichtstärke in 12 Abstufungen. Im DS-TTL-Modus lässt sich mit diesem Regler die Lichtstärke dimmen.
  • Mittels Druckknopf
    wird das in den Blitz integrierte LED-Pilotlicht ein- oder ausgeschaltet. Beim Blitzen schaltet es sich automatisch aus und geht wieder an, sobald der Blitz erneut einsatzbereit ist.

Das Batteriefach wird mit einem Deckel mit Steck- und Drehmechanismus verschlossen. Diese Abdeckung ist mit einem O-Ring gesichert. Die Kupplung für das Synchronisationskabel wird bei Nichtgebrauch mit einem Schraubdeckel verschlossen, in dem ebenfalls ein O-Ring integriert ist.

Die drei Blitzröhren sind im Reflektor im Dreieck um das Pilotlicht angeordnet. Damit soll eine gleichmäßige Ausleuchtung bewirkt werden. Laut Herstellerangaben wird mit Diffusor ein Ausleuchtwinkel von 105 x 105 Grad erzielt. Die Farbtemperatur wird mit 5400 Kelvin (5100 Kelvin mit Diffusor) angegeben. Die Blitzfolgezeit beträgt 2 bis 6 Sekunden (abhängig von Batterie-Typ und eingestellter Leuchtkraft). Mit Alkali-Batterien sollen 160 Blitze möglich sein, mit Ni-MH-Akkus (2700mA) 320 Blitze.

Die maximale Tauchtiefe des YS-110 beträgt 60 Meter.

2. Vorbereitung des Blitzes für den Einsatz
Die Vorbereitung des Blitzes an Land ist ein Kinderspiel: Das Batteriefach wird mit einem Handgriff geöffnet. Die vier Mignonzellen einlegen, Deckel drauf, zudrehen. Mit den Klemmschellen und ULCS-Armen ist der Blitz ruckzuck am Kugelkopf des Hugyfot-Gehäuses befestigt. Synchronisationskabel anstecken und festschrauben - fertig. Wenn die Handgriffe sitzen, dauert die Montage keine fünf Minuten. Fairerweise sei gesagt, dass mir beim erstmaligen Montieren Andi Voeltz als Seminarleiter zur Seite stand. Der empfahl mir für meine ersten Tauchgänge die manuelle Einstellung ohne TTL, Slave-Modus auf "Off", Pilotlicht "An", Lichtstärkeregler auf volle Leistung. Die richtige Belichtung sollte ich ausschließlich über Blende und Zeit an der Kamera regeln. Beim Einstellen fällt auf: Ohne Handschuhe lassen sich die klein dimensionierten Regler am YS-110 noch problemlos betätigen, mit dicken Tauchhandschuhen dürfte die Bedienung der Mini-Schalter eine ziemliche Fummelei werden.
3. Der YS-110 im Wasser
Mein erster Fototauchgang mit Blitzsystem - ich empfand ihn anfangs als Katatstrophe: Musste ich bisher nur mich, die Kamera und das Motiv in Einklang bringen, wollte nun jedesmal noch der Blitz in die richtige Position gedreht werden. Das Hantieren mit dem Blitzarm kam mir wie ein einziges Gezerre, Geschiebe und Gewürge vor. Hatte ich den Blitz endlich da, wo ich ihn haben wollte, war der Fisch weg oder meine Tarierung außer Kontrolle. Also beschränkte ich mich zunächst auf unbewegte, große Objekte wie Betonröhren, Warnschilder oder Segelboot. Hemmoor hat von solcherlei Motiven zum Glück genug zu bieten. Erst nach und nach gewöhnte ich mich an das Handling mit dem "Blitzausleger". Dennoch: Nach dem ersten Tauchgang mit Blitz fühlte ich mich, als müsste ich in Sachen Unterwasserfotografie wieder bei Null anfangen. Mein Trost: Ich war nicht der einzige Seminarteilnehmer, dem es so erging. Meine gedämpfte Stimmung wurde schließlich bei der gemeinsamen Auswertung der ersten Bilder aufgeheitert: Einige meiner Aufnahmen waren recht passabel. Ein Grund dafür: Die ausführliche theoretische und praktische Einweisung vor dem Tauchgang - bezogen auf das jeweilige Kamera-Blitz-System jedes einzelnen Kurs-Teilnehmers. Hatte ich vorher meine Zweifel am praktischen Nutzen eines UW-Fotoseminars nach dem Motto "Was kann ich da schon lernen, was ich mir nicht auch selbst beibringen kann?", zeigte sich spätestens jetzt: Um auf den Wissensstand zu kommen, der als geballtes Know-How inneralb von zwei Tagen in vier Tauchgängen vermittelt wurde, hätte ich als "Autodidakt" vermutlich dutzende Tauchgänge benötigt.

In den folgenden drei Tauchgängen fiel mir die Handhabung des Blitzsystems zunehmend leichter. Besser gesagt: die Ausrichtung vom Blitz aufs Motiv. Denn an den oben beschiebenen Blitz-Einstellungen nahm ich keine Änderungen vor, allein das Optimieren der Belichtungseinstellungen an der Kamera und meiner Position zum Motiv führte zu zunehmend besseren Aufnahmen. Sofern meine Belichtungseinstellungen an der Kamera in Ordnung waren, hat der YS-100 in der Distanz von 0,5 bis 4 Meter den Aufnahmebereich meines Weitwinkelobjektivs korrekt ausgeleuchtet. Mit einem Satz Batterien konnte ich rund 250 Aufnahmen machen, bevor dem Blitz die Puste ausging. Feinheiten wie Lichtstärkeregelung, TTL-Messung oder die Verwendung als Sklavenblitz werde ich in Zukunft austesten, denn inzwischen habe ich mir den YS-110 zugelegt.
4. Persönliches Fazit
Ein fachkompetentes Urteil über den YS-110 kann ich mangels Vergleichsmöglichkeiten und ausreichender Erfahrung sicher nicht fällen. Aus meiner subjektiven Sicht als Blitz-Anfänger halte ich ihn allerdings für ein gelungenes Einsteigermodell: Seine Bedienung ist übersichtlich, durch geringes Gewicht kompakt und reisefreundlich. Der Betrieb ist mit handelsüblichen Batterien möglich, die auch auf abgelegenen Tauchbasen erhältlich sein sollten. Er kann mit digitalen SLR- oder Kompaktkameras sowie mit analogen Modellen verwendet werden. Er bietet Anschlussmöglichkeiten per Synchronisations- oder Glasfaserkabel, kann aber auch kabellos als Sklavenblitz eingesetzt werden. Als Nachteil erweisen sich die kleinen Bedienelemente des Blitzes, für eine einfachere Verwendung mit Handschuhen hätten sie größer ausfallen müssen.
5. Vor und Nachteile im Überblick
+ Übersichtliche Bedienung
+ kompakt, geringes Gewicht
+ integriertes Pilotlicht
+ Betrieb mit handelsüblichen Batterien möglich
+ kompatibel mit diversen Kamerasystemen
+ Anschlussmöglichkeiten mit Synchronisations- oder Glasfaserkabel, kabellose Sklavenblitzfunktion

- Bedienelemente zu klein

 


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Erschienen in: Testberichte | UW-Fotografie
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comments

@Markus
Ein gelungener Bericht, der vor allen Dingen zeigt, dass es nicht ganz so einfach ist, sich mit den Tücken der Technik auseinanderzusetzen.
Allerdings fällt mir die Aussage zur Bedienung etwas zu pauschal aus, da du offensichtlich nur vermutest (wenn ich es richtig lese) dass die Bedienung mit dick(er)en Handschuhen problematisch sein könnte.
Andererseits kommt positiv rüber, dass man ruhig mal jemanden fragen sollte, der sich damit auskennt ... das könnte die Erfolgserlebnisse durchaus beschleunigen.
Stets GL² (Gut Licht + Luft)
Frank

posted by .(JavaScript must be enabled to view this email address) on 2008/03/11 Great Britain (UK)

@Frank

Zunächst mal Danke für das Lob.

Die Tauchgänge habe ich mit 7mm-Neoprenhandschuhen absolviert, weil meine dickeren Trockenhandschuhe ein Leck hatten. Mit den Neos war die Bedienung des Blitzes möglich, aber nicht grad komfortabel. Da meine Trockenhandschuhe noch etwas dicker als meine Neos sind, rechne ich bei deren Einsatz mit der oben erwähnten "Fummelei". Aber du hast recht: Bis zum Beweis, handelt es sich um eine Vermutung...

Mein Eindruck mag vielleicht auch durch meine bis dato grundsätzliche Unerfahrenheit mit UW-Blitzen geprägt gewesen sein. Inzwischen habe ich mit dem YS-110 auch Tauchgänge vor Teneriffa absolviert - ohne Handschuhe. Dann ist die Bedienung völlig unproblematisch.

Herzlichen Gruß
Markus

posted by .(JavaScript must be enabled to view this email address) on 2008/03/12 Germany

Hallo Markus,

danke für den Bericht ... dann zeig doch mal ein paar Fotos aus Teneriffa! Ich werde mir auch bald noch zwei YS-110er holen. Bin schon gespannt!

Gruss,
Adrian

posted by Adrian Schöne on 2008/03/14 Germany

Ich hätte mich gefreut, wenn ein paar Angaben zu den Ergebnissen bei den verschiedenen möglichen Einstellungen gekommen wären.

Ich hab den Blitz an der Sea&Sea;DX-1G mit Glasfaserkabel getestet und habe extrem unterschiedliche Ergebnisse bei TTL-Messung erhalten, überwiegend Unterbelichtungen auch bei kurzen Distanzen. Ich habe auch den Kamerablitz komplett abgeklebt (statt nur den Diffusor vorzuklappen), um Schwebeteilchen-Artefakte weitgehend zu eliminieren. (Zu erwähnen ist auch, das Testbilder über Wasser nicht vergleichbar sind mit unter Wasser.)

Dazu scheint der Blitz trotz Glasfaserkabel manchmal nicht auszulösen. Ganze Serien/Tauchgänge können einem verhagelt werden, weil man die fehlende Blitzauslösung nicht unbedingt bemerkt, weil der Blitz der Kamera auslöst.

Die noch besten Ergebnisse hatte ich (zusammen mit der Sea&Sea;DX-1G) bei folgender Konfiguration:
Blitz: TTL, Slave ON, Glasfaserkabel
DX-1G: Manuell, 1/250, f 7.9 bei 15.3 mm (= KB 72 mm), ISO 80, Multi-AF, Weißabgleich wolkig.

Auch ich kann das initiale Gehampel mit der Blitzausrichtung nur bestätigen. Wenn man die Sache nicht zu "stramm" einstellt, sollte das aber gehen. Wichtig erscheint mir, Kamera und Blitz beim Buddy-Check auf volle Betriebsbereitschaft geschaltet und getestet zu haben, um nicht "unten" die Hälfte zu vergessen.

Ich bin mit meinen Ergebnissen aber noch lange nicht zufrieden, die bei weitem nicht mit etlichen meiner Bilder mit direktem Kamerablitz mithalten können. Aber was soll's: so wird jeder TG lehrreich!

Vielleicht gibt es noch weitere Erfahrungen?

posted by .(JavaScript must be enabled to view this email address) on 2008/03/14 Europe

@Adrian

Drei Fotos vom Teneriffa-Urlauf findest du hier:
http://www.digideep.com/go/forums/viewthread/7346/

posted by .(JavaScript must be enabled to view this email address) on 2008/03/16 Germany

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